Oberst Markus Reisner warnt: Einsatz von Reizgas, überdehnte Verteidigung, drohende Einkesselung in Pokrowsk
Kiew / Wien – Die russische Offensive an der Ostfront der Ukraine nimmt beängstigende Ausmaße an. Oberst Markus Reisner, Militärexperte und Generalstabsoffizier des österreichischen Bundesheeres, zeichnet in seinem wöchentlichen Lagebericht ein dramatisches Bild: Die russische Front bewege sich „wie eine Tsunamiwelle“ – mit zerstörerischer Wucht, strategischer Tiefe und zunehmend völkerrechtswidrigen Methoden.
🌍 Frontverschiebung über Oblast-Grenzen hinaus
Die Eroberung des Dorfes Dachne durch russische Truppen (angeblich) markiert laut Reisner den Übergang in eine neue Phase des Krieges. Das Dorf liegt in der Oblast Dnipropetrowsk, außerhalb der vier seit 2022 umkämpften Regionen. Präsident Putin erklärte zuletzt erneut, „die gesamte Ukraine“ gehöre zu Russland – eine Aussage, die militärisch durch diese Vorstöße untermauert wird.
📊 Lageübersicht der Brennpunkte
| 📍 Region | 🔥 Lageentwicklung | ⚠️ Bedeutung |
|---|---|---|
| Dachne / Jalta | Heftige Kämpfe, Flussüberquerung Wowtscha | Symbolischer Vorstoß, Informationskrieg |
| Luhansk | Vollständige Einnahme durch Russland | Strategisch wichtiger Gebietserfolg |
| Pokrowsk / Konstantinowka | Einkesselung droht, Zangenbewegung, Logistikdrehscheiben | Kritische Verteidigungslinie |
🚨 Chemische Reizstoffe: Russland bricht Völkerrecht
Tödliche Taktik mit Drohnen
Russland setzt laut Reisner zunehmend auf den Einsatz von Chloracetophenon (Reizgas) – abgeworfen durch Drohnen, um ukrainische Verteidiger aus Bunkern zu zwingen. Diese werden dann von FPV-Drohnen, Scharfschützen oder Maschinengewehren attackiert.
🗨️ „Das erinnert an den Einsatz von Giftgas im Ersten Weltkrieg – eindeutig ein Verstoß gegen das Völkerrecht.“
🛡️ Ukraine: Überdehnte Linien, schwierige Entscheidungen
Die ukrainischen Brigaden seien laut Reisner hoffnungslos überdehnt: Eine Brigade mit 2.500 Soldaten müsse Strecken von bis zu 30 Kilometern verteidigen. Eine adäquate Verteidigung ist kaum möglich – nur Drohneneinsätze halten derzeit die Frontlinie aufrecht.
📉 „Die Ukraine steht vor der Wahl: Rückzug zur Verteidigung am Fluss oder Einkesselung riskieren.“
🧠 Strategiewechsel: Bewegliche Verteidigung statt statisches Halten
Generalstabschef Syrskyi kündigte an, zukünftig stärker auf bewegliche Verteidigung zu setzen: Rückzug, neu formieren, gezielte Gegenangriffe. Doch dazu fehlt oft die Überlegenheit – personell wie materiell.
🗨️ „In der Tiefe könnte es besser sein, sich auf Flusslinien zurückzuziehen, um dort russische Kräfte gezielt abzunutzen.“
📉 Rückzug oder Vernichtung? Das Pokrowsk-Dilemma
Pokrowsk ist laut Reisner derzeit der wahrscheinlichste Ort für eine russische Großoffensive. Der strategische Wert durch Bahnlinien und Straßen sei enorm. Fällt Pokrowsk, ist der Weg Richtung Dnipro und das Herz der ukrainischen Verteidigung offen.


