DAS NEUSTE

🌐 Druck aus Washington, Tempo in Brüssel: Wie Trumps Zollpolitik Europas Handel neu ausrichtet

📰 Einordnung: Europas Handel rückt zusammen Unter dem Eindruck neuer US-Zollrisiken beschleunigt die EU ihre Handelspolitik spürbar. Staaten von Asien bis Südamerika suchen verstärkt den Schulterschluss mit Brüssel – aus strategischem Kalkül und als Versicherung gegen die Volatilität in Washington. Eine profilierte Handelsanalystin der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik sieht darin eine direkte Folge der US-Politik unter Präsident Donald Trump: Europa gilt als berechenbarer Partner mit großem Binnenmarkt, entsprechend drängen viele Länder an den Verhandlungstisch.

⚠️ Hintergrund: Zolldrohungen und Unsicherheit Die jüngsten Auseinandersetzungen um US-Zölle legen die Grundspannung im transatlantischen Handel offen. Selbst nach juristischen Rückschlägen verfügt das Weiße Haus weiterhin über Hebel, Abgaben zu erhöhen oder neu zu verhängen. Das schafft Planungsunsicherheit – den größten Feind langfristiger Investitionen. Diese Unsicherheit treibt Drittstaaten näher an Europa, dessen Markt mit 27 Mitgliedern als verlässliche Nachfragebasis gilt. Parallel wächst in der EU die Bereitschaft, ökonomischen Druck von außen politisch, regulativ und notfalls mit Gegenmaßnahmen abzuwehren.

🤝 Mercosur und Indien: Tempo statt Maximalismus Beim Mercosur-Abkommen rückt die Option einer vorläufigen Anwendung in den Blick, sobald der erste Partnerstaat sein Verfahren abgeschlossen hat. Der politische Wind dreht sich, in Berlin wird mehr Tempo gefordert. Gleichzeitig agiert Europa im Indien-Dossier pragmatischer: Marktzugang wiegt im Zweifel schwerer als früher umfassend ausverhandelte, rechtlich einklagbare Nachhaltigkeitsklauseln. Ziel ist es, einen großen, protektionistisch abgeschirmten Wachstumsmarkt besser zu erschließen.

  • Vorläufige Anwendung des Mercosur-Pakets als Option
  • Pragmatischer Kurs gegenüber Indien mit Fokus auf Marktzugang
  • Mehr politisches Tempo, insbesondere aus Berlin

🇮🇩 Südostasien als Prüfstein: Abschluss mit Indonesien Mit Indonesien hat die EU am 23. September 2025 die Verhandlungen über ein umfassendes Wirtschafts- und Investitionsabkommen abgeschlossen. Es soll Zölle weitgehend abbauen, Lieferketten stabilisieren und kritische Rohstoffe absichern – ein zentrales Anliegen angesichts geopolitischer Risiken. Der Abschluss in Südostasien dient damit als praktischer Test für eine handelspolitische Linie, die Widerstandsfähigkeit in den Vordergrund stellt.

🧩 Mittelmächte: Regeln mit Partnern der transpazifischen Partnerschaft Über bilaterale Deals hinaus setzt Brüssel auf regelbasierte Kooperation mit Ländern aus der transpazifischen Partnerschaft (CPTPP). Gemeinsam mit diesen „Mittelmächten“ lassen sich moderne Regeln für digitalen Handel, Dienstleistungen und Technologietransfer etablieren. So sollen Abhängigkeiten von den Systemrivalen USA und China reduziert und alternative Handlungsoptionen eröffnet werden.

🛠️ Hausaufgaben: Standards, Bürokratie und Wettbewerbsfähigkeit Europas Anspruch, weltweit Standards von Menschenrechten bis Klima zu setzen, stößt zunehmend auf Widerstand, wenn Vorgaben als bürokratisch oder paternalistisch gelten. Zugleich mahnt die Expertin die schwindende Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas an – von hohen Kosten bis zu Innovationsschwächen. Handelsabkommen können helfen, doch sie ersetzen keine Reformen im eigenen Haus. Entscheidend bleiben verlässliche Rahmenbedingungen und regulatorische Nüchternheit.

🧭 Fazit: Katalysator ohne Ersatz für Reformen Der „Trump-Effekt“ wirkt in Europa wie ein Katalysator: Unter dem Druck amerikanischer Zolldrohungen ordnet Brüssel seine Außenwirtschaftspolitik schneller, pragmatischer und breiter. Das stärkt die strategische Autonomie und schafft Optionen jenseits der USA. Gleichzeitig gilt die konservative Lehre: Handelspolitik ist nur so stark wie die eigene Wettbewerbsfähigkeit. Ohne verlässliche Rahmenbedingungen, innovationsfreundliche Regulierung und einen nüchternen Blick auf Standortkosten wird Europa auch mit neuen Abkommen keine nachhaltige Wachstumsspur finden. Der Impuls aus Washington beschleunigt – ersetzen kann er europäische Reformarbeit nicht.

🗨️ Kommentar der Redaktion Europas Kurs hin zu mehr Pragmatismus ist überfällig und richtig. Wer Wohlstand sichern will, muss Marktzugang und Versorgungssicherheit vor ordnungspolitischen Wünschbarkeiten priorisieren. Nachhaltigkeit bleibt wichtig, darf aber nicht als Vorwand dienen, Wettbewerbsfähigkeit zu schwächen und Verfahren zu verlangsamen. Notwendig sind Entbürokratisierung, verlässliche Energiepreise und klare Zuständigkeiten. Handelsabkommen sind Mittel zum Zweck – entscheidend ist, dass Europa wieder schneller, günstiger und innovativer produziert.

Quelle: Externe Quelle

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