Philipp Bormann übernimmt das Theater Görlitz-Zittau

Am Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau beginnt zum 1. August 2026 eine neue Leitungsphase. Philipp Bormann übernimmt die Geschäftsführung und Intendanz der gemeinsamen Theatergesellschaft. Er folgt auf Daniel Morgenroth, dessen Amtszeit am 31. Juli endet. Der Wechsel betrifft die Theaterstandorte in Zittau und Görlitz, die Neue Lausitzer Philharmonie sowie rund 250 Beschäftigte.

Bormann kommt nicht von außerhalb. Er arbeitet bereits seit 2009 am Gerhart-Hauptmann-Theater und war zuletzt Verwaltungsdirektor und Prokurist. Damit übernimmt ein Mitarbeiter die Leitung, der die wirtschaftlichen, personellen und künstlerischen Strukturen des Hauses seit vielen Jahren kennt.

Was aktuell geschieht

Der Landkreis Görlitz hatte der Berufung Bormanns bereits im Dezember 2025 zugestimmt. Nach dem damaligen Beschluss wird Daniel Morgenroth zum Ablauf des 31. Juli 2026 als Geschäftsführer abberufen. Philipp Bormann übernimmt die Leitung der Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau GmbH und der zugehörigen Theater-Servicegesellschaft am 1. August.

Mit dem Führungswechsel beginnt zugleich die Spielzeit 2026/27 unter neuer Verantwortung. Bormann soll sowohl die künstlerische Entwicklung als auch die wirtschaftliche Führung des Hauses übernehmen. Der bisherige Verwaltungsdirektor wird damit für ein Vierspartentheater verantwortlich, zu dem Schauspiel, Musiktheater, Tanz und Konzert gehören.

Die beiden Hauptstandorte erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Das Schauspielensemble ist vor allem in Zittau beheimatet. Musiktheater, Tanz und große Orchesterproduktionen prägen den Standort Görlitz. Hinzu kommen Aufführungen auf der Waldbühne Jonsdorf, im Zittauer Klosterhof und an weiteren Spielorten im Landkreis.

Die wichtigsten Fakten

Philipp Bormann ist 49 Jahre alt und stammt aus Hildesheim. Er arbeitet seit 2009 für das Gerhart-Hauptmann-Theater. Seit 2021 führte er die Verwaltung des Hauses. Damit verfügt er sowohl über Kenntnisse der künstlerischen Abläufe als auch über Erfahrung mit Finanzen, Personal und Organisation.

Das Gerhart-Hauptmann-Theater beschäftigt nach Angaben des Deutschen Bühnenvereins rund 250 Menschen. Zur Theatergesellschaft gehören die Spielstätten in Görlitz und Zittau sowie die Neue Lausitzer Philharmonie.

Bormann übernimmt die Intendanz zur Spielzeit 2026/27. Als Leitgedanken der neuen Saison hat das Theater das gemeinsame Arbeiten über Sparten- und Standortgrenzen hinweg hervorgehoben. Bormann beschrieb Theater gegenüber dem MDR als Teamsport und stellte ein gemeinsames „Wir“ in den Mittelpunkt.

Die Theatergesellschaft wird von mehreren kommunalen Trägern getragen. Entscheidungen über Finanzierung, Geschäftsführung und langfristige Strukturen betreffen deshalb nicht allein das Theater selbst, sondern auch den Landkreis Görlitz sowie die Städte Görlitz und Zittau.

Der Hintergrund

Das heutige Gerhart-Hauptmann-Theater entstand 2011 durch die Zusammenführung der Theaterbetriebe in Görlitz und Zittau. Ziel war es, die kulturellen Angebote beider Städte in einer gemeinsamen Gesellschaft zu sichern.

Die Struktur ist anspruchsvoll. Zwei große Standorte müssen organisatorisch verbunden werden, obwohl sie unterschiedliche künstlerische Schwerpunkte und eigene Traditionen besitzen. Das Schauspiel hat in Zittau eine besondere Bedeutung, während Görlitz stärker durch Musiktheater, Tanz und Orchester geprägt ist.

Die gemeinsame Gesellschaft ermöglicht es, Verwaltung, Technik und künstlerische Ressourcen zu bündeln. Zugleich besteht die Aufgabe, beide Städte angemessen im Spielplan und bei Investitionen zu berücksichtigen.

