đŤ Schokoladenkonflikt im Handel Rewe-Chef Lionel Souque findet im anhaltenden Preiskonflikt rund um Schokolade ungewĂśhnlich deutliche Worte. Markenprodukte verlieren gegenĂźber Eigenmarken spĂźrbar an Bedeutung; Hersteller seien frĂźh vor Ăźberzogenen PreissprĂźngen gewarnt worden. Dennoch wurden Schokoartikel groĂer Anbieter, darunter Lindt und Mondelez, erneut teurer â mit unmittelbar rĂźckläufigen Absätzen. Viele Kunden greifen Markenware nur noch im Sonderangebot, so Souque.
đ Eigenmarken gewinnen an Bedeutung Der Preisdruck im deutschen Lebensmittelhandel hat das Kaufverhalten sichtbar verschoben. Rewe meldet fĂźr 2025 ein deutliches Plus bei Eigenmarkenumsätzen und einen stetig steigenden Eigenmarkenanteil, mittlerweile nahe 30 Prozent. Preisbewusste Verbraucher weichen aus, weil der Abstand zu Markenartikeln gewachsen ist.
đ Verbraucherverhalten und Wettbewerbsumfeld Externe Beobachtungen verweisen darauf, dass rund 30 Prozent der Konsumenten häufiger beim Discounter einkaufen, während Preisvergleiche einen weitgehenden Gleichstand der Kernsortimentspreise zwischen Supermärkten und Discountern zeigen. Rewe kontert preisliche Bewegungen von Wettbewerbern kurzfristig und sieht sich dank grĂśĂerer Auswahl im Vorteil.
đ Geopolitische Risiken nĂźchtern bewertet Aus dem Iran-Krieg ergeben sich bislang weder spĂźrbare KostenschĂźbe noch Anfragen aus der Industrie. Anders als beim Ukraine-Krieg sind aus den betroffenen Ländern keine fĂźr Hersteller besonders wichtigen Rohstoffe zu erwarten. Sollte sich der Konflikt jedoch hinziehen, kĂśnnten Verpackungen teurer werden und Lebensmittel im Gefolge zusätzlich belasten.
đś Preisentwicklung bei Rewe Zwischen März 2025 und März 2026 stiegen die Ladenpreise bei Rewe lediglich um rund ein Prozent â deutlich weniger, als viele Verbraucher vermuten. Der Konzern verweist damit auf konsequente Preisdisziplin im Handel.
đ Kennzahlen des Konzerns 2025 Die Gruppe steigerte ihren Gesamtumsatz im In- und Ausland auf 100,4 Milliarden Euro, ein Plus von vier Prozent. Die Supermärkte legten etwas stärker zu als die Discountertochter Penny, während die Touristiksparte Dertour zweistellig wuchs. Der JahresĂźberschuss lag, auch wegen Investitionen in Rabatt-Apps, bei 525 Millionen Euro. Rewe zählt zwei Milliarden Kundentransaktionen im Jahr, betreibt hierzulande rund 3.800 Rewe-Märkte und gut 2.100 Penny-Filialen und beschäftigt in Deutschland 272.000 Menschen.
đ§ž Schokoladenregal als Brennglas Nach PreiserhĂśhungen namhafter Produzenten meldet Rewe sinkende Mengen â mit spĂźrbaren Folgen fĂźr die Aktions- und Regalstrategie. In der Folge hat Lindt nach deutlichen AbsatzeinbuĂen jĂźngst Preissenkungen angekĂźndigt. Die Botschaft an die Industrie ist eindeutig: Wer die Zahlungsbereitschaft der Kunden Ăźberschätzt, riskiert Volumen und Sichtbarkeit im Handel.
đ Ausblick fĂźr Marken und Handel Der Ton zwischen Handel und Markenherstellern wird rauer, und Schokolade ist zum Lackmustest geworden. Rewe setzt auf harte, faktenbasierte Verhandlungen und stärkt parallel seine Eigenmarken. FĂźr Hersteller gilt: realistische Kalkulation statt PreisschĂźbe, die am Ende nur den Abverkauf bremsen. Gelingt die RĂźckkehr zur Preisvernunft, bleibt das Premiumsegment sichtbar; hält die Preisspirale an, wandern Käufer weiter ab â und der Konflikt im SĂźĂwarenregal dĂźrfte zur Blaupause fĂźr andere Warengruppen werden.
đ¨ď¸ Kommentar der Redaktion Der Markt setzt gerade eine notwendige Korrektur durch: Ăberzogene Markenpreise stoĂen an die Grenzen der Zahlungsbereitschaft. Hersteller sollten ihre Kalkulationen zĂźgig der Realität anpassen, sonst verlieren sie Regalfläche und Vertrauen. Der Handel muss zugleich transparent bleiben und die behauptete Preisdisziplin messbar machen. Eigenmarken sind kein Notnagel, sondern ein legitimes Korrektiv im Wettbewerb. Die nächsten Runden in den Preisgesprächen werden zeigen, wer Produkte und Preise wieder in ein vernĂźnftiges Verhältnis bringt.
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