📰 Unruhe im Gerichtssaal Im Verfahren gegen die frühere RAF-Terroristin Daniela Klette ist es am Dienstag, 12. Mai 2026, im provisorischen Saal des Landgerichts Verden zu unruhigen Szenen gekommen. Während die 67-Jährige eine mehr als einstündige eigene Verteidigungsrede hielt, reagierten Unterstützer mit Beifall und Jubel – der Gerichtssaal wurde zur Bühne. Zuvor hatte ein Opferanwalt der Nebenklage sein Plädoyer begonnen.
📜 Hintergrund des Verfahrens Klette steht in Niedersachsen seit März 2025 wegen schwerer Raubüberfälle und Verstößen gegen Waffengesetze vor Gericht. Der Prozess richtet sich gegen mutmaßliche Taten, die über viele Jahre hinweg verübt worden sein sollen.
📁 Anklage und Strafmaß Laut Anklage soll Klette zusammen mit Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub zwischen 1999 und 2016 maskiert und teils schwer bewaffnet Geldtransporter und Supermärkte überfallen haben – mutmaßlich zur Finanzierung des Lebens im Untergrund. Nach einer Bereinigung der Anklage geht es nun um acht Überfälle mit insgesamt mehr als zwei Millionen Euro. Die Staatsanwaltschaft fordert 15 Jahre Haft.
🔎 Kernaussagen der Anklage Die zentralen Punkte im Überblick:
- Tatzeitraum: 1999 bis 2016
- Zielobjekte: Geldtransporter und Supermärkte
- Vorgehen: maskiert und teils schwer bewaffnet
- Bereinigte Anklage: acht Überfälle mit insgesamt mehr als zwei Millionen Euro Beute
- Geforderte Strafe: 15 Jahre Haft
⚖️ Nebenklage schildert Opferperspektive Am Verhandlungstag zeichnete die Nebenklage das Leid der Betroffenen nach. Ein Opferanwalt, der den Fahrer eines am 6. Juni 2015 in Stuhr angegriffenen Geldtransporters vertritt, berichtete von Schüssen auf das Fahrzeug und forderte für diese Tat elf Jahre Haft wegen versuchten schweren Raubes – ohne die Wertung als versuchten Mord und damit im Tenor nahe an der Linie des Gerichts.
🎤 Klettes Schlusswort als politische Generalabrechnung Anschließend nutzte Klette ihr Schlusswort für einen politischen Rundumschlag. Sie sprach von der „Notwendigkeit“ ihres früheren Lebens im Untergrund, kritisierte den Kapitalismus und forderte einen „Systemwechsel“ sowie die Abschaffung von Gefängnissen. Direkte Tatbeteiligungen räumte sie nicht ein; zugleich äußerte sie Bedauern über anhaltende Belastungen einzelner Opfer.
👏 Reaktionen im Saal Die Unterstützer der Angeklagten quittierten die Rede mit Beifall und Jubel. Die ungewöhnliche Atmosphäre ließ den Gerichtssaal zur Bühne werden und überlagerte zeitweise die juristische Sacharbeit.
📅 Wie es weitergeht Die Verhandlung soll am Mittwoch mit den Schlussausführungen der Verteidigung fortgesetzt werden. Danach liegt der Fokus erneut auf der rechtlichen Würdigung der Beweislage.
🧠 Einordnung Der Auftritt der Angeklagten und der demonstrative Applaus ihrer Unterstützer mögen Aufmerksamkeit erzeugen – entscheidend bleibt, dass das Gericht nüchtern die Beweislage bewertet. Die Perspektive der Opfer darf nicht hinter politischer Selbstinszenierung verschwinden. Der Rechtsstaat beweist Stärke, wenn er klare Verfahren, Maß und Mitte wahrt – auch dann, wenn der Gerichtssaal zum Resonanzraum wird.
🗨️ Kommentar der Redaktion Politische Tiraden im Gerichtssaal ersetzen keine Beweise und verdienen keinen Applaus. Wer nach Jahren im Untergrund die Abschaffung von Gefängnissen fordert, stellt sich gegen die Grundpfeiler des Rechtsstaats. Maßstab in diesem Verfahren sind allein die Aktenlage und die Tatsachen, nicht Ideologie und Pathos. Die Opfer haben Anspruch auf Gerechtigkeit, nicht auf eine Bühne für Systemdebatten. Ein klares, konsequentes Urteil auf Basis der Beweise ist jetzt das Gebot der Stunde.
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