⚓ Fund im Greifswalder Bodden Ein internationales Taucherteam hat am Eingang des Greifswalder Boddens die Überreste von zwei schwedischen Kriegsschiffen entdeckt, die im Jahr 1714 vom Ostsee-Eis zerdrückt wurden. Die Wrackteile liegen über rund 200 Meter verteilt und sind bemerkenswert gut erhalten – bis hin zu Masten, Rudern und Segelresten. Nach Angaben des NDR konnten die Besatzungen die Schiffe rechtzeitig verlassen. Die Funde wurden am 22. Juni 2026 öffentlich gemacht.
🕰️ Schauplatz des Großen Nordischen Krieges Der Küstenabschnitt zwischen Greifswalder Oie, Ruden und dem Strelasund war im Großen Nordischen Krieg Schauplatz intensiver Seekriegsoperationen. Um dänische Verbände vom Vorstoß nach Stralsund abzuhalten, versenkten die Schweden 1712 gezielt Handelsschiffe als Sperre in der seichten Zufahrt zum Bodden. Diese Taktik prägte die Seewege der Region und liefert heutigen Archäologen Orientierungspunkte für systematische Prospektionen.
🤿 Zufallsfund bei Kontrolltauchgängen Die aktuellen Einsätze unter Wasser galten ursprünglich der Kontrolle eines Dutzends jener 1712 absichtlich versenkten Handelsschiffe. Bei diesen Untersuchungen stießen die Fachleute eher zufällig auf die beiden Kriegsschiffe von 1714.
🏛️ Beteiligte Institutionen Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern begleitete die Arbeiten vor Ort. Federführend in dem mehrjährigen Forschungsverbund ist das Stockholmer Wrackmuseum Vrak.
🛡️ Erhaltung unter Wasser Die Funde sollen vor Ort verbleiben, eine In-situ-Erhaltung ist vorgesehen. Gefährdete Bereiche werden mit Sandsäcken gegen Strömungseinträge gesichert, um die vorhandene Substanz möglichst ungestört zu bewahren.
🐛 Biologische Bedrohung Als zusätzliches Risiko nennen die Beteiligten den in die südliche Ostsee vordringenden Schiffsbohrwurm, der freiliegendes Holz rasch zerstört. Diese Entwicklung könnte den Erhaltungszustand künftiger Unterwasserfunde beeinträchtigen und konservatorische Maßnahmen beschleunigen.
🌊 Historische Einordnung und Bedeutung Der Fund erweitert das Bild der schwedischen Marinegeschichte in der südlichen Ostsee und unterstreicht die Bedeutung des Greifswalder Boddens als maritimes Archiv. Er fügt sich in das durch die 1712 versenkten Handelsschiffe geprägte historische Umfeld ein und stärkt die Grundlage für weitere systematische Untersuchungen.
📏 Vorgehen mit Augenmaß Der Verzicht auf Bergungen zugunsten der In-situ-Sicherung, kombiniert mit punktuellen Schutzmaßnahmen, folgt dem Grundsatz, historische Substanz langfristig zu bewahren und wissenschaftlich auszuwerten. Angesichts biologischer und hydrodynamischer Risiken ist es richtig, mit Maß zu handeln – faktenbasiert, ohne Hast und in enger Kooperation der beteiligten Institutionen.
🧭 Konservatorische Prioritäten Die Beteiligten setzen auf klare, überprüfbare Schritte zur Sicherung der Funde.
- In-situ-Erhaltung der Wracks.
- Absicherung gefährdeter Partien mit Sandsäcken gegen Strömungseinträge.
- Beobachtung der Lage im Hinblick auf den Schiffsbohrwurm und bedarfsgerechte Beschleunigung konservatorischer Maßnahmen.
🗨️ Kommentar der Redaktion Dieser Fund ist bedeutsam, doch seine Wirkung entfaltet er nur, wenn er mit kühlem Kopf geschützt und ausgewertet wird. Wer jetzt schnelle Bergungen fordert, setzt wertvolle Originalsubstanz unnötig aufs Spiel. Vorrang hat der dauerhafte Erhalt vor Schaulust und Aktionismus. Die nüchterne, denkmalpflegerisch geleitete Linie ist richtig und verdient klare Rückendeckung. Kooperation und Maß statt Hektik – so bleibt das maritime Gedächtnis des Greifswalder Boddens intakt.
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