Die Bahnverbindungen von Zittau nach Dresden und Görlitz sorgen erneut für Kritik. Fahrgäste berichten von überfüllten Zügen, Verspätungen und kurzfristigen Ausfällen. Besonders problematisch ist die fehlende direkte Verbindung über Löbau nach Görlitz.
Zittau.
Wer von Zittau mit der Bahn nach Dresden oder Görlitz fahren möchte, braucht häufig Geduld. Reisende berichten von Verspätungen, Zugausfällen und überfüllten Fahrzeugen. Das Thema gehörte zu den Anliegen, die Bürger beim jüngsten MDR-Besuch in Zittau besonders deutlich angesprochen haben.
Besonders unverständlich ist für viele Fahrgäste die Verbindung nach Görlitz. Obwohl beide Städte im selben Landkreis liegen, müssen Reisende je nach Verbindung über Polen fahren oder längere Umwege und Umstiege in Kauf nehmen.
Eine direkte Zugverbindung über Löbau könnte die Fahrzeit verkürzen und Zittau stärker mit dem übrigen Landkreis verbinden. Die Bahnstrecke zwischen Zittau und Löbau besitzt nach Einschätzung von Befürwortern das Potenzial, Zittau besser an Görlitz, Bautzen und Dresden anzubinden.
Zu wenige Reserven bei Störungen
Das Hauptproblem liegt nicht nur in einzelnen Verspätungen. Fällt ein Zug aus, fehlt offenbar häufig eine schnelle Ersatzlösung. Fahrgäste müssen dann auf die nächste reguläre Verbindung warten oder auf Busse ausweichen.
Besonders schwierig ist die Lage für:
- Berufspendler,
- Schüler und Auszubildende,
- Studenten,
- ältere Menschen,
- Reisende mit Anschlusszügen,
- Touristen mit Gepäck.
Überfüllte Züge verschärfen das Problem. Wer an einem späteren Bahnhof zusteigt, findet möglicherweise keinen Sitzplatz mehr. Fahrräder, Kinderwagen und größeres Gepäck lassen sich dann nur schwer unterbringen.
Eine Randlage darf kein Dauerargument sein
Zittau liegt am südöstlichen Rand Sachsens. Diese geografische Lage darf jedoch nicht dauerhaft als Erklärung für schlechte Verbindungen dienen.
Gerade eine Grenzregion benötigt zuverlässige Bahnverbindungen. Zittau ist Hochschulstadt, touristisches Zentrum des Zittauer Gebirges und Teil des deutsch-polnisch-tschechischen Dreiländerecks.
Eine funktionierende Bahn ist daher nicht nur eine soziale Leistung, sondern ein entscheidender Standortfaktor.
Unternehmen überlegen, ob ihre Beschäftigten den Arbeitsplatz erreichen können. Studenten prüfen, wie gut der Hochschulort angebunden ist. Gäste entscheiden sich möglicherweise gegen einen Urlaub ohne Auto, wenn bereits die Anreise kompliziert erscheint.
Alte Strecke nach Löbau wieder stärker diskutieren
Die Wiederbelebung der Verbindung über Löbau könnte ein Teil der Lösung sein. Sie würde Zittau direkter mit dem nördlichen Landkreis und dem überregionalen Bahnnetz verbinden.
Allerdings reicht es nicht, lediglich eine alte Strecke auf einer Karte einzuzeichnen. Vor einer Reaktivierung müssten Zustand, Kosten, Fahrgastpotenzial und notwendige Sanierungen untersucht werden.
Außerdem wäre zu klären, ob die Verbindung im regulären Takt betrieben und sinnvoll mit Zügen nach Dresden und Görlitz verknüpft werden kann.
Fahrgäste brauchen verlässliche Informationen
Neben der Infrastruktur muss auch die Kommunikation besser werden.
Bei Zugausfällen benötigen Fahrgäste frühzeitig klare Informationen:
- Welcher Zug fällt aus?
- Gibt es einen Ersatzbus?
- Wo fährt dieser ab?
- Werden Anschlüsse erreicht?
- Wann kommt die nächste Verbindung?
- Gelten Fahrkarten auch auf einer Ausweichroute?
Unklare oder verspätete Hinweise sorgen oft für mehr Ärger als die eigentliche Störung.
Die Kritik der Zittauer Bahnreisenden ist nachvollziehbar. Wer regelmäßig verspätete, ausgefallene oder überfüllte Züge erlebt, verliert das Vertrauen in den öffentlichen Verkehr.
Zittau braucht keine gelegentlichen Versprechen, sondern einen stabilen Fahrplan, ausreichend große Fahrzeuge und eine bessere Verbindung nach Görlitz.
Die Wiederbelebung der Strecke über Löbau sollte deshalb ernsthaft und ohne ideologische Vorentscheidung geprüft werden.


