Drei Tage lang wurde in der Zittauer Innenstadt gefeiert, getanzt, gespielt und geschlemmt. Das 12. Zittauer Stadtfest lockte vom 10. bis 12. Juli Besucher auf den Markt, den Rathausplatz, den Johannisplatz und in die Neustadt. Eine offizielle Besucherzahl und eine abschließende Sicherheitsbilanz lagen am Montagvormittag noch nicht vor.
Zittau.
Nach drei Tagen mit Musik, Unterhaltung, Wissenschaft, Sport und Rummel ist das Zittauer Stadtfest 2026 am Sonntagabend zu Ende gegangen.
Die Innenstadt hatte sich vom 10. bis 12. Juli in eine große Veranstaltungsfläche verwandelt. Das Festgebiet reichte vom Markt und Rathausplatz über den Johannisplatz und die Neustadt bis zum Festplatz mit seinen Fahrgeschäften. Der Eintritt war frei.
Die zwölfte Ausgabe des Stadtfestes stand unter dem Motto „Zittau in Bewegung“. Entsprechend breit war das Programm angelegt: Neben Musik und Unterhaltung sollten auch Sport, Mitmachangebote, Wissenschaft und Familienveranstaltungen einen größeren Platz erhalten.
Innenstadt wurde zur Feier- und Schlemmermeile
Die Stadt hatte das Fest als generationenübergreifende Feier- und Schlemmermeile angekündigt.
Auf mehreren Plätzen wurden Bühnen, Verkaufsstände, Imbissangebote und Aktionsflächen aufgebaut. Hinzu kamen Angebote für Kinder, ein Wasserspielplatz sowie verschiedene Mitmachaktionen. Der Rummel auf dem Festplatz ergänzte das Programm mit Fahrgeschäften.
Damit verteilte sich das Stadtfest nicht nur auf einen einzelnen Platz. Besucher konnten durch große Teile der historischen Innenstadt ziehen und zwischen unterschiedlichen Angeboten wechseln.
Diese räumliche Verteilung ist für Zittau grundsätzlich ein Vorteil. Sie kann dafür sorgen, dass auch Geschäfte, Gaststätten und kleinere Straßen abseits der Hauptbühne von zusätzlichen Besuchern profitieren.
Wissenschaft mitten auf dem Marktplatz
Zu den besonderen Angeboten gehörte die Wissenschaftsmeile „Oha! – Abenteuer Wissenschaft“.
Am Samstag verwandelte sich der Zittauer Marktplatz nach Angaben der Hochschule Zittau/Görlitz in ein offenes Forschungsfeld. Besucher konnten dort aktuelle Forschungsprojekte aus der Lausitz kennenlernen und an Experimenten sowie Mitmachangeboten teilnehmen.
Damit verband das Stadtfest klassische Unterhaltung mit einem Bildungsangebot.
Gerade für eine Hochschulstadt ist dieser Ansatz sinnvoll. Die Hochschule wird dadurch nicht nur als Ausbildungsstätte wahrgenommen, sondern präsentiert sich unmittelbar in der Innenstadt und im Alltag der Bevölkerung.
Musik, Vereine und Familienprogramm
Auf den verschiedenen Bühnen traten regionale Musiker, Orchester und Tanzgruppen auf.
Zum Programm gehörten unter anderem die Schlegler Blasmusikanten, das Universal Druckluft Orchester und ein Schlagerkonzert mit Kathrin und Peter. Außerdem beteiligten sich Vereine mit Sport- und Mitmachangeboten.
Für Familien wurden unter anderem Bastelaktionen, Kinderschminken, Seifenblasenangebote, Spiele und ein Wasserspielplatz angeboten.
Am Sonntag öffneten zusätzlich Geschäfte in der Innenstadt zu einem verkaufsoffenen Nachmittag.
Ob und wie stark der Einzelhandel davon profitieren konnte, ist bislang nicht öffentlich ausgewertet worden. Eine belastbare Bilanz müsste berücksichtigen, ob die Besucher tatsächlich in den Geschäften einkauften oder sich hauptsächlich auf Bühnen, Gastronomie und Rummel konzentrierten.
Feuerwehr öffnete ihre Türen
Auch die Zittauer Feuerwehr war in das Stadtfest eingebunden.
Am Samstag fand im Bereich der Feuerwache an der unteren Neustadt ein Tag der offenen Tür statt. Besucher konnten sich über die Arbeit der Feuerwehr informieren und die Technik kennenlernen.
Solche Angebote sind mehr als Unterhaltung. Feuerwehren sind auf Nachwuchs und ehrenamtliches Engagement angewiesen.
Ein Stadtfest bietet ihnen die Möglichkeit, Menschen zu erreichen, die sonst möglicherweise nicht zu einer eigenständigen Informationsveranstaltung kommen würden.
