DAS NEUSTE

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đŸ§± Streit um Abgrenzung: Gastbeitrag attackiert „Brandmauer“ und politische Selbstgerechtigkeit

📰 Einleitung Ein scharf formulierter Gastbeitrag in der Berliner Zeitung befeuert die Debatte ĂŒber den politischen Umgang mit der AfD und die verfassungsrechtlichen Grenzen parteipolitischer Ausgrenzungsstrategien. Verfasser ist Peter-Michael Diestel, letzter Innenminister der DDR und heute Rechtsanwalt. Er erklĂ€rt die vielbeschworene Brandmauer gegen die AfD fĂŒr verfassungswidrig und rechnet mit Teilen der politischen Elite ab. Der Beitrag erschien am 15. April 2025 und wurde am 22. Dezember 2025 aktualisiert.

đŸ§± Begriff Brandmauer und politische Kulisse Der Begriff Brandmauer steht in Deutschland fĂŒr die Selbstverpflichtung, jede Zusammenarbeit mit der AfD auszuschließen – auch dann, wenn AntrĂ€ge ohne inhaltliche Absprachen, aber mit Stimmen der AfD Mehrheiten fĂ€nden. Zu Jahresbeginn 2025 verschĂ€rfte sich die Debatte, als der CDU-Vorsitzende AntrĂ€ge zur Asylpolitik ankĂŒndigte, die unabhĂ€ngig davon, wer ihnen zustimmt, eingebracht werden sollten; der Bundeskanzler warnte öffentlich davor, Mehrheiten mithilfe der AfD zu organisieren. Diese Auseinandersetzung bildet die politisch aufgeladene Kulisse fĂŒr Diestels PlĂ€doyer gegen die Brandmauer.

⚖ Diestels Kernthesen Diestel begrĂŒndet seine Intervention ausdrĂŒcklich mit seiner juristischen und politischen Erfahrung. Im Kern wendet er sich gegen eine Moralisierung des Parlamentarismus, die Sachentscheidungen der Frage unterordnet, von wem sie unterstĂŒtzt werden. Er kritisiert – teils polemisch – eine politische Kultur, die aus seiner Sicht eher das eigene Milieu absichert als den offenen Streit um die besten Lösungen. Auch die Außenpolitik nimmt er ins Visier: Der Autor bescheinigt der frĂŒheren Außenministerin fehlende fachliche und rhetorische Eignung und meint, Deutschland sei dadurch international blamiert worden. Das zugespitzte Vokabular dient seiner These, wonach Lagerdenken auf Kosten demokratischer Aushandlung tritt.

📜 Verfassungsrechtlicher Rahmen Parteien wirken an der politischen Willensbildung mit; das Grundgesetz verpflichtet sie jedoch nicht zu Kooperationen. Eine bewusste Nichtkooperation ist als politische Strategie grundsĂ€tzlich zulĂ€ssig. Problematisch werde eine Brandmauer erst, wenn sie zu einer strukturellen Entwertung parlamentarischer Rechte oder zu einer faktischen Ausgrenzung gewĂ€hlter Abgeordneter jenseits der GeschĂ€ftsordnungen fĂŒhre. Diestel legt nahe, dass die Praxis der Abschottung in diese Richtung tendiert und damit die offene, am Argument orientierte Demokratie beschĂ€digt.

🔎 Kernpunkte Die verfassungsrechtliche Lage lĂ€sst sich an folgenden Punkten zuspitzen:

  • Parteien wirken an der politischen Willensbildung mit; eine Kooperationspflicht besteht nicht.
  • Nichtkooperation ist als politische Strategie grundsĂ€tzlich zulĂ€ssig.
  • Problematisch wĂ€re eine Brandmauer, wenn sie parlamentarische Rechte strukturell entwertet oder gewĂ€hlte Abgeordnete faktisch jenseits der GeschĂ€ftsordnungen ausgrenzt.
  • Diestel sieht in der Praxis der Abschottung eine Tendenz in diese Richtung.

đŸ›ïž Verfahren und Praxis Sein Beitrag fordert eine RĂŒckbesinnung auf Verfahren, in denen Inhalte und Mehrheiten im Plenum zĂ€hlen, nicht Herkunftsstempel. Die zeitgleich gefĂŒhrte Auseinandersetzung zwischen Regierung und Opposition ĂŒber AfD-Stimmen im Bundestag zeigt, wie nah Theorie und Praxis beieinanderliegen.

🎯 Einordnung und Fazit Der Gastbeitrag stellt die Brandmauer nicht nur politisch, sondern auch normativ zur Diskussion. Diestel attackiert ein Klima der moralischen Selbstvergewisserung und mahnt zur RĂŒckkehr zu nĂŒchterner Sachpolitik. Aus konservativer Sicht gilt: Demokratische Institutionen gewinnen nicht durch symbolische TrennwĂ€nde, sondern durch klare Inhalte, belastbare Verfahren und die Bereitschaft, Mehrheiten im Rahmen der Ordnung zu suchen – ohne GesinnungsprĂŒfungen, aber mit unmissverstĂ€ndlicher Abgrenzung gegenĂŒber verfassungsfeindlichen Positionen. Die jĂŒngsten Auseinandersetzungen im Bund verdeutlichen, wie sensibel die Balance zwischen politischer Hygiene und parlamentarischer FunktionsfĂ€higkeit ist. Der Beitrag liefert zugespitzt und streitbar einen Anlass zur SelbstprĂŒfung des politischen Betriebs.

đŸ—šïž Kommentar der Redaktion Die Redaktion sieht in Diestels Intervention eine notwendige Erinnerung an den Primat der Verfahren. Symbolische Brandmauern erzeugen Moralsiege, schwĂ€chen aber das Parlament, wenn legitime Sachentscheidungen nach Herkunftsstempeln sortiert werden. Wer Mehrheiten per se delegitimiert, nur weil unerwĂŒnschte Abgeordnete zustimmen könnten, verlĂ€sst den Boden nĂŒchterner Institutionenpflege. Maßstab mĂŒssen Verfassung, GeschĂ€ftsordnungen und Inhalt sein, nicht Milieuapplaus. Eine wehrhafte Demokratie braucht klare Grenzen gegenĂŒber verfassungsfeindlichen Positionen, aber keine GesinnungsprĂŒfungen fĂŒr Abstimmungen.

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