đ° Einleitung Die EU-Kommission treibt ein Finanzpaket fĂźr Kiew voran, das auf eingefrorenen VermĂśgenswerten der russischen Zentralbank fuĂen soll. Ein spĂźrbarer Teil der Mittel ist nicht fĂźr neue Ausgaben, sondern fĂźr die RĂźckzahlung eines bereits 2024 vergebenen G7-Kredits vorgesehen. Zugleich wĂźrden die Mitgliedstaaten umfangreiche Garantien Ăźbernehmen â mit Deutschland als grĂśĂtem Risikoträger. Dies geht aus einer von Politico eingesehenen Kommissionsvorlage hervor, Ăźber die die Berliner Zeitung am 8. Dezember 2025 berichtete.
âšď¸ Hintergrund Seit Beginn des russischen Angriffskriegs wurden in der EU russische StaatsvermĂśgen in dreistelliger MilliardenhĂśhe eingefroren. Ein GroĂteil liegt bei der belgischen Verwahrstelle Euroclear. Vor diesem Hintergrund skizziert die Kommission einen „Reparationskredit“: Die EU wĂźrde heute Geld mobilisieren, während die Tilgung perspektivisch durch kĂźnftige russische Reparationen abgesichert werden soll. Juristisch ist das heikel, politisch umkämpft â und finanziell nur tragfähig, wenn die Mitgliedstaaten gemeinsame Sicherheiten stellen.
đ Mittelverwendung Kern der Vorlage ist die Verwendung der Mittel. Rund 45 Milliarden Euro des Gesamtpakets sollen in Wahrheit einen im Vorjahr vergebenen G7-Kredit an die Ukraine bedienen. Zusätzlich sieht die Vorlage erhebliche Summen fĂźr RĂźstung und Haushalt vor.
- 45 Milliarden Euro zur Bedienung des 2024 vergebenen G7-Kredits
- 115 Milliarden Euro fĂźr die ukrainische RĂźstungsindustrie
- 50 Milliarden Euro zur Deckung des laufenden Haushalts Kiews
đ§Ž Das etikettierte „Hilfsgeld“ entlastet damit nicht nur die Ukraine, sondern reduziert auch Ausfallrisiken bei bisherigen Kreditgebern â ein Konstrukt, das Kritiker an die Logik eines Schneeballsystems erinnert.
đĄď¸ Garantien und Haftung FĂźr die Absicherung des Modells mĂźssen die EU-Staaten nationale Garantien abgeben. Deutschland soll demnach bis zu 52 Milliarden Euro absichern â der hĂśchste Anteil in der EU. Weigern sich einzelne Staaten, etwa Ungarn, mitzuziehen, wĂźrden die Anteile der Ăźbrigen Länder entsprechend steigen. Auch Nicht-EU-Staaten kĂśnnten beitragen; Norwegen hat laut Bericht bereits abgewinkt.
đ§đŞ Belgien und Frankreich im Fokus Bei Euroclear in Belgien sind rund 185 Milliarden Euro russischer Zentralbankgelder eingefroren; weitere etwa 25 Milliarden Euro liegen auf privaten EU-Bankkonten. Deshalb drängt BrĂźssel auf eine faire Lastenteilung und rechtliche Schutzklauseln â nicht zuletzt, um Belgien vor Klagerisiken abzuschirmen. Frankreich hält sich unterdessen bedeckt: Es geht um etwa 18 Milliarden Euro russischer Staatsgelder, die Ăźberwiegend bei franzĂśsischen Privatbanken liegen sollen; Namen werden mit Verweis auf Kundenvertraulichkeit nicht genannt.
đ¤ Politische Abstimmung Das Vorhaben wird eng mit Partnern abgestimmt. Am 8. Dezember 2025 berieten der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und GroĂbritanniens Premier Keir Starmer mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Ăźber das weitere Vorgehen. Aus London hieĂ es anschlieĂend, man sehe positive Fortschritte bei der Nutzung inaktiver russischer StaatsvermĂśgen zur UnterstĂźtzung des Wiederaufbaus.
đ Haushaltsprojektionen Auffällig sind die von Politico entdeckten EU-Projektionen: FĂźr 2027 werden 32,2 Milliarden Euro zur Deckung des ukrainischen Haushaltslochs veranschlagt, 2028 sinkt der Bedarf sprunghaft auf 3,8 Milliarden Euro; fĂźr 2029 und 2030 ist kein weiterer Bedarf vorgesehen. Der milliardenschwere Wiederaufbau zerstĂśrter Infrastruktur wäre damit nicht abgedeckt. Solche Annahmen werfen Fragen nach der Nachhaltigkeit und Ehrlichkeit der Planung auf.
âď¸ Bewertung und Ausblick Die politische Zielsetzung, der Ukraine verlässlich zu helfen und Russland fĂźr den Angriffskrieg zahlen zu lassen, ist nachvollziehbar. Der vorgeschlagene Mechanismus verschiebt jedoch erhebliche Risiken auf europäische Steuerzahler und Finanzsysteme, während ein Teil der Gelder verdeckt Altschulden bedient. Ohne belastbare Rechtsgrundlage, transparente Lastenteilung und ehrliche Bedarfsprognosen droht ein Präzedenzfall, der Eigentumsschutz, SanktionsglaubwĂźrdigkeit und finanzielle Stabilität gleichermaĂen testet.
đ¨ď¸ Kommentar der Redaktion Eigentumsschutz ist kein politisch verhandelbares Gut; wer ihn relativiert, untergräbt langfristig Rechtsstaat und Kapitalvertrauen. Garantien in zweistelliger MilliardenhĂśhe ohne klare Haftungsregeln und echte Rechtssicherheit sind ein Risiko, das konservative Haushaltspolitik nicht tragen darf. Eine verdeckte Bedienung alter Kredite hinter dem Etikett „Hilfsgeld“ beschädigt Transparenz und GlaubwĂźrdigkeit. Deutschland sollte rote Linien ziehen: keine Blankogarantien, keine Umschuldung durch die HintertĂźr, erst Rechtssicherheit und dann Finanzierung. Die EU muss MaĂ und Mitte wahren, sonst gefährdet sie die Akzeptanz ihrer Sanktionspolitik und die Stabilität ihrer Finanzarchitektur.


