🗞️ Höchster Stand seit 20 Jahren Deutschlands Firmeninsolvenzen haben 2025 den höchsten Stand seit zwei Jahrzehnten erreicht. Insgesamt wurden 17.604 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften gezählt, so viele wie seit 2005 nicht mehr. Der Anstieg markiert eine Zäsur nach Jahren der Ausnahmeregelungen und Nachholeffekte und verweist auf strukturelle Schwächen am Standort.
🧾 Datenbasis und Methode Die Angaben beruhen auf dem Insolvenztrend des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), das die Bekanntmachungen der Registergerichte systematisch auswertet. Das Institut betont, dass die anhaltend hohen Werte nicht länger mit pandemiebedingten Sondereffekten oder der zuvor ultralockeren Geldpolitik zu erklären sind. Vielmehr handelt es sich um eine Normalisierung auf einem erhöhten, konjunktursensiblen Niveau.
📈 Dezember 2025 mit starker Belastung Besonders zum Jahresende zeigte sich die Zuspitzung: Allein im Dezember wurden 1.519 Insolvenzen registriert. Die Fälle lagen 17 Prozent über dem Vormonat, 14 Prozent über dem Dezember 2024 und 75 Prozent über einem durchschnittlichen Dezember der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019.
👥 Größere Unternehmen im Fokus In den größten zehn Prozent der betroffenen Unternehmen waren mehr als 15.000 Arbeitsplätze involviert. Das ist ein deutliches Indiz dafür, dass nicht nur Kleinstbetriebe, sondern auch substanziell größere Firmen unter Druck geraten sind.
🏭 Branchenübergreifender Stress Damit verfestigt sich der Befund eines breiten, branchenübergreifenden Stresses, der von gestiegenen Finanzierungskosten, zäher Binnennachfrage und anhaltenden Kostenbelastungen geprägt ist. Die Entwicklung ist konjunktursensibel und trifft Unternehmen verschiedenster Größen und Branchen.
🧮 Einordnung der Dynamik Die anhaltend hohen Insolvenzzahlen sind demnach weniger Ausdruck einmaliger Sondereffekte als Ergebnis einer Anpassung an verschärfte Rahmenbedingungen. Die Normalisierung vollzieht sich auf einem höheren Niveau, das sensibel auf konjunkturelle Schwankungen reagiert.
🧭 Weckruf und politische Prioritäten Insolvenzen gehören zur marktwirtschaftlichen Erneuerung. Ihre Häufung auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren ist jedoch ein Signal, dass Wettbewerbsfähigkeit und Investitionsklima gezielt gestärkt werden müssen. Standortpolitische Prioritäten liegen auf verlässlichen Energiepreisen, weniger Bürokratie und planbaren steuerlichen Rahmenbedingungen. Ohne einen konsequenten Kurs zugunsten produktiver Investitionen und höherer Eigenkapitalbildung droht die Pleitewelle, die 2025 kulminierte, auch 2026 nachzuwirken.
🗨️ Kommentar der Redaktion Diese Entwicklung legt strukturelle Schwächen offen, die jetzt entschlossen adressiert werden müssen. Wer auf neue Ausnahmen setzt, verlängert die Schwächephase. Verlässliche Energiepreise, weniger Regulierung und planbare Steuern sind überfällig, damit produktive Investitionen und Eigenkapitalbildung wieder Fahrt aufnehmen. Staatliche Schonprogramme dürfen die Marktbereinigung nicht künstlich ausbremsen; gefragt ist Verlässlichkeit statt Subventionismus. Wettbewerbsfähigkeit muss wieder zur Leitlinie der Standortpolitik werden – und zwar sofort.


