Zittau und Pistoia entwickeln Zukunft für historische Villa

Jugendliche aus Deutschland und Italien haben eine Woche lang an der Zukunft der denkmalgeschützten Villa di Montesecco in Pistoia gearbeitet. Vom 11. bis 18. Juli 2026 entwickelten sie erste Nutzungsideen, dokumentierten den Gebäudebestand und sammelten praktische Erfahrungen in der Denkmalpflege. Langfristig soll die Villa zu einem Ort für Begegnung, Bildung und kulturellen Austausch werden.

Das Projekt verbindet die seit 1971 bestehende Städtepartnerschaft zwischen Zittau und Pistoia mit einer konkreten Aufgabe. Statt ausschließlich auf Festveranstaltungen und Delegationsreisen zu setzen, arbeiten junge Menschen beider Städte gemeinsam an einem historischen Gebäude und seiner möglichen Zukunft.

Jugendliche arbeiten gemeinsam am Denkmal

An der Seminarreise nach Pistoia nahmen 17 Freiwillige der Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz teil. Geleitet wurde die Gruppe von Anne Lißner. Gemeinsam mit deutschen und italienischen Teilnehmern sowie Projektkoordinator Carsten Boelter entstanden erste Vorschläge für die künftige Nutzung des Ensembles.

Die Projektwoche bestand nicht allein aus theoretischen Vorträgen. Die Teilnehmer räumten Teile des Geländes, dokumentierten den baulichen Zustand und fertigten Zeichnungen an. Ergänzt wurde die praktische Arbeit durch Fachbeiträge zu Architektur und Denkmalpflege.

Auch Schülerinnen und Schüler aus Pistoia beteiligten sich an dem Vorhaben. Damit wurde das Gebäude nicht nur von Fachleuten betrachtet. Junge Menschen, die den Ort später selbst nutzen könnten, erhielten die Möglichkeit, eigene Vorstellungen einzubringen.

Villa soll neuer Begegnungsort werden

Die Villa di Montesecco soll langfristig nicht nur baulich gesichert werden. Ziel ist eine Nutzung, die Bildung, Jugendbegegnung und kulturellen Austausch verbindet.

Welche Funktionen das Gebäude später konkret übernehmen kann, ist noch nicht abschließend entschieden. Die während der Seminarwoche entwickelten Ideen bilden zunächst eine Arbeitsgrundlage. Sie sollen zeigen, welche räumlichen und inhaltlichen Möglichkeiten das historische Ensemble bietet.

Der Ansatz ist für beide Partnerstädte von Bedeutung. Pistoia erhält neue Impulse für ein denkmalgeschütztes Gebäude. Zittau bringt Erfahrungen aus einer Region ein, in der historische Bausubstanz, traditionelles Handwerk und grenzüberschreitende Zusammenarbeit seit Langem eine wichtige Rolle spielen.

Städtepartnerschaft besteht seit mehr als fünf Jahrzehnten

Zittau und Pistoia sind seit 1971 partnerschaftlich verbunden. In den vergangenen Jahrzehnten gab es zahlreiche Begegnungen, Austauschprogramme und gemeinsame Veranstaltungen. Das Projekt an der Villa di Montesecco erweitert diese Zusammenarbeit um den Bereich des praktischen Denkmalschutzes.

Bereits im November 2025 war die Zusammenarbeit beider Städte auf Bundesebene gewürdigt worden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella zeichneten Zittau und Pistoia mit dem deutsch-italienischen Partnerschaftspreis aus. Die Urkunde wurde am 15. November 2025 in Berlin übergeben.

Im Mittelpunkt des ausgezeichneten Projekts stehen Jugendbeteiligung, Erinnerungskultur, Nachhaltigkeit, öffentliche Räume und europäische Zusammenarbeit. Vorgesehen waren von Beginn an gemeinsame Recherchen, Schülerbegegnungen und erste Arbeiten zur Rettung historischer Gebäude in beiden Städten.

Empfang im Rathaus von Pistoia

Während der Seminarwoche wurden die Teilnehmer am 16. Juli im Palazzo Comunale, dem Rathaus von Pistoia, empfangen. An dem Termin nahmen unter anderem Bürgermeister Giovanni Capecchi, Vertreter der Stadtverwaltung Pistoia sowie Mitglieder des Projektteams teil.

