Zittau. Gute Nachricht für den Wissenschaftsstandort Zittau und die gesamte Lausitz: Die Hochschule Zittau/Görlitz erhält rund 13 Millionen Euro Bundesförderung für den Ausbau des DC-LabSaxony. In den kommenden fünf Jahren soll am Standort Zittau eine europaweit einzigartige Forschungs- und Testumgebung für moderne Gleichspannungsnetze entstehen.
Das Projekt trägt den Namen „DC-LabSaxony – Full Scale Extension“. Dahinter steckt ein Thema, das auf den ersten Blick technisch klingt, für die Energiewende aber entscheidend werden kann: Wie lässt sich Strom aus Solar- und Windkraft effizienter nutzen, ohne dass auf dem Weg zu Industrie, Gewerbe oder Wohnquartieren unnötig Energie verloren geht?
Was in Zittau erforscht werden soll
Die Hochschule Zittau/Görlitz und die Technische Universität Dresden erweitern mit dem Projekt ihre bereits entstehende Forschungs- und Testumgebung. Untersucht werden sollen neue Komponenten, Betriebsmittel und Betriebsstrategien für Niederspannungs-, Mittelspannungs- und hybride AC/DC-Netze unter möglichst realitätsnahen Bedingungen. Ziel ist es, Gleichspannungstechnologien schneller aus der Forschung in die praktische Anwendung zu bringen.
Gleichspannungstechnologien gelten als wichtiger Baustein für die Energieversorgung der Zukunft. Sie können erneuerbare Energien besser integrieren, Umwandlungsverluste reduzieren und die Stromversorgung von Industrie, Gewerbe und Quartieren leistungsfähiger machen. Genau darin liegt die Chance für Zittau: Die Stadt wird nicht nur Hochschulstandort, sondern ein Ort, an dem an konkreten Lösungen für die Energie- und Industrietransformation gearbeitet wird.
Warum Gleichstrom wichtig ist
Viele moderne Energiequellen und Verbraucher arbeiten ohnehin mit Gleichstrom: Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher, Elektrofahrzeuge, Computertechnik und viele industrielle Anwendungen. Das klassische Stromnetz basiert jedoch weitgehend auf Wechselstrom. Dadurch muss Strom häufig umgewandelt werden. Jede Umwandlung kostet Energie.
Das DC-LabSaxony soll genau hier ansetzen. Wenn Gleichstromnetze in Zukunft besser erforscht und praktisch erprobt werden, könnten Unternehmen, Gewerbegebiete oder Quartiere Strom effizienter nutzen. Für eine Region wie die Lausitz, die sich nach Kohleausstieg und Strukturwandel neu aufstellen muss, ist das mehr als ein Forschungsthema. Es ist Wirtschaftspolitik.
Starkes Signal für die Oberlausitz
HSZG-Rektor Prof. Dr.-Ing. Alexander Kratzsch bezeichnet die Förderung als starkes Signal für den Wissenschaftsstandort Oberlausitz. Sie zeige das Vertrauen des Bundes in die Forschungsleistung der Hochschule und in das Potenzial der Region. Zugleich sollen die Forschungsergebnisse unmittelbar in die Lehre einfließen. Damit profitieren auch Studierende direkt vom Ausbau des Labors.
Auch Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow wertet die Förderung als Erfolg. Forschung und Entwicklung am DC-LabSaxony seien entscheidend für das Gelingen der Energiewende. Zugleich zeige die eingeworbene Förderung, dass die Hochschule Zittau/Görlitz und ihre Partner in Wissenschaft und Industrie in diesem Bereich technologisch vorn mitspielen.
Teil eines größeren Forschungsnetzwerks
Das DC-LabSaxony ist Teil des Sächsischen DC Campus. In diesem Netzwerk arbeiten die Hochschule Zittau/Görlitz, die TU Dresden, die TU Chemnitz und das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik gemeinsam an der Entwicklung und Erprobung von Gleichspannungsnetzen für die Energie- und Industrietransformation.
Damit wird Zittau Teil eines Forschungsverbunds, der weit über die Stadt hinausreicht. Für die Oberlausitz ist das wichtig, weil solche Projekte Fachkräfte, Studierende, Unternehmen und öffentliche Aufmerksamkeit in die Region bringen können. Gerade in einer Zeit, in der viele Regionen um Zukunftsinvestitionen kämpfen, ist eine Bundesförderung in dieser Größenordnung ein klares Standortsignal.
Chance für Unternehmen und Fachkräfte
Besonders interessant ist das Projekt für regionale Unternehmen, Netzbetreiber und Industriepartner. Die offiziellen Angaben betonen, dass Industriepartner und Netzbetreiber eng eingebunden werden sollen, damit Forschungsergebnisse schneller in die Anwendung kommen.
Das kann für die Oberlausitz ein wichtiger Vorteil werden. Forschung allein schafft noch keine wirtschaftliche Stärke. Entscheidend ist, ob aus Laboren auch Anwendungen, Kooperationen, Fachkräfte und neue Geschäftsmodelle entstehen. Genau hier könnte das DC-LabSaxony eine Brücke schlagen: zwischen Hochschule, Industrie und regionalem Strukturwandel.
Kommentar
13 Millionen Euro für Energieforschung in Zittau sind mehr als eine Hochschulmeldung. Es ist ein Zeichen, dass die Oberlausitz nicht nur über Strukturwandel reden darf, sondern endlich echte Zukunftsprojekte braucht.
Zittau hat lange darunter gelitten, dass junge Menschen weggehen, Unternehmen vorsichtig investieren und große politische Versprechen oft abstrakt bleiben. Dieses Projekt ist konkreter: Geld, Forschung, Hochschule, Industriepartner, fünf Jahre Aufbau. Genau solche Nachrichten braucht die Region.
Aber der Erfolg kommt nicht automatisch. Entscheidend wird sein, ob daraus auch sichtbare Vorteile für Zittau entstehen: neue Arbeitsplätze, starke Studiengänge, Kooperationen mit Unternehmen und mehr Aufmerksamkeit für die Stadt. Die Förderung ist eine Chance. Jetzt muss die Region sie auch nutzen

