DAS NEUSTE

Radwegbau zwischen Neugersdorf und Seifhennersdorf gestoppt: Wenn für sichere Schulwege plötzlich kein Geld mehr da ist

Seifhennersdorf/Neugersdorf. Der geplante Radweg zwischen Neugersdorf und Seifhennersdorf wird vorerst nicht gebaut. Der ursprünglich für die Sommerferien 2026 erwartete Baustart fällt aus. Nach Angaben der sächsischen Staatsregierung fehlen im zuständigen Infrastrukturministerium wegen der angespannten Haushaltslage die notwendigen 3,8 Millionen Euro.

Das ist für die Region ein schwer nachvollziehbares Signal. Denn das Vorhaben ist nicht irgendein Wunschprojekt, sondern eine längst geplante und baureife Maßnahme für mehr Verkehrssicherheit. Besonders betroffen sind Schüler des Oberland-Gymnasiums Seifhennersdorf, die auf eine sichere Radverbindung angewiesen wären.

Baureif, notwendig, aber nicht finanziert

Der Radweg entlang der Verbindung Neugersdorf–Seifhennersdorf gilt seit über zwei Jahren als umsetzungsreif. Das Baurecht liegt vor, die Planung ist abgeschlossen, der Bedarf ist offensichtlich. Trotzdem wird der Bau nun gestoppt.

Ausgerechnet bei einem Projekt, das Kindern, Jugendlichen, Pendlern und Radfahrern im Alltag konkret helfen würde, heißt es nun: kein Geld. Für die Bürger vor Ort ist das kaum vermittelbar. Denn während in Berlin und Dresden große politische Programme, internationale Hilfspakete und Sozialausgaben in Milliardenhöhe beschlossen werden, scheitert ein dringend benötigter Radweg in der Oberlausitz an 3,8 Millionen Euro.

Sicherheit der Schüler bleibt auf der Strecke

Besonders bitter ist die Entscheidung für Schüler und Eltern. Der Radweg hätte die Verbindung zum Oberland-Gymnasium Seifhennersdorf sicherer gemacht. Wer heute mit dem Fahrrad unterwegs ist, muss auf Abschnitte ausweichen, die für Kinder und Jugendliche nicht ideal sind.

Gerade im ländlichen Raum ist Mobilität ein zentrales Thema. Nicht jede Familie kann jeden Schulweg mit dem Auto organisieren. Ein sicherer Radweg wäre deshalb kein Luxus, sondern ein Stück Selbstständigkeit, Sicherheit und Alltagserleichterung für junge Menschen.

Wenn ein baureifes Projekt für Schulwegsicherheit auf unbestimmte Zeit verschoben wird, stellt sich zwangsläufig die Frage: Welche Prioritäten setzt die Politik eigentlich?

Milliarden für große Politik, aber kein Geld für die Oberlausitz?

Der Fall zeigt ein grundsätzliches Problem deutscher Finanzpolitik. Für internationale Verpflichtungen, immer neue Sozialleistungen und große politische Programme werden Milliardenbeträge bewegt. Gleichzeitig fehlen vor Ort wenige Millionen für konkrete Infrastruktur.

Deutschland hat nach Angaben der Bundesregierung seit Beginn des russischen Angriffskrieges umfangreiche Unterstützung für die Ukraine geleistet beziehungsweise für kommende Jahre bereitgestellt. In offiziellen Übersichten ist von rund 41 Milliarden Euro ziviler Unterstützung und etwa 55,5 Milliarden Euro militärischer Unterstützung die Rede; für 2026 nennt das Verteidigungsministerium allein 11,5 Milliarden Euro für Ukraine-Unterstützung.

Auch beim Kindergeld gibt es seit Jahren Diskussionen über Zahlungen ins Ausland. Die Bundesagentur für Arbeit weist ausdrücklich darauf hin, dass Kindergeld auch über Ländergrenzen hinweg gezahlt werden kann. Nach Auswertungen für 2025 lebten rund 255.000 Kinder mit ausländischer Staatsangehörigkeit, für die Kindergeld gezahlt wurde, nicht in Deutschland; zugleich handelte es sich dabei um etwa ein Prozent der gesamten Kindergeldzahlungen.

