📉 Professor Sönke Neitzel kritisiert strukturelle Defizite – „Frustration wächst massiv“
Berlin/Potsdam – Die Bundeswehr steht vor einer strukturellen Zerreißprobe. Laut Militärhistoriker Prof. Sönke Neitzel sei mehr als die Hälfte der Soldaten im Ernstfall nicht einsetzbar. Der Grund: zu viel Bürokratie, zu wenig Frontnähe, fehlender Reformwille in der Politik.
🏢 Zu viel Bürokratie, zu wenig Einsatzbereitschaft
Neitzel nennt konkrete Zahlen: Über 50 % der Soldaten sind nicht im Kern der Auftragserfüllung eingesetzt, sondern in Ministerien, Stäben oder Ämtern. Viele davon seien körperlich oder fachlich nicht mehr einsatzfähig – zu lange außerhalb der Truppe, zu alt oder nicht fit genug.
„Keine Organisation, in der über 50 Prozent nicht an der Frontlinie arbeiten, kann effektiv sein“, so Neitzel.
🧓 Überbesetzt im oberen Bereich – Personalstruktur aus dem Ruder
Kritik übt der Experte auch an der Hierarchiestruktur:
- 22 % Offiziere – doppelt so viele wie im Kalten Krieg
- Gleich viele Oberstleutnante wie Hauptgefreite
- Keine Bereitschaft im Verteidigungsministerium, diese Schieflage zu korrigieren
Neitzels Lösung: Drastische Personalreform.
„30.000 Offiziere und Unteroffiziere müssten frühpensioniert werden – oben kürzen, unten aufbauen.“
📊 NATO-Ziele nicht erreichbar – Frust statt Fortschritt
Während die NATO 50.000 bis 60.000 zusätzliche aktive Soldaten von Deutschland fordert, dümpelt die Zahl bei knapp 181.000 Soldaten – weit entfernt vom selbstgesteckten Ziel von 203.000. Weder Werbekampagnen noch Social Media konnten den Negativtrend stoppen.
Verteidigungsminister Pistorius hat „mehr bewegt als seine Vorgänger“, doch ohne klaren politischen Willen seien strukturelle Reformen nicht umsetzbar.


