Kurort Jonsdorf. Am 6. September 2026 entscheiden die Einwohner von Jonsdorf über die künftige Führung ihrer Gemeinde. Sollte im ersten Wahlgang niemand mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erreichen, ist ein zweiter Wahlgang für den 27. September vorgesehen.
Die Wahl könnte für den kleinen Kurort bedeutender werden als eine gewöhnliche Personalentscheidung. Jonsdorf steht vor großen Aufgaben: ein Schulneubau in Millionenhöhe, die Zukunft touristischer Einrichtungen, die wirtschaftliche Stabilität der Gemeinde, Investitionen in die Infrastruktur und die Frage, wie ein traditionsreicher Ferienort im Wettbewerb um Gäste und Einwohner bestehen kann.
Noch steht die endgültige Bewerberlage öffentlich nicht vollständig fest. Der Gemeindewahlausschuss soll am 7. Juli 2026 über Wahlangelegenheiten beraten; die Gemeinde hat bereits Wahlbekanntmachungen und Informationen zum Wählerverzeichnis veröffentlicht.
Eine Bürgermeisterwahl mit besonderer Bedeutung
Aktuell wird Jonsdorf von Bürgermeisterin Kati Wenzel von den Freien Wählern geführt. Die offizielle Gemeindewebsite weist sie als Bürgermeisterin des Kurortes aus.
Die nächste Amtsperiode dürfte allerdings unter anderen Voraussetzungen stehen als die bisherige. Bereits zuvor wurde öffentlich berichtet, dass das Bürgermeisteramt nach der kommenden Wahlperiode nicht mehr in der bisherigen ehrenamtlichen Form geführt werden soll.
Damit stellt sich für die Wähler nicht nur die Frage, wer Bürgermeister wird, sondern auch, welche Erwartungen an ein hauptamtlich geführtes Rathaus gestellt werden.
Ein hauptamtlicher Bürgermeister wird stärker daran gemessen werden, ob es gelingt, Investitionen voranzubringen, Fördermittel einzuwerben, Unternehmen und Tourismusbetriebe zu unterstützen und die Gemeindefinanzen langfristig zu stabilisieren.
Großprojekt Naturpark-Grundschule
Eine der größten Aufgaben der kommenden Jahre ist der Ersatzneubau der Naturpark-Grundschule „Zittauer Gebirge“.
Am 1. April 2026 wurde in Jonsdorf der Baufortschritt mit einem symbolischen Spatenstich beziehungsweise einer Grundsteinlegung gefeiert. Das Projekt bezeichnete die Gemeinde selbst als Großprojekt.
Bereits in früheren Beschlüssen wurde für das Schulprojekt ein Wertumfang von rund 10 Millionen Euro genannt. Gleichzeitig bat Jonsdorf die Nachbargemeinde Oybin um eine Beteiligung an Bau- und Finanzierungskosten.
Das zeigt die Dimension des Projektes für eine kleine Gemeinde.
Der nächste Bürgermeister wird deshalb nicht nur ein fertiges Schulgebäude eröffnen wollen. Er oder sie muss vor allem darauf achten, dass Baukosten, Fördermittel, Folgekosten und die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden beherrschbar bleiben.
Jonsdorfs Finanzen bleiben ein zentrales Thema
Dass die Haushaltslage angespannt ist, lässt sich auch an kleineren Entscheidungen erkennen.
Im März 2026 erklärte die Bürgermeisterin im Gemeindeblatt, dass aus finanziellen Gründen keine Kehrmaschine bestellt werden konnte und die Einwohner deshalb um Hilfe beim Frühjahrsputz gebeten wurden.
Der Gemeinderat hat außerdem im Rahmen der Haushaltskonsolidierung eine Umstrukturierung des kommunalen Bauhofes beschlossen. Standorte sollen konzentriert und entbehrliche Grundstücke beziehungsweise Gebäude geprüft und gegebenenfalls verkauft werden.
Solche Entscheidungen zeigen, dass die kommenden Jahre wahrscheinlich von einer schwierigen Balance geprägt sein werden:
Jonsdorf muss investieren, darf sich dabei aber finanziell nicht übernehmen.
Was wird aus Eishalle, Gebirgsbad und touristischer Infrastruktur?
Für Jonsdorf sind Freizeiteinrichtungen nicht nur ein zusätzlicher Luxus. Sie gehören zum touristischen Profil des Ortes.
Die Gemeinde bittet regelmäßig um Unterstützung für Bereiche wie Gebirgsbad, Loipen, Kurpark, Eishalle, Veranstaltungen, Kinderangebote und Tourismus.
Besonders die Zukunft der Jonsdorfer Eishalle hat die Region über Jahre beschäftigt. Ende 2025 berichtete der MDR über Pläne für eine Wiedereröffnung beziehungsweise Weiterführung unter neuen Pächtern aus dem tschechischen Eishockey-Umfeld.
Damit stellt sich für die nächste Gemeindeführung eine grundsätzliche Frage:
Wie viele touristische und öffentliche Einrichtungen kann und muss sich ein Kurort wie Jonsdorf leisten?
Zu starkes Sparen könnte das touristische Angebot schwächen. Gleichzeitig können dauerhaft defizitäre Einrichtungen einen kleinen Gemeindehaushalt erheblich belasten.
Tourismus ist die Lebensader des Kurortes
Jonsdorf lebt von seiner Lage im Zittauer Gebirge, von Wanderern, Familien, Tagesgästen und Urlaubern.
Daraus ergibt sich für die künftige Gemeindeführung ein schwieriger Auftrag: Der Ort muss touristisch attraktiv bleiben, ohne seinen Charakter zu verlieren.
