📰 Appell an Europa Angela Merkel fordert die Europäische Union auf, im Umgang mit Russland wieder aktiver selbst das diplomatische Heft in die Hand zu nehmen. Beim WDR-Europaforum auf der Digitalkonferenz re:publica in Berlin am 18. Mai 2026 betonte die ehemalige Bundeskanzlerin die Notwendigkeit eines doppelten Ansatzes: militärische Abschreckung und parallel direkte Gespräche mit dem Kreml. Es reiche „nicht aus“, wenn ausschließlich US-Präsident Donald Trump den Kontakt halte; Europa müsse eine eigene Stimme haben: „Wir sind ja auch wer.“
🧭 Hintergrund und Einordnung Merkel steht für eine europäische Sicherheitspolitik, die Härte und Dialog verbindet. In früheren Krisen spielte sie eine zentrale Rolle, etwa bei den Minsker Vereinbarungen nach der Annexion der Krim. Auch jetzt unterstreicht sie, dass Diplomatie „immer die zweite Seite der Medaille“ sei und nur in Kombination mit verlässlicher Abschreckung wirke. Zugleich warnt sie vor Fehleinschätzungen: „Putin zu unterschätzen, wäre ein Fehler – uns nichts zuzutrauen aber ebenso.“
⚖️ Doppelter Ansatz Für Merkel gehören militärische Abschreckung und direkte Gespräche untrennbar zusammen. Europa solle aus einer Position der Stärke reden und verhandeln, mit klaren Interessen und ohne Illusionen. Entscheidend sei, den eigenen Handlungsspielraum zu nutzen, statt ihn auszulagern.
🤝 Eigene Verantwortung statt Delegation Merkel kritisiert, dass die EU ihr „diplomatisches Potenzial“ zu wenig nutze. Kontaktkanäle nach Moskau müssten gepflegt werden – nicht als Ersatz für Stärke, sondern als deren Ergänzung. Den Vorschlag, einen externen Vermittler einzusetzen, weist sie zurück: In heiklen Fragen dürfe man Verantwortlichkeit nicht delegieren; Gespräche mit Wladimir Putin müsse man „selber in die Hand nehmen“.
🇺🇦 Unterstützung für Kiew Die militärische Hilfe für die Ukraine bleibt aus Merkels Sicht „absolut richtig“. Parallel dazu soll Europa eigenständig Gesprächsformate entwickeln, um Einfluss auf Verlauf und Ende des Krieges zu behalten. Wer Diplomatie anderen überlässt, sendet ein Signal der Passivität.
🏛️ Innenpolitische Signale Im selben Auftritt mahnt Merkel die demokratischen Parteien in Deutschland, sich programmatisch aus eigener Kraft zu behaupten und sich nicht über die AfD zu definieren. Eine Kandidatur für das Amt der Bundespräsidentin schließt sie aus; das Amt brauche „jemanden, der mehr Kraft hat“.
📌 Kernpunkte auf einen Blick Die wesentlichen Linien ihres Plädoyers lassen sich bündeln.
- Doppelter Ansatz: Abschreckung plus direkte Gespräche mit dem Kreml.
- Eigene europäische Stimme statt ausschließlicher Kontakte über US-Präsident Donald Trump.
- Diplomatisches Potenzial der EU stärker und strategisch nutzen.
- Keine Delegation an externe Vermittler; Gespräche mit Wladimir Putin selbst führen.
- Militärische Unterstützung für die Ukraine bleibt „absolut richtig“.
🧩 Offene Aufgabe für Europa Die Intervention ist ein Appell des konservativen Realismus: Europa soll die Unterstützung für Kiew fortführen, zugleich aber eigenständig reden und verhandeln – aus Stärke, mit klaren Interessen und ohne Illusionen. Dringlich bleibt, rasch eine gemeinsame europäische Linie zu erarbeiten und sie mit politischem Gewicht zu vertreten. Wer Diplomatie anderen überlässt, verzichtet auf Einfluss über Verlauf und Ende des Krieges und sendet ein Signal der Passivität, das sich Europa sicherheitspolitisch nicht leisten kann.
🗨️ Kommentar der Redaktion Merkels Mahnung trifft den Kern: Europas Sicherheit verlangt Stärke und eigene Gesprächshoheit. Es ist unverantwortlich, strategische Entscheidungen nach Washington oder an Vermittler auszulagern, wenn die Folgen Europa direkt betreffen. Abschreckung ohne Dialog wäre kurzsichtig, doch Dialog ohne klare Kante wäre gefährlich naiv. Deshalb braucht es jetzt eine geschlossene Linie der EU, die Putin weder unterschätzt noch sich selbst kleinredet. Wer zögert, akzeptiert Einflussverlust – und das kann sich Europa nicht erlauben.
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