📈 Konjunkturausblick 2026 Nach einem mageren Plus von 0,2 Prozent im Jahr 2025 erwartet der Bundesverband der Deutschen Industrie für 2026 lediglich rund ein Prozent Wachstum. Der Anstieg dürfte vor allem von staatlichen Ausgaben getragen werden, während die Industrie hinter der Gesamtwirtschaft zurückbleibt. Die zentrale Botschaft: Die Krise hält an, die industrielle Substanz steht auf dem Spiel.
🏭 Lage der Industrie Die industrielle Basis leidet unter dauerhaft schwacher Nachfrage, hoher Kostenlast und politischer Unsicherheit. BDI-Chef Peter Leibinger sieht zwar erste Hoffnungssignale, betont jedoch, die „Dauer der Krise“ wiege schwerer als ihre Tiefe. Zu Beginn des vierten Quartals 2025 lag die Auslastung der Produktionskapazitäten nur bei gut 78 Prozent; Maschinen stehen still, Investitionen werden verschoben, Beschäftigung wird abgebaut. Zusätzliche Risiken drohen durch neue US-Zölle, die ab 1. Februar in Kraft treten und exportorientierte Sparten empfindlich treffen könnten.
⛓️ Stahl als Seismograf Die Rohstahlproduktion fiel 2025 auf 34,1 Millionen Tonnen und damit auf den niedrigsten Wert seit 2009. Die Kapazitätsauslastung rutschte unter 70 Prozent; als „auskömmlich“ gelten in der Branche rund 40 Millionen Tonnen. Der Einbruch zeigt, wie tief der Kern der industriellen Produktion getroffen ist.
🏗️ Wachstumstreiber und Grenzen Für 2026 rechnet der Verband mit einem Plus von etwa einem Prozent, getrieben vor allem durch öffentliche Investitionen in Infrastruktur. Die Industrie dürfte dennoch unterdurchschnittlich abschneiden. Das signalisiert: Kurzfristige Nachfragehilfen ersetzen keine strukturellen Verbesserungen.
🏛️ Erwartungen an die Politik Die Unternehmen verlangen einen klaren, angebotsorientierten Kurs mit verlässlichen Rahmenbedingungen. Planungs- und Rechtssicherheit gelten als Voraussetzung dafür, dass privates Kapital wieder in Deutschland investiert wird.
- Weniger Bürokratie und schnellere Genehmigungen
- Verlässliche und kosteneffiziente Energiepfade
- Flexiblere Arbeitszeitmodelle
- Reformen in den Sozialsystemen
🛡️ Hausaufgaben der Unternehmen Der Verband mahnt mehr Resilienz und striktere Kostendisziplin an. Strukturen aus Jahren günstiger Rahmenbedingungen tragen in einem Umfeld dauerhaft höherer Energie- und Standortkosten nicht mehr.
- Breitere, widerstandsfähigere Lieferketten
- Geringere Abhängigkeiten von einzelnen Märkten
- Konsequente Kostendisziplin
- Anpassung an dauerhaft höhere Energie- und Standortkosten
🧭 Fazit Deutschlands Industrie kämpft nicht mit einer bloßen Delle, sondern mit strukturellen Schwächen. Öffentliche Budgets können Zeit kaufen, aber keine Wettbewerbsfähigkeit. Entscheidend ist, ob 2026 der Einstieg in einen stringenten Angebotsschub gelingt – mit kalkulierbaren Energiepreisen, entschlackten Verfahren und innovationsfreundlichen Regeln. Ohne Kurskorrektur droht eine langsame Erosion der industriellen Wertschöpfung; mit ihr kann die Industrie aus der Talsohle wachsen und wieder Taktgeber des Standorts werden.
🗨️ Kommentar der Redaktion Die Diagnose ist eindeutig: Ohne harte angebotsseitige Reformen bleibt das Wachstum brüchig. Staatliche Impulse sind Brücke, kein Ersatz für Wettbewerbsfähigkeit. Energiepreise, Genehmigungen und Arbeitsmarkt müssen verlässlich, schlank und planbar werden – sofort, nicht irgendwann. Unternehmen sind gefordert, Abhängigkeiten zu reduzieren und Kosten kompromisslos zu managen. Wer jetzt zaudert, riskiert eine stille Deindustrialisierung. Glaubwürdigkeit entsteht durch Taten, nicht durch Ankündigungen.


