đ° Aufreger in der Gesundheitspolitik Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, lehnt die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) geplante Teilkrankschreibung entschieden ab. Er spricht von einem âabsurden Ansatzâ und einem âschlechten Witzâ und warnt vor zusätzlicher BĂźrokratie in ohnehin stark belasteten Praxen. Statt Prozentstufen der Arbeitsunfähigkeit plädiert er fĂźr Karenztage und eine Pflicht zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erst ab dem vierten Arbeitstag. Laut KBV lieĂen sich damit rund 300 Millionen Euro pro Jahr einsparen.
âšď¸ Hintergrund des Vorhabens Warken will mit einem Gesetzentwurf ermĂśglichen, dass Ărztinnen und Ărzte kĂźnftig eine Teilarbeitsunfähigkeit von 25, 50 oder 75 Prozent der regulären Wochenarbeitszeit attestieren kĂśnnen. Als Vorbild gilt Schweden. Ziel ist eine flexiblere RĂźckkehr in den Job, wenn Patientinnen und Patienten zwar eingeschränkt, aber nicht vollständig arbeitsunfähig sind.
â ď¸ Kern der Kritik Nach Gassens Einschätzung verlangt eine Teilkrankschreibung de facto ein detailliertes Gutachten zum konkreten Arbeitsplatz: Um die passende Prozentstufe zu bestimmen, mĂźssten Arbeitsinhalte und -umstände im Einzelfall genau bekannt sein. Diese PrĂźfung sei in der Versorgungspraxis weder leistbar noch sinnvoll. Mit Blick auf die Abrechnung spricht er von gekĂźrzten VergĂźtungen und einer Regelung, die ânicht nur wie ein schlechter Witz klingtâ.
đ Folgen in den Praxen Gassen warnt vor zusätzlichem Dokumentationsaufwand, neuem Streitpotenzial zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten und weniger Zeit fĂźr medizinische Kernaufgaben.
- Mehr Papierarbeit statt Patientenzeit
- Konfliktlinien Ăźber den ârichtigenâ Prozentwert
- Unklare Zuständigkeiten bei Prßfung und Bewertung
â Alternativmodell der KBV Als Alternative bekräftigt Gassen den Vorschlag, die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erst ab dem vierten Arbeitstag verpflichtend zu machen. Das wĂźrde BĂźrokratie abbauen, kurzfristige Erkältungswellen ohne Arztgang abfedern und die Praxen spĂźrbar entlasten.
đś Finanzielle Dimension Den fiskalischen Effekt des KBV-Modells beziffert Gassen auf etwa 300 Millionen Euro jährlich.
đ§ Fazit Die Teilkrankschreibung verspricht Flexibilität, droht in der Umsetzung jedoch zum bĂźrokratischen Experiment auf dem RĂźcken der Versorgung zu werden. Aus konservativer Sicht Ăźberwiegen die Risiken: unklare Zuständigkeiten, mehr Papier, weniger Sprechstunde. Gassens Gegenmodell mit Karenztagen setzt hingegen auf Eigenverantwortung, einfache Regeln und spĂźrbare Entlastung â fĂźr Patientinnen und Patienten ebenso wie fĂźr Arztpraxen und Kassen. Bevor neue Stufenpläne verordnet werden, sollte der Gesetzgeber die Praxistauglichkeit Ăźber die Symbolik stellen.
đ¨ď¸ Kommentar der Redaktion Die Politik sollte aufhĂśren, Arbeit in Prozentscheiben zu zerteilen. Ein Modell, das Ărztinnen und Ărzte zu Gutachtern jedes einzelnen Arbeitsplatzes macht, verfehlt den Kern medizinischer Versorgung. Wer Entlastung verspricht, darf keine zusätzliche Aktenlast produzieren. Karenztage und eine AU-Pflicht erst ab dem vierten Arbeitstag sind ein klarer, einfacher und verantwortungsethisch Ăźberzeugender Weg. Der Gesetzgeber ist gut beraten, dieses Stufenexperiment zu verwerfen und praxistaugliche, schlanke Regeln vorzuziehen.
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