Der Empfang verdeutlichte, dass das Vorhaben nicht nur von einzelnen Initiativen getragen wird. Beide Stadtverwaltungen begleiten die Zusammenarbeit und unterstützen die öffentliche Präsentation der Ergebnisse.

Neben den Arbeiten an der Villa gehörten Exkursionen nach Florenz und Lucca zum Programm. Dort beschäftigten sich die Teilnehmer mit historischen Gebäuden, Stadtentwicklung und unterschiedlichen Ansätzen der Denkmalpflege.

Was Zittau von dem Projekt hat

Obwohl die Villa in Italien steht, besitzt das Projekt einen deutlichen Bezug zur Oberlausitz. Zittau verfügt selbst über zahlreiche historische Gebäude, Kirchen, Bürgerhäuser und technische Denkmale. Viele davon können nur erhalten werden, wenn es ausreichend Fachkräfte, Handwerksbetriebe und gesellschaftliches Interesse gibt.

Jugendbauhütten verbinden Denkmalpflege mit beruflicher Orientierung. Junge Freiwillige lernen traditionelle Arbeitstechniken kennen und erhalten Einblicke in Handwerk, Architektur, Restaurierung und Baugeschichte. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beschreibt die Jugendbauhütten als freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege.

Für die Oberlausitz kann diese Arbeit bei der Nachwuchsgewinnung helfen. Restauratoren, Zimmerleute, Maurer, Tischler und andere Fachkräfte werden für die Sanierung historischer Gebäude benötigt. Gleichzeitig können junge Menschen erleben, dass Denkmalpflege nicht nur aus Theorie besteht, sondern konkrete berufliche Möglichkeiten eröffnet.

Ergebnisse kommen in die Städtischen Museen Zittau

Die während der Projektwoche entstandenen Zeichnungen, Dokumentationen und Nutzungsideen sollen im Herbst 2026 öffentlich präsentiert werden. Ausstellungen sind sowohl in Pistoia als auch in den Städtischen Museen Zittau vorgesehen. In Zittau wird die Präsentation unter Leitung von Museumsdirektor Dr. Peter Knüvener vorbereitet.

Damit wird das Projekt auch für Bürger sichtbar, die nicht selbst an der Reise teilnehmen konnten. Die Ausstellung soll nicht nur Ergebnisse zeigen, sondern zugleich die Geschichte der Städtepartnerschaft und die Bedeutung des Denkmalschutzes vermitteln.

Noch offen ist, welche der entwickelten Vorschläge später umgesetzt werden können. Dafür müssen der bauliche Zustand, mögliche Kosten, denkmalrechtliche Anforderungen und die langfristige Trägerschaft geprüft werden.

Denkmalschutz als praktische Europaarbeit

Das Projekt zeigt eine Form der internationalen Zusammenarbeit, die sich an einem konkreten Ort festmachen lässt. Jugendliche aus zwei Ländern arbeiten gemeinsam, lösen praktische Aufgaben und entwickeln Ideen für ein historisches Gebäude.

Für Zittau passt dieser Ansatz zur Lage im Dreiländereck. Die Stadt ist seit Jahrzehnten durch Kontakte nach Polen, Tschechien und weitere europäische Partnerstädte geprägt. Der Austausch mit Pistoia erweitert diese Perspektive um eine traditionsreiche italienische Stadt.

Im Mittelpunkt steht dabei nicht allein der Erhalt alter Mauern. Die Villa soll künftig genutzt werden und jungen Menschen Raum für Bildung und Begegnung bieten. Damit verbindet das Projekt Denkmalschutz mit einer langfristigen öffentlichen Aufgabe.

Die Seminarreise nach Pistoia hat die Städtepartnerschaft zwischen Zittau und Pistoia mit einem konkreten Arbeitsprojekt verbunden. Junge Freiwillige und Schüler entwickelten erste Ideen für die Villa di Montesecco und sammelten praktische Erfahrungen in der Denkmalpflege.

Die Ausstellung im Herbst wird zeigen, welche Nutzungsvorschläge entstanden sind. Ob und wann die Villa tatsächlich zu einem dauerhaften Begegnungs- und Bildungsort entwickelt werden kann, hängt von weiteren Planungen, Finanzierung und baulichen Untersuchungen ab.

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