Dazu gehören gepflegte Wege, Parkanlagen, Veranstaltungen, Beherbergungsangebote, Gastronomie und eine funktionierende Zusammenarbeit mit den Nachbarorten.
Auch Themen wie Gästetaxe und touristische Finanzierung werden den Gemeinderat weiter beschäftigen. Der Gemeinderat hat sich 2025 mit Änderungen an der Gästetaxesatzung beschäftigt.
Für die kommende Amtsperiode dürfte deshalb entscheidend sein, ob Jonsdorf stärker gemeinsam mit Oybin, Olbersdorf, Großschönau und Zittau vermarktet wird.
Die nächste Generation im Blick
Jonsdorf hat in den vergangenen Jahren immer wieder das Ziel betont, familienfreundlicher zu werden. Bürgermeisterin Kati Wenzel wurde 2022 in einem kommunalpolitischen Beitrag auch für die Einbindung von Kindern und Familien vorgestellt.
Der Schulneubau ist dabei wahrscheinlich das sichtbarste Projekt.
Doch Familienfreundlichkeit besteht nicht allein aus einem Schulgebäude.
Dazu gehören auch:
bezahlbarer Wohnraum, gute Betreuung, sichere Wege, Freizeitangebote, Vereinsleben und eine funktionierende Verkehrsanbindung.
Der künftige Bürgermeister wird sich daher auch daran messen lassen müssen, ob Jonsdorf für junge Familien attraktiv bleiben kann.
Der demografische Wandel wird nicht verschwinden
Kleine Gemeinden im ländlichen Raum stehen vor einer grundsätzlichen Herausforderung: Viele Aufgaben bleiben bestehen, auch wenn die Einwohnerzahl langfristig unter Druck gerät.
Straßen müssen unterhalten werden. Schulen, Feuerwehr, Bauhof und Verwaltung verursachen Kosten. Gleichzeitig wird es schwieriger, Fachkräfte und Ehrenamtliche zu gewinnen.
Für Jonsdorf ist deshalb eine enge Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden besonders wichtig.
Schon heute arbeitet der Ort in einer Verwaltungsgemeinschaft mit Olbersdorf zusammen. Auch beim Schulprojekt gibt es Verbindungen zu Oybin.
Die Bürgermeisterwahl wird daher auch darüber entscheiden, wie Jonsdorf künftig mit seinen Nachbarn zusammenarbeitet.
Welche Fragen sollten die Kandidaten beantworten?
Sobald die zugelassenen Bewerber offiziell feststehen, sollten sie sich aus Sicht unserer Redaktion konkreten Fragen stellen.
Zum Beispiel:
Wie soll der Gemeindehaushalt stabilisiert werden?
Wie werden Mehrkosten beim Schulneubau verhindert?
Welche Zukunft haben Eishalle und Gebirgsbad?
Wie soll Jonsdorf mehr Übernachtungsgäste gewinnen?
Welche Zusammenarbeit ist mit Oybin, Olbersdorf, Zittau und Großschönau geplant?
Wie soll Wohnraum für junge Familien entstehen?
Welche Projekte haben in den kommenden sieben Jahren Vorrang?
Eine Bürgermeisterwahl sollte nicht allein über Sympathie entschieden werden.
Gerade bei einer kleinen Gemeinde können einzelne finanzielle Entscheidungen über Jahre hinweg große Auswirkungen haben.
Noch ist die Bewerberlage abzuwarten
Zum jetzigen Zeitpunkt sollte man mit Namen und Spekulationen vorsichtig umgehen.
Die Gemeinde hat den Wahltermin und das Verfahren offiziell bekannt gemacht. Am 7. Juli 2026 steht eine Sitzung des Gemeindewahlausschusses an. Danach dürfte die Bewerberlage klarer werden.
Die Zittauer Zeitung wird die Wahl deshalb weiter begleiten.
Geplant sind aus unserer Sicht:
Porträts der zugelassenen Kandidaten, ein Vergleich der Programme sowie konkrete Fragen zu Schule, Finanzen, Tourismus und kommunalen Einrichtungen.
Fazit
Die Bürgermeisterwahl in Jonsdorf wird eine Richtungsentscheidung.
Der Kurort besitzt große Stärken: seine Lage im Zittauer Gebirge, eine bekannte touristische Tradition, engagierte Vereine und wichtige Einrichtungen.
Gleichzeitig stehen große Aufgaben bevor.
Der Schulneubau allein hat eine Dimension, die für eine kleine Gemeinde außergewöhnlich ist. Dazu kommen Haushaltskonsolidierung, touristische Infrastruktur, Eishalle, Gebirgsbad und die langfristige Entwicklung des Ortes.
Am 6. September geht es deshalb um mehr als einen Namen auf dem Stimmzettel.
Es geht um die Frage, welchen Weg Jonsdorf in den kommenden Jahren einschlägt.
Kommentar: Jetzt braucht Jonsdorf klare Antworten
Bürgermeisterwahlen in kleinen Gemeinden werden oft sehr persönlich geführt.
Man kennt sich. Man begegnet sich im Ort. Man beurteilt Menschen aus eigener Erfahrung.
Das ist verständlich. Aber Jonsdorf steht vor Aufgaben, die eine nüchterne Debatte verlangen.
Ein Schulprojekt mit einer Größenordnung von rund zehn Millionen Euro, eine angespannte Haushaltslage und mehrere wichtige touristische Einrichtungen verlangen klare Konzepte.
Wer Bürgermeister werden möchte, sollte deshalb nicht nur erklären, was er erhalten will.
Er sollte auch erklären, wie es bezahlt werden soll.
Genau diese Debatte verdient Jonsdorf vor der Wahl.


