📰 Einleitung Eine neue Auswertung von Langzeitdaten zeigt einen klaren Zusammenhang: Gelingt es Menschen mit Prädiabetes, ihren Blutzucker in den Normalbereich zurückzuführen, sinkt ihr Risiko für tödliche Herzerkrankungen und schwere kardiale Ereignisse deutlich. Forschende der TU Dresden und des King’s College London berichten von Risikoreduktionen um mehr als 50 Prozent – ein möglicher Wendepunkt in der Prävention.
📌 Hintergrund Prädiabetes bezeichnet dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte unterhalb der Diabetes-Schwelle. In Deutschland ist Schätzungen zufolge rund jeder fünfte Erwachsene betroffen, weltweit mehr als eine Milliarde Menschen. Empfehlungen zielten bislang vor allem auf Gewichtsreduktion und mehr Bewegung. Die neuen Befunde stellen diese Praxis nicht grundsätzlich infrage, verschieben aber den Fokus: Entscheidend ist nicht der Vorsatz, sondern der nachweisliche Rückgang in den Normbereich.
🔬 Studienbasis Die Ergebnisse stammen aus einer in The Lancet Diabetes & Endocrinology publizierten Reanalyse zweier internationaler Präventionsstudien mit jahrzehntelanger Nachbeobachtung: der US-amerikanischen Diabetes Prevention Program Outcomes Study und der chinesischen Da-Qing-Studie.
📉 Ergebnisse Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die eine Remission des Prädiabetes erreichten, hatten ein um 58 Prozent geringeres Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben oder wegen Herzinsuffizienz stationär behandelt zu werden. Das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere schwere Ereignisse war um 42 Prozent niedriger. Diese Schutzwirkung hielt über Jahrzehnte an und zeigte sich in beiden Datensätzen vergleichbar.
🎯 Therapieziel Die Autorinnen und Autoren sehen in der Remission des Prädiabetes ein messbares Therapieziel und ordnen sie als vierte Säule der Primärprävention ein – neben Blutdrucksenkung, Cholesterinkontrolle und Rauchstopp.
- Blutdrucksenkung
- Cholesterinkontrolle
- Rauchstopp
- Remission des Prädiabetes (Normalisierung des Blutzuckers)
⚖️ Einordnung Reine Lebensstilprogramme gelten als sinnvoll, doch ihre isolierte Wirkung auf Herzinfarkte und Sterblichkeit bei Prädiabetes ist nicht belegt. Relevant ist die tatsächliche Normalisierung des Glukosespiegels – je nach Risiko- und Krankheitsprofil können dazu ergänzende medizinische Maßnahmen erforderlich sein.
🏥 Konsequenzen für Praxis und Politik Für Gesundheitspolitik, Leitlinien und Versorgungspraxis liegt die Konsequenz nahe: Prädiabetes sollte nicht nur beobachtet, sondern zielgerichtet behandelt werden – mit dem klaren Endpunkt normaler Blutzucker. Therapeutische Entscheidungen gehören in die ärztliche Abwägung, und klassische Risikofaktoren müssen weiterhin konsequent adressiert werden.
✅ Fazit Die Evidenz weist in eine Richtung: Wer den Blutzucker früh stabilisiert, schützt sein Herz langfristig.
🗨️ Kommentar der Redaktion Die vorgestellten Befunde markieren einen nüchternen, aber bedeutenden Kurswechsel: Prädiabetes ist kein Randthema, sondern verlangt eine klare therapeutische Zielsetzung. Entscheidend ist messbare Normoglykämie, nicht wohlmeinende Programmatik ohne harten Endpunkt. Leitlinien sollten dies zügig abbilden, ohne die ärztliche Einzelfallprüfung zu unterlaufen. Reine Appelle an den Lebensstil reichen nicht aus, wenn der Blutzucker nicht tatsächlich normalisiert wird. Wer an der bloßen Beobachtung festhält, nimmt unnötige kardiovaskuläre Schäden in Kauf.


