Deutschland blamiert sich gegen Paraguay: WM-Aus im Elfmeterschießen

Foxborough/Zittau. Der deutsche WM-Traum ist geplatzt – und das früher, als viele erwartet hatten. Die Nationalmannschaft ist bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA im Sechzehntelfinale an Paraguay gescheitert. Nach 120 Minuten stand es 1:1, im Elfmeterschießen verlor Deutschland mit 3:4. Damit ist das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann bereits in der ersten K.o.-Runde ausgeschieden.

Dabei war Deutschland als Favorit in die Partie gegangen. Paraguay hatte sich nur als Gruppendritter für die K.o.-Runde qualifiziert, verteidigte aber diszipliniert, spielte leidenschaftlich und nutzte die deutsche Unsicherheit eiskalt aus. Julio Enciso brachte die Südamerikaner kurz vor der Pause per Kopf in Führung. Kai Havertz glich nach dem Seitenwechsel ebenfalls per Kopf aus. Doch mehr gelang der DFB-Elf nicht.

Deutschland hatte zwar viel Ballbesitz, doch über weite Strecken fehlten Tempo, Ideen und Durchschlagskraft. Immer wieder lief sich die Mannschaft im paraguayischen Abwehrblock fest. Die großen Namen in der Offensive konnten das Spiel nicht entscheidend prägen. Paraguay dagegen kämpfte sich mit jeder Minute tiefer in die Partie und wirkte im entscheidenden Moment nervenstärker.

Besonders bitter wurde es in der Verlängerung. Jonathan Tah traf vermeintlich zur deutschen Führung, doch der Treffer wurde nach VAR-Einsatz zurückgenommen. Die Entscheidung sorgte für Diskussionen und dürfte noch länger nachwirken. Laut Sportschau wurde Deutschland dabei auch durch einen VAR-Fehler hart getroffen.

Im Elfmeterschießen platzte dann endgültig der Traum vom fünften WM-Titel. Deutschland, einst weltweit gefürchtet für seine Nervenstärke vom Punkt, scheiterte ausgerechnet in dieser Disziplin. Die Sportschau berichtet, dass Deutschland noch nie zuvor ein Elfmeterschießen bei einer Weltmeisterschaft verloren hatte.

Für Paraguay ist der Sieg dagegen eine Sensation. Die Mannschaft steht nun im Achtelfinale und hat einen der großen Turnierfavoriten aus dem Wettbewerb geworfen. Internationale Medien sprechen bereits von einer der größten Überraschungen dieser Weltmeisterschaft. Reuters bezeichnete den Sieg Paraguays als einen der größten Überraschungserfolge der Turniergeschichte.

Für Deutschland ist es der nächste schwere Rückschlag bei einer Weltmeisterschaft. Nach den enttäuschenden Turnieren 2018 und 2022 sollte 2026 eigentlich der Neustart gelingen. Zwar überstand die Mannschaft diesmal die Gruppenphase, doch das frühe Aus gegen Paraguay zeigt: Der deutsche Fußball ist international weiter nicht dort, wo er sich selbst sieht.

Bundestrainer Julian Nagelsmann wird sich nun unangenehme Fragen gefallen lassen müssen. Warum fehlte der Mannschaft gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner die Klarheit? Warum wirkte das Spiel über weite Strecken ideenlos? Und warum gelang es nicht, die individuelle Qualität auf den Platz zu bringen?

Die internationale Presse reagiert bereits deutlich. Das Handelsblatt zitiert unter anderem spanische Stimmen mit dem Satz: „Deutschland ist nicht mehr Deutschland.“ Gemeint ist damit vor allem der Verlust alter deutscher Tugenden: Stabilität, Effizienz, mentale Stärke und K.o.-Härte.

Kommentar

Dieses Aus ist mehr als nur eine Niederlage. Es ist ein Warnsignal. Deutschland verliert nicht gegen Brasilien, Frankreich oder Argentinien. Deutschland verliert gegen Paraguay – nicht unverdient, sondern weil es über 120 Minuten nicht gelingt, die eigene Überlegenheit in echte Gefahr zu verwandeln.

Natürlich kann man über den VAR sprechen. Natürlich war das aberkannte Tor von Tah ein bitterer Moment. Aber wer gegen Paraguay über zwei Stunden hinweg nicht genug Lösungen findet, darf sich am Ende nicht nur über den Videobeweis beklagen.

Der deutsche Fußball hat ein Problem, das tiefer liegt: viel Talent, viele Namen, viele Erwartungen – aber zu wenig Wucht, zu wenig Klarheit, zu wenig Siegermentalität. Früher hatte Deutschland vielleicht nicht immer die schönsten Spieler, aber fast immer die stärksten Nerven. Genau das ist verloren gegangen.

Paraguay hat gezeigt, was im K.o.-Spiel zählt: Leidenschaft, Ordnung, Wille und Mut im entscheidenden Moment. Deutschland dagegen hat gezeigt, dass große Namen allein keine Spiele gewinnen.

Für die Fans bleibt ein bitterer Sommerabend in den USA. Für den DFB beginnt jetzt die nächste Grundsatzdebatte.

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