Fahrgäste in Zittau, Löbau und im gesamten Landkreis Görlitz müssen künftig mehr für eine Taxifahrt bezahlen. Der Kreistag hat einer Anpassung der Taxitarifordnung zugestimmt. Es ist die erste Erhöhung seit vier Jahren.
Begründet wird der Schritt mit gestiegenen Personal- und Betriebskosten. Taxiunternehmen müssen unter anderem höhere Löhne, Werkstattrechnungen, Versicherungen und Fahrzeugkosten tragen. Nach Darstellung der Branche reichen die bisherigen Tarife deshalb nicht mehr aus, um den Betrieb wirtschaftlich aufrechtzuerhalten.
Grundpreis steigt um einen Euro
Der Grundpreis erhöht sich tagsüber von bislang 4,50 Euro auf 5,50 Euro. In der Nacht sowie an Sonn- und Feiertagen werden künftig 6,50 Euro statt bisher 5,50 Euro fällig.
Zusätzlich steigen die Entgelte für die gefahrenen Kilometer. Die genauen Kosten einer Fahrt hängen weiterhin von der Strecke, der Tageszeit, möglichen Zuschlägen und Wartezeiten ab. Die verbindlichen Entgelte gelten innerhalb des Pflichtfahrgebietes des Landkreises Görlitz und damit auch für Fahrten in Zittau, Löbau und den umliegenden Gemeinden.
Wartezeit wird minutengenau berechnet
Auch die Berechnung der Wartezeit wurde neu geregelt. Ursprünglich sollte ein Wert von 45 Euro je Stunde in der Tarifordnung stehen. Auf Antrag der Kreistagsfraktion BSW/Freie Wähler Zittau wurde beschlossen, die Kosten stattdessen minutengenau auszuweisen.
Künftig werden für jede Warteminute 75 Cent berechnet. Die Befürworter der Änderung argumentierten, dass Fahrgäste einen Minutenpreis leichter nachvollziehen könnten als einen pauschalen Stundenbetrag. Rechnerisch bleibt es bei 45 Euro je Stunde.
Im ländlichen Raum fehlt häufig eine Alternative
Die Preiserhöhung betrifft nicht nur gelegentliche Fahrten am Abend. In vielen kleineren Orten der südlichen Oberlausitz übernimmt das Taxi Aufgaben, für die in größeren Städten Busse, Straßenbahnen oder kurze Fußwege zur Verfügung stehen.
Gerade ältere Menschen nutzen Taxen für Arztbesuche, Einkäufe oder Fahrten zum Bahnhof. Auch Patienten, Menschen mit eingeschränkter Mobilität und Einwohner ohne eigenes Auto sind auf das Angebot angewiesen.
In Dörfern rund um Zittau, Löbau, Herrnhut, Seifhennersdorf oder das Zittauer Gebirge können bereits längere Anfahrts- und Fahrtwege entstehen. Steigen Grund- und Kilometerpreise gleichzeitig, fällt die Gesamtbelastung dort stärker aus als bei einer kurzen innerstädtischen Strecke.
Krankenfahrten bleiben ein wichtiger Teil des Geschäfts
Für viele Taxiunternehmen im Landkreis sind Krankenfahrten ein wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit. Dabei geht es etwa um Fahrten zu Ärzten, Therapien, Dialysebehandlungen oder Krankenhäusern.
Werden die Kosten von einer Krankenkasse übernommen, gelten besondere Voraussetzungen. Häufig ist eine ärztliche Verordnung erforderlich, teilweise muss die Fahrt zuvor genehmigt werden. Fahrgäste sollten deshalb rechtzeitig klären, ob und in welcher Höhe sie einen Eigenanteil tragen müssen.
Bei privat bezahlten Fahrten wirken sich die neuen Tarife dagegen unmittelbar auf den Endpreis aus.
Taxiunternehmen stehen selbst unter Kostendruck
Die Unternehmen verweisen darauf, dass die höheren Preise nicht automatisch höhere Gewinne bedeuten. Fahrzeuge müssen regelmäßig gewartet, repariert und ersetzt werden. Hinzu kommen Kraftstoff, Versicherungen, Vermittlungstechnik und steigende Personalkosten.
Besonders kleinere Betriebe im ländlichen Raum stehen vor einem schwierigen Problem: Sie müssen ein großes Gebiet abdecken, haben jedoch häufig weniger Fahrgäste als Unternehmen in Ballungsräumen. Leerfahrten und lange Anfahrtswege lassen sich nicht vollständig vermeiden.
Ohne auskömmliche Tarife droht deshalb ein weiterer Rückgang des Taxiangebots. Für die Bevölkerung wäre das besonders dort problematisch, wo Busse nur selten oder am Abend gar nicht mehr verkehren.
Höhere Preise können Nachfrage weiter senken
Die neue Tarifordnung soll die wirtschaftliche Grundlage der Betriebe sichern. Gleichzeitig besteht das Risiko, dass Fahrgäste wegen der höheren Preise seltener ein Taxi bestellen.
Damit entsteht ein Kreislauf: Weniger Fahrten verschlechtern die Einnahmen der Unternehmen, während ein kleineres Taxiangebot die Mobilität im ländlichen Raum weiter einschränkt.
Der Landkreis muss deshalb langfristig nicht nur über Taxipreise sprechen, sondern über die gesamte Mobilitätsversorgung außerhalb der größeren Städte. Dazu gehören besser abgestimmte Busverbindungen, Rufbusse, flexible Bedienformen und eine sinnvolle Verknüpfung von Taxi, Bus und Bahn.
Mobilität darf auf dem Land nicht zum Luxus werden
Die Erhöhung ist angesichts gestiegener Kosten nachvollziehbar. Für Menschen, die freiwillig ein Taxi nutzen, bleibt sie möglicherweise verkraftbar. Anders sieht es bei Einwohnern aus, die keine realistische Alternative haben.
Gerade ältere und gesundheitlich eingeschränkte Menschen dürfen nicht vom gesellschaftlichen Leben oder von medizinischer Versorgung abgeschnitten werden, weil eine Fahrt zum Arzt immer teurer wird.
Die neuen Tarife zeigen deshalb ein grundsätzliches Problem der ländlichen Räume: Mobilität kostet mehr, obwohl die Einkommen vieler Einwohner nicht im gleichen Maß steigen. Politik, Verkehrsverbünde und Kommunen müssen darauf achten, dass aus einer notwendigen wirtschaftlichen Anpassung keine neue Versorgungslücke entsteht.


