DAS NEUSTE

Prozess in Görlitz geplatzt: Geschäftsmann erscheint nicht vor Gericht – Haftbefehl erlassen

Görlitz. Der mit Spannung erwartete Prozess gegen den Görlitzer Geschäftsmann Stefan Menzel ist am Dienstagmorgen vor dem Amtsgericht Görlitz geplatzt. Der Angeklagte, dem unter anderem unerlaubtes Glücksspiel vorgeworfen wird, erschien nicht zur Verhandlung im Gerichtssaal 200. Nach Angaben seines Verteidigers fehle es an einer formgemäßen Ladung.

Die Staatsanwaltschaft sah dies anders und beantragte, einen bereits im Februar erlassenen Haftbefehl wieder in Vollzug zu setzen. Der Richter folgte dem Antrag. Damit steht nun ein Haftbefehl gegen den inzwischen in Miami Beach in den USA lebenden Angeklagten im Raum. Sollte eine Auslieferung aus den Vereinigten Staaten erforderlich werden, könnte sich das Verfahren erheblich verzögern.

Zuschauer warten vergeblich auf den Angeklagten

Im Görlitzer Amtsgericht waren die Zuschauerplätze am Dienstagmorgen gut gefüllt. Unter den Anwesenden befanden sich Unternehmer, die seit Jahren mit Menzel im Streit liegen sollen, sowie Vertreter der Stadt Görlitz. Auch die Stadt soll nach bisherigen Angaben offene Forderungen gegen den Geschäftsmann haben.

Doch der Angeklagte erschien nicht. Damit konnte die Hauptverhandlung nicht wie geplant beginnen.

Staatsanwaltschaft spricht von bewusster Verzögerung

Die Staatsanwaltschaft fand deutliche Worte. Das Verhalten des Angeklagten sei bereits in der Vergangenheit auf Verschleierung gerichtet gewesen. Er handele planmäßig, sehe sich als „großen Macher“ und hinterlasse „verbrannte Erde“, hieß es sinngemäß im Gerichtssaal.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft sei der Termin seit mehreren Wochen bekannt gewesen. Der Angeklagte habe von der Verhandlung gewusst und verschleppe das Verfahren bewusst. Der Vertreter der Anklage sprach davon, dass sich Menzel nun „auf der Flucht“ befinde.

Der Verteidiger des Angeklagten widersprach dem Antrag. Für ein ordnungsgemäßes Verfahren sei eine korrekte Ladung erforderlich. Genau daran mangele es aus Sicht der Verteidigung.

Fünf Anklagen gegen früheren Spielhallenbetreiber

Gegen Stefan Menzel liegen nach Angaben aus dem Verfahren insgesamt fünf Anklagen vor. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Vorwürfe im Zusammenhang mit Glücksspiel und wirtschaftlichen Vorgängen.

In Görlitz war Menzel über Jahre als Unternehmer in verschiedenen Bereichen bekannt. Dazu gehörten unter anderem Freizeit- und Tourismusangebote, ein Fahrgastschiff auf dem Berzdorfer See, Aktivitäten auf der Landeskrone sowie mehrere Spielhallen beziehungsweise Casinos.

Bereits Mitte Juni des vergangenen Jahres hatte es eine großangelegte Razzia gegeben. Damals standen mehrere Wirtschaftsdelikte im Raum. Menzel kam vorübergehend in Untersuchungshaft, mehrere Casinos wurden geschlossen.

Verkauf mehrerer Firmen als Wendepunkt

Eine zentrale Rolle in den Ermittlungen spielt offenbar der Verkauf mehrerer Firmen im Januar 2025. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft verkaufte Menzel damals drei Unternehmen – die M-Boat GmbH, die M-Store GmbH und die M-Creative GmbH – an einen polnischen Staatsbürger.

Der Käufer habe die Firmen umbenannt und deren Sitz an eine Adresse in München verlegt, die nach Darstellung der Anklage für Briefkastenfirmen bekannt sei. Gegenüber Geschäftspartnern und Behörden soll Menzel anschließend auf den neuen Eigentümer verwiesen haben.

Brisant: Der polnische Käufer starb Mitte März 2025, nur wenige Wochen nach dem Firmenkauf. Später soll bekannt geworden sein, dass der Mann schwer krank war. Für die Staatsanwaltschaft markiert dieser Vorgang offenbar eine Zäsur in dem Verfahren.

Verfahren könnte sich deutlich verzögern

Durch das Fernbleiben des Angeklagten und den nun erlassenen Haftbefehl ist offen, wann der Prozess tatsächlich beginnen kann. Sollte Menzel in den USA bleiben und eine Auslieferung nach Deutschland notwendig werden, könnte dies nach Einschätzung aus dem Verfahren Monate dauern – möglicherweise auch länger.

Für die zahlreichen Beteiligten, Geschädigten und Beobachter bedeutet das eine weitere Verzögerung in einem Verfahren, das in Görlitz bereits seit längerer Zeit für Aufmerksamkeit sorgt.

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