Der Führungswechsel fällt in eine Phase, in der kommunale Theater in ganz Deutschland unter finanziellem Druck stehen. Tarifsteigerungen, höhere Energie- und Materialkosten sowie notwendige Investitionen in Gebäude und Bühnentechnik belasten die Haushalte. In einem strukturell angespannten Landkreis ist die dauerhafte Finanzierung eines Vierspartenhauses besonders anspruchsvoll.

Warum der Wechsel gerade jetzt wichtig ist

Mit dem Beginn der Spielzeit müssen nicht nur neue Inszenierungen vorbereitet werden. Die Theaterleitung muss zugleich über Personal, Budgets, Gastspiele, Kooperationen und die langfristige Ausrichtung der beiden Standorte entscheiden.

Bormanns Vorteil liegt in seiner Kenntnis des Hauses. Er muss keine längere Einarbeitungsphase in Verwaltungsstrukturen, Personalfragen oder die Zusammenarbeit mit den kommunalen Trägern durchlaufen. Gleichzeitig wird er daran gemessen werden, ob ihm auch eine erkennbare künstlerische Entwicklung gelingt.

Für Zittau ist vor allem wichtig, dass das Schauspiel als eigenständiger Schwerpunkt erhalten bleibt. Die Stadt liegt weit entfernt von den großen Kulturzentren Dresden, Leipzig und Berlin. Das Theater übernimmt deshalb eine Funktion, die weit über einzelne Vorstellungen hinausgeht.

Es arbeitet mit Schulen, Vereinen und kulturellen Einrichtungen zusammen, bietet Arbeitsplätze und bringt Besucher in die Innenstadt. Mobile Produktionen erreichen zudem Orte, die kein eigenes Theater besitzen.

Was der Wechsel für Zittau bedeutet

Das Theater gehört zu den bedeutendsten kulturellen Einrichtungen Zittaus. Es prägt das Veranstaltungsangebot der Stadt und ist eng mit der regionalen Identität verbunden.

Für die Beschäftigten bringt der Wechsel zunächst personelle Kontinuität. Bormann kennt viele Mitarbeiter und bestehende Abläufe bereits aus seiner bisherigen Tätigkeit. Ein vollständiger Bruch mit der bisherigen Organisationsstruktur ist daher nicht zu erwarten.

Dennoch beginnt eine neue Phase. Die Leitung muss festlegen, wie stark die Spielstätten in Görlitz und Zittau künftig zusammenarbeiten, welche Produktionen an welchem Ort entstehen und wie das Theater neue Zuschauergruppen gewinnt.

Besonders relevant ist die Ansprache jüngerer Menschen. Schulen, Kinder- und Jugendtheater sowie mobile Angebote können dabei helfen, langfristig ein neues Publikum aufzubauen. Zugleich darf das bestehende Stammpublikum nicht aus dem Blick geraten.

Auch die grenzüberschreitende Lage bietet Möglichkeiten. Zittau liegt unmittelbar an Polen und Tschechien. Das Theater kann deshalb stärker mit Partnern in Liberec, Bogatynia und weiteren Städten der Dreiländerregion zusammenarbeiten.

Die ostdeutsche Besonderheit

Kommunale Theater besitzen in Ostdeutschland traditionell eine hohe Bedeutung. Auch kleinere und mittlere Städte verfügen über feste Ensembles, Orchester und eigene Spielstätten.

Diese dichte Kulturlandschaft ist ein Standortvorteil, steht aber regelmäßig unter finanziellem Druck. Wenn kommunale Haushalte belastet sind, geraten freiwillige Leistungen wie Kulturförderung schnell in die Haushaltsdebatte.

Ein Theater lässt sich jedoch nicht kurzfristig schließen und später ohne Weiteres wieder aufbauen. Ensembles, technische Fachkräfte, Werkstätten und musikalische Strukturen benötigen jahrelange Entwicklung.

Im Landkreis Görlitz kommt die große Entfernung zwischen den Städten hinzu. Kulturelle Angebote müssen für Einwohner in ländlichen Gebieten erreichbar bleiben. Die gemeinsame Theatergesellschaft trägt daher Verantwortung für eine ganze Region und nicht nur für die beiden Sitzstädte.

