🌌 Jubiläum und Lebenswerk Am 11. November 2025 hätte der Görlitzer Astronomielehrer Günter Lampe seinen 100. Geburtstag begangen. Dass die Stadt heute über eine moderne Sternwarte mit Planetarium verfügt, das einzige im Landkreis Görlitz, gilt als sein Lebenswerk. Zugleich steht die Einrichtung vor einem Jubiläum: 2026 kann Görlitz auf 170 Jahre astronomische Tradition zurückblicken. Die Spannweite vom Renaissance-Erbe bis zur DDR-Schulsternwarte verdeutlicht die besondere Stellung der Scultetus-Sternwarte in der Region.
📚 Hintergrund Mit der Einführung des Unterrichtsfachs Astronomie in der DDR im September 1959 übernahm Lampe die Leitung der Schulsternwarte am Klosterplatz. Er bildete Kollegen fort, vertiefte den Unterricht in Arbeitsgemeinschaften und pochte auf eine ideologiefreie, nüchterne Naturbetrachtung, sehr zum Missfallen mancher Funktionäre. Parallel trieb er die Idee eines leistungsfähigen Neubaus am Südrand der Stadt voran.
🏗️ Aufbau in Biesnitz 1971 wurde der erste Bauabschnitt in Biesnitz eingeweiht. Dort verbesserten sich die Beobachtungsbedingungen erheblich, auch dank eines stärkeren Teleskops. Eine krankheitsbedingte Pause bis Ende der 1970er Jahre bremste Lampes Engagement nur vorübergehend. Danach setzte er seinen Kurs mit Geduld, diplomatischem Geschick und Beharrlichkeit fort, bis 1989 die Sternwarte vollständig stand und das Planetarium den Betrieb aufnahm. Der Projektor hatte zuvor zwei Jahrzehnte verpackt im Schulkeller auf seinen Einsatz gewartet. Lampe konnte sein Vorhaben ein Jahr vor der Pensionierung vollenden, blieb der Einrichtung auch im Ruhestand eng verbunden und verstarb am 25. Mai 1999.
📍 Standort und Tradition Die heutige Scultetus-Sternwarte liegt am Fuße der Landeskrone im Stadtteil Biesnitz. Der Umzug folgte auf die wachsende Lichtverschmutzung und bauliche Mängel am alten Turm des Gymnasiums Augustum. In den Jahren 1967 bis 1989 entstand dort ein neues Observatorium mit Planetarium, das einzige in Niederschlesien und eines der größten in Sachsen. Die Traditionslinie reicht bis zum 15. Oktober 1856, als das Gymnasium seinen Neubau mit Sternwartenturm erhielt.
🎯 Prinzipien und Auftrag Lampe steht für eine Tugend, die in Bildungs- und Kulturpolitik gern beschworen, aber selten konsequent gelebt wird: Ausdauer. Gegen Widerstände und Moden setzte er auf nüchterne Wissenschaft, solide Ausbildung und bürgerschaftliche Unterstützung, eine Kombination, die der Sternwarte bis heute Bestand sichert. Angesichts der kommenden 170 Jahre Tradition und eines steigenden Interesses an populärwissenschaftlicher Bildung bleibt die Aufgabe klar: Wer die Scultetus-Sternwarte erhalten und stärken will, sollte an Lampes Prinzipien anknüpfen, sachlich, unbeirrbar und mit Blick auf den langfristigen Nutzen für Stadt und Region.
🗨️ 🗨️ Kommentar der Redaktion Institutionen wie die Scultetus-Sternwarte entstehen nicht durch Aktionismus, sondern durch Ausdauer und Ideologiefreiheit. Wer heute Verantwortung trägt, hat bewährte Strukturen zu schützen statt sie modischen Strömungen zu opfern. Die besondere Stellung der Einrichtung in Stadt und Region begründet eine Pflicht zur Verlässlichkeit. Kurzfristige Signale und politische Symbolik sind hier fehl am Platz. Maßstab sollten nüchterne Wissenschaft, solide Bildung und bürgerschaftliche Unterstützung sein, getragen von langem Atem.