Offizielle Besucherzahl liegt noch nicht vor
Wie viele Menschen das Stadtfest tatsächlich besuchten, war am Montagvormittag noch nicht offiziell bekannt.
Weder die Stadt Zittau noch die Polizei hatten zu diesem Zeitpunkt eine abschließende Besucher- oder Einsatzbilanz veröffentlicht. Auch über mögliche größere Zwischenfälle lagen zunächst keine belastbaren öffentlichen Angaben vor.
Deshalb wäre es unseriös, aus einzelnen Fotos oder dem persönlichen Eindruck eine konkrete Zahl abzuleiten.
Ein Stadtfest mit frei zugänglichen Plätzen ist ohnehin schwer exakt zu zählen. Besucher kommen und gehen, betreten das Gelände an unterschiedlichen Stellen und besuchen teilweise nur einzelne Programmpunkte.
Die Stadt sollte dennoch eine nachvollziehbare Schätzung veröffentlichen und erklären, auf welcher Grundlage sie zustande kommt.
Hat der Einzelhandel profitiert?
Ein wichtiges Ziel solcher Veranstaltungen besteht darin, Menschen in die Innenstadt zu bringen.
Für Händler und Gastronomen ist allerdings nicht allein entscheidend, wie viele Besucher kommen. Wichtig ist, ob diese auch Geld in den örtlichen Geschäften, Gaststätten und Cafés ausgeben.
Der verkaufsoffene Sonntag sollte dafür zusätzliche Möglichkeiten schaffen.
Doch Stadtfeste können für den stationären Handel auch Nachteile haben. Gesperrte Straßen, fehlende Parkplätze und zahlreiche externe Verkaufsstände können dazu führen, dass Stammkunden die Innenstadt meiden oder ihr Geld eher auf dem Festgelände als in den Geschäften ausgeben.
Eine ehrliche Bilanz sollte deshalb nicht nur positive Stimmen sammeln. Auch Händler, die weniger Umsatz als erwartet erzielten, sollten zu Wort kommen.
Mehr Besucher bedeuten auch mehr Müll
Wo über mehrere Tage gefeiert und gegessen wird, entstehen große Mengen an Verpackungen, Bechern und sonstigem Abfall.
Bereits am Sonntagabend und Montagmorgen mussten Bühnen, Absperrungen, Verkaufsstände und technische Anlagen wieder abgebaut werden. Gleichzeitig waren Straßen und Plätze zu reinigen.
Wie viel Müll beim Stadtfest anfiel und welche Kosten für Reinigung, Sicherheit und Aufbau entstanden, wurde bislang nicht öffentlich beziffert.
Gerade bei einer regelmäßig wiederkehrenden Veranstaltung wäre eine transparente Kostenübersicht sinnvoll.
Dazu gehören unter anderem:
- Bühnen und Veranstaltungstechnik,
- Strom- und Wasserversorgung,
- Reinigung und Abfallentsorgung,
- Sicherheitsdienst und Absperrungen,
- Werbung und Programm,
- Verkehrsmaßnahmen,
- Personal der Stadtverwaltung.
Nur mit diesen Angaben lässt sich beurteilen, wie hoch der tatsächliche finanzielle Aufwand für die Stadt war.
Einschränkungen für Verkehr und Anwohner
Für das Stadtfest waren Teile der Innenstadt zeitweise gesperrt.
Anwohner, Lieferdienste und Autofahrer mussten sich auf veränderte Zufahrten und Parkmöglichkeiten einstellen. Der Taxistand wurde während der Veranstaltung vom Rathausplatz auf den Klosterplatz verlegt.
Solche Einschränkungen sind bei einem größeren Innenstadtfest kaum vollständig zu vermeiden.
Trotzdem muss geprüft werden, ob Umleitungen und Sperrungen ausreichend erklärt wurden und ob Anwohner rechtzeitig über Lärm, Aufbau und Abbau informiert waren.
Besonders die nächtlichen Musikveranstaltungen können für Bewohner der Innenstadt belastend sein. Ein erfolgreiches Stadtfest muss deshalb auch die Interessen jener berücksichtigen, die unmittelbar am Veranstaltungsgebiet leben.
Freier Eintritt ist eine Stärke
Der kostenlose Zugang gehört zu den größten Vorteilen des Zittauer Stadtfestes.
Familien, Jugendliche und Menschen mit geringerem Einkommen können die Angebote besuchen, ohne zunächst Eintrittskarten kaufen zu müssen.
Gerade in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten ist das wichtig.
Ein freies Stadtfest schafft Begegnungen zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und verhindert, dass öffentliche Kulturveranstaltungen nur für jene zugänglich sind, die sich hohe Ticketpreise leisten können.
