Ostritz/Landkreis Görlitz. Sie sehen harmlos aus, liegen auf Feldern, Kompostplätzen oder zwischen Bioabfällen – doch für Weißstörche können weggeworfene Gummibänder zur tödlichen Falle werden. Im Landkreis Görlitz wurden mehrere verendete Jungstörche gemeldet. Bei der Untersuchung eines Jungstorchs aus Ostritz fand das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz eine große Zahl von Gummiringen im Magen des Tieres. Bereits 2023 war bei einem toten Storch in der Region ein ähnlicher Fund gemacht worden.
Der Fall zeigt ein Problem, das auf den ersten Blick kaum jemand vermuten würde: Störche können Gummibänder offenbar mit Würmern oder anderem Futter verwechseln. Die unverdaulichen Fremdkörper gelangen anschließend in den Verdauungstrakt. Besonders für Jungvögel kann das schwerwiegende Folgen haben.
Warum fressen Störche überhaupt Gummibänder?
Weißstörche suchen ihre Nahrung normalerweise auf Wiesen, Äckern und anderen offenen Flächen. Dabei nehmen sie unter anderem Insekten, Regenwürmer und andere kleine Tiere auf.
Das Problem: Dünne, längliche Gummiringe können für die Tiere offenbar wie natürliche Nahrung aussehen. Werden solche Bänder aufgenommen, können sie im Magen verbleiben und sich dort ansammeln. Fachleute und Naturschutzorganisationen dokumentieren solche Fälle inzwischen aus verschiedenen Regionen Deutschlands.
Noch dramatischer wird die Situation bei Jungstörchen. Die Elterntiere bringen Nahrung zum Horst und verfüttern sie an den Nachwuchs. So können Fremdkörper direkt bei jungen Tieren landen, die besonders empfindlich auf eine Belastung des Verdauungssystems reagieren.
Jungstorch aus Ostritz untersucht
Nach Angaben des Landkreises Görlitz wurden der Unteren Naturschutzbehörde mehrere tote Jungstörche gemeldet. Ein Tier aus Ostritz wurde anschließend im Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz untersucht.
Das Ergebnis war alarmierend: Im Magen des Jungstorchs befand sich eine große Anzahl von Gummiringen. Der Landkreis verweist zudem darauf, dass bereits 2023 bei einem toten Storch ein ähnliches Problem festgestellt worden war.
Damit handelt es sich offenbar nicht um einen völlig isolierten Einzelfall.
Ein voller Magen – aber keine Nahrung
Das besonders Gefährliche an verschluckten Gummibändern: Sie liefern dem Tier keinerlei Nahrung, können aber den Verdauungstrakt belasten und den Magen mit unverdaulichem Material füllen.
Bei Jungstörchen kann ein stark gefüllter und verhärteter Magen sogar absinken und die Bewegungs- beziehungsweise Flugfähigkeit beeinträchtigen.
Auch Plastikmüll stellt für Störche eine Gefahr dar. Fremdkörper können den Magen blockieren, Verletzungen oder Entzündungen verursachen. Kunststoffteile oder Bänder können sich außerdem um Körperteile wickeln und zu weiteren Verletzungen führen.
Das Problem betrifft nicht nur die Oberlausitz
Ähnliche Fälle sind auch aus anderen Bundesländern bekannt. In Thüringen wurden 2025 nachweislich mehrere junge Weißstörche durch verschluckte Gummibänder getötet. Der NABU warnte dort ausdrücklich vor Gummibändern im Biomüll.
Auch Naturschutzorganisationen beschäftigen sich seit Jahren mit dem Thema. Der NABU Leipzig dokumentiert Fälle, bei denen Gummibänder als Ursache für den Tod von Störchen festgestellt wurden, und fordert, die Quellen solcher Umweltverschmutzung konsequenter zu beseitigen.
Bioabfall und Kompostplätze können zum Problem werden
Besonders problematisch können Orte sein, an denen organische Abfälle zusammen mit Gummiringen oder Kunststoffresten landen. Störche finden dort vermeintlich leicht zugängliche Nahrung.
Berichte aus anderen Regionen zeigen, dass Vögel an solchen Futterplätzen neben organischem Material auch unverdauliche Fremdkörper aufnehmen können.
Schon ein kleines Gummiband, das achtlos entsorgt wird, kann deshalb Teil eines größeren Problems werden.
Was jeder Einzelne tun kann
Die wichtigste Regel ist einfach: Gummibänder gehören nicht in die Natur und sollten auch nicht zusammen mit Bioabfällen entsorgt werden, wenn die örtlichen Entsorgungsvorgaben dies ausschließen.
Vor allem Gummiringe aus Haushalten, Gärtnereien oder Verpackungen sollten so entsorgt werden, dass sie nicht auf Felder, Kompostflächen oder andere für Wildtiere erreichbare Orte gelangen.
Denn die Fälle aus Ostritz zeigen, dass scheinbar unbedeutender Abfall für Tiere dramatische Folgen haben kann.
Ein vermeidbares Sterben
Der Weißstorch gilt als Symbol für Glück und ist gerade in der Oberlausitz für viele Menschen ein vertrauter Anblick. Umso bedrückender ist es, wenn Jungtiere nicht durch natürliche Ursachen, sondern durch achtlos weggeworfenen Müll sterben.
Der Fall aus Ostritz sollte deshalb als Warnsignal verstanden werden. Nicht jeder Müll in der Landschaft ist sofort sichtbar gefährlich. Ein kleiner Gummiring kann für einen Menschen bedeutungslos erscheinen – für einen Jungstorch kann er im schlimmsten Fall tödlich sein.
Kommentar
Man kann über große Umweltprogramme, Millionenbudgets und komplizierte Schutzkonzepte diskutieren. Manchmal beginnt Naturschutz aber bei etwas sehr Einfachem: Müll gehört nicht in die Landschaft.
Dass ein Jungstorch mit einem Magen voller Gummiringe verendet, ist eine traurige Erinnerung daran, welche Folgen Nachlässigkeit haben kann. Gerade weil das Problem vermeidbar wäre, ist jeder Einzelne gefragt.
Ein Gummiband ist in wenigen Sekunden richtig entsorgt. Für einen Storch kann genau das den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten.