Hinzu kommt ein Sozialsystem, dessen Kosten enorme Dimensionen erreicht haben. Für das Bürgergeld waren im Bundeshaushalt 2026 rund 28,05 Milliarden Euro vorgesehen. Das zeigt: An großen Ausgaben fehlt es dem Staat nicht. Die Frage ist vielmehr, ob das Geld dort ankommt, wo es den Bürgern vor Ort unmittelbar nutzt.

Der ländliche Raum zahlt den Preis politischer Schieflagen

In der Oberlausitz erleben viele Bürger seit Jahren, dass der ländliche Raum zwar in Sonntagsreden beschworen wird, bei konkreten Investitionen aber oft hinten ansteht. Straßen, Schulen, Radwege, Brücken, medizinische Versorgung und öffentlicher Nahverkehr brauchen verlässliche Finanzierung. Stattdessen werden Projekte verschoben, gekürzt oder jahrelang geprüft.

Der gestoppte Radweg zwischen Neugersdorf und Seifhennersdorf steht deshalb symbolisch für ein größeres Problem. Während politische Großprojekte und bundesweite Umverteilungssysteme weiterlaufen, müssen die Menschen in der Region auf grundlegende Infrastruktur warten.

Gerade hier braucht es aber klare Prioritäten: sichere Schulwege, funktionierende Straßen, erreichbare Schulen, starke Kommunen und eine verlässliche Infrastruktur. Wer den ländlichen Raum stärken will, muss zuerst dort investieren, wo Bürger jeden Tag konkret betroffen sind.

Kritik von Franziska Schubert

Die Grünen-Abgeordnete Franziska Schubert kritisierte die Entscheidung scharf. Sie fordert, die Sicherheit der Kinder in der Oberlausitz zu priorisieren. In diesem Punkt ist die Kritik berechtigt: Ein baureifer Radweg, der der Schulwegsicherheit dient, darf nicht an einer vergleichsweise überschaubaren Summe scheitern.

Unabhängig von parteipolitischen Positionen bleibt der Kern der Sache klar: Wenn ein Projekt fertig geplant ist, Baurecht besitzt und für die Sicherheit von Kindern wichtig ist, muss es umgesetzt werden.

Was jetzt passieren muss

Der Freistaat Sachsen muss erklären, warum ausgerechnet dieses Projekt nicht finanziert wird. Die Region braucht eine klare Aussage, wann der Radweg tatsächlich gebaut wird. Ein bloßer Verweis auf die Haushaltslage reicht nicht aus.

Wenn 3,8 Millionen Euro für eine sichere Radverbindung nicht bereitgestellt werden können, während an anderer Stelle Milliardenbeträge bewegt werden, entsteht ein gefährlicher Vertrauensverlust. Bürger erwarten zu Recht, dass der Staat zuerst seine Kernaufgaben erfüllt: Sicherheit, Infrastruktur, Bildung und Verlässlichkeit.

Fazit

Der gestoppte Radweg zwischen Neugersdorf und Seifhennersdorf ist ein politisches Warnsignal. Es geht nicht nur um Asphalt, Markierungen und Baukosten. Es geht um Schulwegsicherheit, ländliche Mobilität und die Frage, ob die Oberlausitz bei wichtigen Investitionen ernst genommen wird.

Die notwendigen 3,8 Millionen Euro wirken angesichts bundesweiter Milliardenprogramme fast gering. Für die Menschen vor Ort machen sie jedoch einen großen Unterschied. Genau deshalb muss dieses Projekt wieder auf die Tagesordnung.

Kommentar der Redaktion

Deutschland hat kein Einnahmeproblem, sondern ein Prioritätenproblem. Wenn Milliarden für internationale Hilfen, Sozialausgaben und politische Großprojekte bereitstehen, aber ein sicherer Radweg für Schüler in der Oberlausitz an 3,8 Millionen Euro scheitert, läuft etwas falsch.

Ein Staat muss zuerst dort funktionieren, wo seine Bürger leben: auf dem Schulweg, auf der Landstraße, in der Kommune. Der Radweg Neugersdorf–Seifhennersdorf wäre ein kleines, aber wichtiges Zeichen gewesen, dass auch der ländliche Raum zählt. Dass dieses Projekt nun gestoppt wird, ist mehr als eine Verzögerung. Es ist ein Armutszeugnis politischer Prioritätensetzung.

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