📰 Beschluss für den Erhalt der Trasse Der Kreistag Görlitz hat einen vor sechs Jahren gefassten Beschluss zur Umwidmung der Herrnhuter Bahn in einen Radweg aufgehoben und damit den Weg für den Erhalt der Strecke freigemacht. Der Landrat soll die Deutsche Bahn informieren, damit das laufende Verfahren zum Gleisrückbau beendet wird. Zunächst sind touristische Sonderfahrten denkbar; für eine reguläre Wiederaufnahme des Linienbetriebs werden Investitionskosten von rund 50 Millionen Euro veranschlagt.
🏛️ Formaler Schritt gegenüber der Deutschen Bahn Mit der Beauftragung des Landrats, die Deutsche Bahn offiziell zu benachrichtigen, schafft der Kreis die Voraussetzung, das Planfeststellungsverfahren zum Rückbau zu stoppen. Erst auf dieser Grundlage kann die DB das laufende Verfahren einstellen.
📜 Historische Bedeutung der Herrnhuter Bahn Die 16 Kilometer lange Strecke zwischen Löbau und Zittau wurde 1848 eröffnet und zählt zu den historisch bedeutendsten Verbindungen in Sachsen; sie ist die drittälteste Bahnlinie des Freistaats. Der letzte Personenzug fuhr im Mai 1998, die Fahrzeit zwischen Zittau und Löbau lag damals bei etwa 40 Minuten. Mit dem aktuellen Beschluss wird die Strecke nicht „zum Radweg degradiert“, sondern als Verkehrsinfrastruktur gesichert.
🧭 Politische Kehrtwende und Initiativen Auslöser der Kehrtwende war ein Antrag der Fraktion Bündnis Grüne/KJiK/SPD. Der Kreistag kassierte die frühere Entscheidung und beauftragte den Landrat mit der offiziellen Benachrichtigung der Deutschen Bahn. Ein bürgerschaftliches Bündnis mit dem Namen „Pro Herrnhuter Bahn“ hatte sich über Jahre gemeinsam mit politischen Unterstützern für den Erhalt eingesetzt.
🚆 Schrittweise Reaktivierung in Aussicht Diskutiert wird eine graduelle Belebung der Strecke: zunächst Sonderfahrten; nach Ertüchtigung von Gleis und Anlagen perspektivisch auch Regelverkehr. Dieser Ansatz ermöglicht ein vorsichtiges Herantasten an einen möglichen Wiedereinstieg in den Betrieb.
💶 Finanzrahmen und wirtschaftliche Prüfung Eine betriebsfähige Wiederinbetriebnahme erfordert erhebliche Investitionen; für den regulären Linienbetrieb werden rund 50 Millionen Euro veranschlagt. Zugleich sind belastbare Nutzen-Nachweise notwendig, um Planung und Finanzierung tragfähig abzusichern.
📌 Signal für die regionale Mobilität Der Beschluss ist eine klare Absage an vorschnelle Rückbauten und schafft Handlungsspielraum für eine spätere Reaktivierung. Mit dem Stopp des Rückbaus wahrt der Landkreis die Option auf zukunftsfähige Mobilität in der Region. Nun sind sorgfältige Planung, transparente Finanzierung und eine nüchterne Kosten-Nutzen-Abwägung gefragt.
🗨️ Kommentar der Redaktion Gute Infrastruktur wird nicht dem Zeitgeist geopfert, sie wird erhalten und modernisiert. Der Kreistag hat richtig entschieden, den Rückbau zu stoppen und erst die Fakten zu prüfen. Wer öffentliche Mittel einsetzt, muss harte Prioritäten setzen und Projekte mit belastbarem Nutzen vorziehen. Eine Reaktivierung darf nur kommen, wenn Technik, Nachfrage und Finanzierung standhalten. Keine Symbolpolitik, sondern solide Planung und klare Verantwortlichkeit – das ist der Maßstab.


