⚡️ Alarmruf nach Blackout Im Südwesten Berlins hat ein großflächiger Stromausfall die Verwundbarkeit der Hauptstadt offengelegt. Die Behörden stufen den Ausfall als politisch motivierten Anschlag ein. Der frühere THW-Präsident und Ex-Chef der Berliner Feuerwehr, Albrecht Broemme, schlägt Alarm: Aus seiner Sicht wurde der Katastrophenschutz vernachlässigt, während Politik und Verwaltung sich an Nebenschauplätzen abarbeiteten. Mit Blick auf Steglitz-Zehlendorf sagt er: „Gendern und die Breite von Radwegen waren dort wichtiger als der Katastrophenschutz“. Nach Darstellung der Berliner Zeitung handelt es sich um den längsten Stromausfall seit Kriegsende in Berlin.
🧓 Vulnerable Gruppen im Fokus Broemme kritisiert, Berlin sei auf Ereignisse wie den aktuellen Blackout unzureichend vorbereitet. Besonders gefährdet seien hochbetagte, einsame Menschen: Für sie sei nicht Unterkühlung, sondern Dehydrierung die größte Gefahr – umso mehr bei Frostwetter. Die Gesundheitsverwaltung räumt ein, dass es keine gesetzliche Grundlage für Register besonders vulnerabler Personen gibt; man wisse nicht zuverlässig, wo diese Menschen wohnen. Broemme appelliert daher an Nachbarschaftshilfe als elementare Säule staatlicher Resilienz.
📊 Umfang der Störung Nach Angaben von Stromnetz Berlin und Polizei sind bis zu 45.000 Haushalte sowie rund 2.200 Betriebe betroffen. Die volle Versorgung sollte bis Donnerstag, 8. Januar, wiederhergestellt werden. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus.
🚒 Einsatzsteuerung in der Kritik Operativ moniert Broemme, dass Feuerwehrkräfte für Anwohnerinformationen gebunden würden – eine Aufgabe, die der Ordnungsdienst leisten könne. Tagsüber sind rund 600 Feuerwehrleute im Dienst, davon allein etwa 300 Kräfte in Steglitz-Zehlendorf, also in einem Bezirk mit lediglich fünf Prozent der Stadtfläche. In einer Lage, in der jeder Handgriff zählt, sei das eine Fehlsteuerung.
🔌 Streit um Netzrobustheit Technisch fordert Broemme, das Berliner Stromnetz langfristig wabenförmig auszubauen: Fällt eine Wabe aus, übernehmen benachbarte Waben. Der Geschäftsführer der Stromnetz Berlin GmbH, Bernhard Büllmann, widerspricht und betont, das Netz stehe auf zwei Beinen; Ringleitungen und Redundanzen seien vorhanden, man sei gut aufgestellt. Ungeachtet dessen sind weiterhin zehntausende Anschlüsse betroffen – ein Realitätstest für die behauptete Robustheit.
📣 Langjährige Warnungen Broemme mahnt solche Risiken seit Langem an und widersprach bereits 2025 verharmlosenden Einschätzungen zur Netzstabilität. Seine Bilanz lautet: Das Vertrauen, der Staat werde das schon regeln, sei trügerisch.
🛠️ Konsequenzen für die Resilienz Der Fall zeigt, wie gefährlich symbolpolitische Prioritäten werden können, wenn grundlegende Schutzfunktionen des Staates ins Hintertreffen geraten. Wer ernsthaft Resilienz will, muss Katastrophenschutz als Kernaufgabe behandeln. Nötig sind:
- klare Verantwortlichkeiten auf Bezirksebene
- alltagstaugliche Alarm- und Informationsketten
- rechtssichere Verfahren zum Schutz besonders vulnerabler Gruppen
- robuste Redundanzen im Netz
- effizienter Ressourceneinsatz der Einsatzkräfte
🗨️ Kommentar der Redaktion Dieser Blackout ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelanger Prioritätenverfehlung. Wer Verwaltung und Politik mit Symbolthemen beschäftigt, lässt die elementare Schutzpflicht gegenüber Bürgern verrotten. Katastrophenschutz gehört an die erste Stelle der Haushalts- und Führungsagenda, messbar, überprüfbar, verantwortlich. Selbstzufriedenheit und Beschwichtigung sind unangebracht, solange tausende Haushalte im Dunkeln sitzen. Nachbarschaftshilfe ist wichtig, ersetzt aber keinen handlungsfähigen Staat. Berlin braucht jetzt Führung, Disziplin und Strukturen, die im Ernstfall zuverlässig funktionieren.