Gleichzeitig muss die Finanzierung gesichert werden. Neben städtischen Mitteln spielen Standgebühren, Sponsoren und Einnahmen aus einzelnen Angeboten eine Rolle.
Vereine erhalten eine wichtige Bühne
Das Stadtfest ist nicht nur eine Veranstaltung professioneller Musiker und Händler.
Auch Vereine, Schulen, soziale Einrichtungen, Sportgruppen und ehrenamtliche Initiativen können sich präsentieren.
Für viele dieser Organisationen ist ein solcher Auftritt wichtig, um neue Mitglieder, Unterstützer oder Nachwuchs zu gewinnen.
Die Stärke eines Stadtfestes liegt deshalb nicht allein in bekannten Künstlern. Entscheidend ist, ob es das tatsächliche Leben der Stadt abbildet und den Menschen aus Zittau ausreichend Raum gibt.
Ein Programm, das fast ausschließlich aus auswärtigen Anbietern besteht, wäre langfristig austauschbar. Ein Stadtfest sollte dagegen zeigen, was die eigene Stadt kulturell, sportlich und gesellschaftlich zu bieten hat.
Innenstadt profitiert von positiven Bildern
Zittau kämpft wie viele kleinere Städte mit Leerständen, Geschäftsaufgaben und einer schwierigen Entwicklung des Einzelhandels.
Ein gut besuchtes Stadtfest kann deshalb wichtige positive Bilder erzeugen: volle Plätze, belebte Straßen, spielende Kinder und geöffnete Geschäfte.
Solche Bilder verändern die Wahrnehmung einer Stadt. Sie zeigen, dass die Innenstadt nicht nur aus Leerständen und Problemen besteht, sondern weiterhin ein Ort für Begegnung und gemeinsames Erleben sein kann.
Dieser Effekt hält allerdings nur begrenzt an.
Entscheidend ist, ob es der Stadt gelingt, auch außerhalb großer Veranstaltungen mehr Menschen regelmäßig in die Innenstadt zu bringen.
Was nach dem Fest geklärt werden sollte
Eine aussagekräftige Abschlussbilanz sollte in den kommenden Tagen mindestens folgende Fragen beantworten:
- Wie viele Besucher kamen an den drei Tagen?
- Gab es größere Polizei-, Feuerwehr- oder Rettungseinsätze?
- Wie zufrieden waren Händler und Gastronomen?
- Welche Programmpunkte waren besonders erfolgreich?
- Wie hoch waren die Gesamtkosten?
- Wie viel Müll musste entsorgt werden?
- Gab es Beschwerden von Anwohnern?
- Wie wurde der verkaufsoffene Sonntag angenommen?
- Was soll beim nächsten Stadtfest verändert werden?
Erst mit diesen Angaben lässt sich das Fest wirklich bewerten.
Fazit
Das Zittauer Stadtfest hat die Innenstadt drei Tage lang sichtbar belebt.
Musik, Rummel, Familienangebote, Vereine und die Wissenschaftsmeile sorgten für ein breites Programm. Besonders positiv waren der freie Eintritt und die Verteilung der Veranstaltungen auf mehrere Plätze der Innenstadt.
Eine vollständige Bilanz steht jedoch noch aus.
Bislang fehlen eine offizielle Besucherzahl, Angaben zur Sicherheitslage, eine Bewertung des verkaufsoffenen Sonntags und eine transparente Kostenübersicht.
Das Stadtfest hat gezeigt, dass Zittau große Menschenmengen in seine Innenstadt holen kann. Die entscheidende Aufgabe besteht nun darin, aus dem kurzen Festwochenende einen möglichst langfristigen Nutzen für Handel, Gastronomie, Vereine und das Ansehen der Stadt zu ziehen.
Ein schönes Wochenende reicht nicht
Ein gelungenes Stadtfest ist wichtig. Menschen begegnen sich, Vereine präsentieren sich und die Innenstadt wirkt für einige Tage so lebendig, wie man sie sich häufiger wünschen würde.
Doch genau darin liegt auch die Herausforderung.
Wenn am Montag alle Bühnen verschwunden sind und die Straßen wieder leer werden, bleiben die eigentlichen Probleme der Innenstadt bestehen.
Das Stadtfest darf deshalb kein jährliches Trostpflaster sein. Es sollte Teil einer größeren Strategie werden.
Wer an diesem Wochenende gern nach Zittau gekommen ist, muss auch in den folgenden Monaten Gründe finden, wiederzukommen: attraktive Geschäfte, gepflegte Plätze, gute Gastronomie, Kultur und eine vernünftige Erreichbarkeit.
Dann bleibt vom Stadtfest mehr als Musik, Müll und einige schöne Erinnerungen.


