Hollywood, „Carmen“ und kreative Grenzgänge: Das Gerhart-Hauptmann-Theater startet unter dem Motto „Grenze Mensch“ in die neue Spielzeit

Görlitz/Zittau. Das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau stellt seine neue Spielzeit 2026/2027 unter ein großes Leitmotiv: „Grenze Mensch“. Der künftige Intendant Philipp Bormann will mit dem Programm bewusst Grenzbereiche ausloten – künstlerisch, gesellschaftlich und menschlich. Insgesamt sind für die neue Saison 31 Neuproduktionen in Schauspiel, Musiktheater, Tanz, Konzert und Jungem Theater geplant. Der Kartenvorverkauf beginnt am 9. Juni 2026.

„Grenze Mensch“: Theater als Ort für Reibung, Fantasie und Grenzerfahrung

Mit dem neuen Spielzeitmotto setzt das Gerhart-Hauptmann-Theater auf Themen, die weit über klassische Bühnenunterhaltung hinausgehen. Es geht um Situationen, in denen Menschen an ihre Grenzen geraten oder über sich hinauswachsen: Liebe und Tod, Krieg und Frieden, Sehnsucht und Scheitern, Körper und Technik, Heimat und Fremde.

Bormann beschreibt die neue Saison als Einladung zu „kreativen Grenzgängen“. Die Fantasie wird dabei zum Grenzübergang: Sie erlaubt es, Wirklichkeit neu zu betrachten, Konflikte sichtbar zu machen und vertraute Geschichten anders zu erzählen.

Acht neue Schauspielstücke: Von „Schöne Bescherung“ bis Erich Kästners „Fabian“

Im Schauspiel stehen acht neue Produktionen auf dem Programm. Eröffnet wird die Sparte am 19. September mit der Komödie „Schöne Bescherung“. Darin treffen Paare mit ihren Lebenslügen, Erwartungen und Beziehungskonflikten aufeinander. Der Versuch, Harmonie herzustellen, wird zum komischen Kampfplatz des Alltags.

Ein besonderer Görlitz-Bezug findet sich in „Fabian oder der Gang vor die Hunde“. Der Roman von Erich Kästner, der erst vor wenigen Jahren auch in Görlitz verfilmt wurde, kommt am Gerhart-Hauptmann-Theater auf die Bühne. Premiere ist am 3. April 2027. Die Geschichte über Moral, Großstadt, Absturz und Orientierungslosigkeit passt auffallend gut zum Spielzeitmotto.

Zittauer Marktplatz wird zur Bühne für den „Hauptmann von Köpenick“

Auch das Sommertheater 2027 verspricht einen starken regionalen Akzent. „Der Hauptmann von Köpenick“ soll über den Zittauer Marktplatz marschieren – vor der Kulisse des historischen Rathauses. Regie führt Roland May. Damit setzt das Theater die Idee fort, bekannte Stoffe an markanten Orten der Region neu erlebbar zu machen.

Musiktheater eröffnet mit „Carmen“ – und wird mit „Gaga in Görliwood“ popkulturell

In der Musiksparte beginnt die neue Saison am 10. Oktober mit „Carmen“, einer der meistgespielten Opern der Welt. Bizets Werk bringt Leidenschaft, Eifersucht, Freiheit und Gewalt auf die Bühne – und damit genau jene Grenzbereiche, die das Spielzeitmotto beschreibt.

Besonders auffällig ist das Format „Gaga in Görliwood“. Die Produktion richtet sich ausdrücklich auch an ein jüngeres Publikum zwischen 15 und 45 Jahren. Die Ausgangsidee klingt nach Komödie mit Filmstadt-Flair: Ein Hollywoodstar kommt zu Dreharbeiten nach Görlitz, wird jedoch von einem Taxifahrer am Theater abgesetzt. Daraus entsteht ein musikalischer Mix aus Pop, Ostrock und kulturellen Begegnungen.

Ab Juni 2027 zieht mit „Messeschlager Gisela“ außerdem Leipziger Messeflair in den Alten Schlachthof Görlitz ein.

Tanz zwischen Körper, Projektion und elektronischem Klang

Die Tanzsparte erkundet in der neuen Saison die Grenzen zwischen Körper, Projektion, Bewegung und Klang. Mit „Coppélia – Ein mechanischer Traum“ verbindet das Theater ab November die Tanzcompagnie mit der Neuen Lausitzer Philharmonie, Urban Dance und elektronischen Klangwelten.

Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, was menschliche Bewegung in einer zunehmend technisierten Welt bedeutet. Der klassische Stoff wird nicht nur nacherzählt, sondern in eine Gegenwart übertragen, in der Mechanik, Körperbilder und digitale Projektionen ineinanderfließen.

Philharmonische Konzerte schlagen Brücken im Dreiländereck

Auch die Konzertsparte bleibt dem grenzüberschreitenden Anspruch des Hauses treu. Die Philharmonischen Konzerte widmen sich Themen wie Schicksal, Reisen, Ländervielfalt und Zukunftsfragen. Musikalisch sollen dabei erneut Brücken zwischen Deutschland, Polen und Tschechien geschlagen werden.

Gerade im Dreiländereck ist dieser Ansatz mehr als ein künstlerisches Motiv. Das Gerhart-Hauptmann-Theater versteht sich seit Jahren als Kulturort, der regionale Verankerung und internationale Perspektive miteinander verbindet.

Spielzeit 2026/2027: Ein Theaterprogramm zwischen Unterhaltung und Haltung

Die neue Spielzeit des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz-Zittau will nicht nur bespielen, sondern befragen. Sie verbindet bekannte Stoffe mit neuen Formaten, klassische Oper mit Popkultur, Schauspiel mit Stadtgeschichte und Tanz mit digitaler Ästhetik.

Unter dem Motto „Grenze Mensch“ entsteht ein Programm, das auf Reibung setzt: zwischen Ernst und Unterhaltung, Tradition und Experiment, regionaler Identität und europäischem Blick. Für Görlitz und Zittau dürfte die Saison 2026/2027 damit eine der spannendsten Theater-Spielzeiten der kommenden Jahre werden.

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