Die Polizei erzielt in Zittau deutlich mehr Ermittlungserfolge bei grenzüberschreitenden Diebstählen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Überwachungssystem PerIS, das seit Ende 2023 an den drei mit Fahrzeugen passierbaren Grenzübergängen zur polnischen Seite eingesetzt wird.
Nach aktuellen Zahlen stieg die Aufklärungsquote bei Kfz-Diebstählen in Zittau von 12,5 Prozent im Jahr 2023 auf 54 Prozent im Jahr 2025. Damit hat sie sich innerhalb von zwei Jahren mehr als vervierfacht. Bei besonders schweren Diebstahlsfällen erhöhte sich die Quote im selben Zeitraum von 17 auf 30 Prozent.
Kameras erfassen Fahrzeuge an drei Grenzübergängen
PerIS ist an den Grenzübergängen Friedensstraße, Chopinstraße und an der Bundesstraße 178 installiert. Das System filmt vorbeifahrende Fahrzeuge sowie Fahrer und Beifahrer in hoher Auflösung.
Die Aufnahmen werden nach vier Tagen gelöscht, sofern die Polizei sie nicht innerhalb dieses Zeitraums als relevant für die Aufklärung einer Straftat einstuft. Das System ermöglicht Ermittlern, Bildmaterial nach Merkmalen wie Geschlecht, Alter, Tatzeit, Tatort oder verwendetem Fahrzeug zu durchsuchen.
Gerade bei Autodiebstählen fehlten der Polizei früher häufig verwertbare Spuren. Gestohlene Fahrzeuge konnten innerhalb kurzer Zeit über die Grenze gebracht werden, während am Tatort oftmals kaum mehr als eine leere Parklücke zurückblieb.
Rund 370 relevante Treffer seit 2024
Seit 2024 hat das System nach MDR-Angaben allein in Zittau rund 370 Treffer geliefert, die für Ermittlungen oder Strafverfahren von Bedeutung waren. Dabei wurden nicht nur mutmaßliche Auto- und Fahrraddiebe erfasst.
Auch bei Ermittlungen gegen Einbrecher, grenzüberschreitend tätige Betrüger, mutmaßliche Drogendealer und weitere Tatverdächtige soll das Bildmaterial eine Rolle gespielt haben.
Ein wichtiger Bestandteil der Ermittlungen ist die Zusammenarbeit mit der polnischen Polizei. Auf Grundlage der Aufnahmen konnten Tatverdächtige identifiziert und nach Angaben eines früheren Leiters der Sonderkommission Argus teilweise ganze Serien von Kfz-Diebstählen aufgeklärt werden. Auch Ermittlungen gegen mögliche Hintermänner wurden dadurch erleichtert.
Zahl der Auto- und Fahrraddiebstähle deutlich gesunken
Parallel zu den höheren Aufklärungsquoten gingen mehrere wichtige Deliktzahlen zurück. Die Zahl der Kfz-Diebstähle sank in Zittau von 57 Fällen im Jahr 2023 auf 25 Fälle im Jahr 2025.
Noch deutlicher war der Rückgang bei Fahrraddiebstählen. Hier verringerte sich die Zahl im selben Zeitraum von 158 auf 58 Fälle.
Die Zahlen sprechen für eine spürbare Verbesserung der Sicherheitslage in diesen Bereichen. Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Rückgang und PerIS lässt sich nach Einschätzung der Ermittler jedoch nicht eindeutig belegen.
Als weitere Einflussfaktoren gelten unter anderem die zeitweise eingeführten Grenzkontrollen der Bundespolizei sowie veränderte wirtschaftliche Bedingungen zwischen Deutschland und Polen.
Oberbürgermeister sieht abschreckende Wirkung
Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker bewertet das System positiv. Entscheidend sei vor allem, dass Straftaten besser aufgeklärt würden. Eine hohe Aufklärungswahrscheinlichkeit könne zugleich eine abschreckende Wirkung auf Täter haben.
Für eine Grenzstadt wie Zittau ist dieser Effekt besonders bedeutsam. Die Lage im Dreiländereck erleichtert den legalen Austausch und den täglichen Grenzverkehr, stellt Polizei und Justiz bei grenzüberschreitenden Straftaten aber seit Jahren vor besondere Herausforderungen.
Die Technik ersetzt keine Polizeistreifen, Ermittlungsarbeit oder internationale Zusammenarbeit. Sie liefert den Behörden jedoch schneller konkrete Ansatzpunkte, wenn Tatverdächtige oder gestohlene Fahrzeuge über die Grenze bewegt werden.
Sicherheit und Datenschutz bleiben abzuwägen
Die Ausweitung technischer Überwachung wirft zugleich Fragen nach Datenschutz und Verhältnismäßigkeit auf. Das System erfasst auch unbescholtene Pendler, Anwohner und Reisende, die täglich die Grenze überqueren.
Entscheidend ist deshalb, dass Speicherung, Auswertung und Löschung der Aufnahmen streng nach den gesetzlichen Vorgaben erfolgen. Nach den bislang veröffentlichten Angaben werden nicht als relevant eingestufte Aufnahmen nach vier Tagen gelöscht.
Die bisherige Bilanz zeigt dennoch, dass moderne Technik in einer Grenzregion konkrete Ermittlungsfortschritte ermöglichen kann. Besonders die stark gestiegene Aufklärungsquote bei Autodiebstählen macht deutlich, welchen praktischen Nutzen verwertbares Bildmaterial für die Polizei haben kann.
Quellenhinweis
Grundlage des Artikels ist ein Bericht des MDR Sachsen vom 13. Juli 2026 über die Entwicklung der Grenzkriminalität und den Einsatz des Überwachungssystems PerIS in Zittau.