Für Zittau besitzt das feste Schauspielensemble zudem einen besonderen Wert. Es verhindert, dass kulturelle Angebote ausschließlich auf gelegentliche Gastspiele reduziert werden.

Aufgaben und offene Fragen

Bormann muss zunächst die Zusammenarbeit der Sparten und Standorte organisieren. Sein angekündigter gemeinschaftlicher Ansatz soll Trennungen innerhalb des Hauses überwinden. Wie sich das konkret im Spielplan, bei gemeinsamen Produktionen und bei der Verteilung von Ressourcen zeigt, wird sich erst während der neuen Saison erweisen.

Eine weitere Aufgabe ist die wirtschaftliche Stabilität. Das Theater ist auf Zuschüsse seiner Träger und auf öffentliche Kulturförderung angewiesen. Gleichzeitig muss es Einnahmen aus Kartenverkauf, Vermietungen, Gastspielen und weiteren Angeboten erzielen.

Offen ist, welche langfristigen Investitionen an den Standorten erforderlich sind. Bühnenhäuser, Werkstätten, Zuschauerbereiche und technische Anlagen verursachen regelmäßig hohe Sanierungs- und Modernisierungskosten.

Hinzu kommt die Frage nach der Publikumsentwicklung. Das Theater muss Stammgäste halten und zugleich Menschen erreichen, die bislang selten Vorstellungen besuchen. Dafür sind verständliche Spielpläne, regionale Themen und Kooperationen mit Schulen und Vereinen entscheidend.

Bormann muss außerdem die unterschiedlichen Interessen der Träger ausgleichen. Zittau und Görlitz erwarten, dass ihre Standorte sichtbar bleiben und bei Produktionen, Personal und Investitionen angemessen berücksichtigt werden.

Wie es weitergeht

Am 1. August übernimmt Philipp Bormann offiziell die Leitung. Danach beginnt die praktische Umsetzung der bereits vorgestellten Spielzeit 2026/27.

Die ersten Produktionen werden zeigen, wie der neue Intendant seinen gemeinschaftlichen Ansatz auf der Bühne und im Arbeitsalltag umsetzt. Besonders aufmerksam wird in Zittau verfolgt werden, welche Stellung das Schauspiel innerhalb der gemeinsamen Gesellschaft erhält.

Für die kommunalen Träger stehen in den kommenden Monaten Haushalts- und Finanzierungsfragen an. Dabei wird sich zeigen, welche Mittel dem Theater für Spielbetrieb, Personal und Investitionen zur Verfügung stehen.

Auch die Zusammenarbeit mit Schulen, Vereinen und Partnern in Polen und Tschechien dürfte eine wichtige Rolle spielen. Durch die Lage im Dreiländereck besitzt das Theater Möglichkeiten, die andere kommunale Bühnen in dieser Form nicht haben.

Fazit

Philipp Bormann übernimmt zum 1. August 2026 die Leitung des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz-Zittau. Der bisherige Verwaltungsdirektor kennt die Gesellschaft, ihre Beschäftigten und die beiden Standorte seit vielen Jahren.

Für Zittau geht es um die dauerhafte Sicherung eines festen Schauspielstandorts und um die kulturelle Versorgung der südlichen Oberlausitz. Der neue Intendant muss künstlerische Entwicklung, wirtschaftliche Stabilität und die Interessen beider Theaterstädte miteinander verbinden.

Der Wechsel bringt personelle Kontinuität, eröffnet aber zugleich eine neue Leitungsphase. Ob der angekündigte gemeinsame Kurs die Standorte stärkt, wird sich an den Produktionen, der Publikumsentwicklung und der langfristigen Finanzierung messen lassen.

Quellen

– Landkreis Görlitz: Beschlüsse des Kreistages zur Geschäftsführung des Gerhart-Hauptmann-Theaters, 10. Dezember 2025
– MDR Kultur: Bericht zur Spielzeit 2026/27 und zu Philipp Bormanns künstlerischen Plänen, 28. Mai 2026
– Deutscher Bühnenverein: Angaben zum Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau, abgerufen am 22. Juli 2026
– Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau: Angaben zur bisherigen Funktion Philipp Bormanns, abgerufen am 22. Juli 2026

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