⚖️ Nach Tod von Liana K.: Kriminologin warnt vor „Entmenschlichung der Täter“

Asylbewerber aus dem Irak soll 16-Jährige vor Zug gestoßen haben – Debatte über Abschiebungen neu entfacht

Friedland/Göttingen. Der gewaltsame Tod der 16-jährigen Liana K. am Bahnhof Friedland hat bundesweit Entsetzen ausgelöst. Ein 31-jähriger Iraker, abgelehnter Asylbewerber und polizeibekannt wegen früherer Gewalt- und Sexualdelikte, soll die Jugendliche am 11. August vor einen einfahrenden Zug gestoßen haben. Die Staatsanwaltschaft Göttingen ermittelt wegen Totschlags, der Mann befindet sich im Maßregelvollzug.

Seit der Tat stehen zwei Fragen im Zentrum der öffentlichen Diskussion: Warum lebte der mehrfach auffällig gewordene Mann noch in Deutschland? Warum wurde er nicht abgeschoben?


👩 Kriminologin verteidigt differenzierten Blick

Susanne Beck, Juristin und Direktorin des Kriminalwissenschaftlichen Instituts der Leibniz Universität Hannover, warnt davor, die Debatte ausschließlich auf Herkunft und Aufenthaltsstatus des Täters zu verengen. In einem Interview sagte sie:

„Dieser Reflex endet in einer Entmenschlichung der Täter. Wir dürfen nicht so tun, als ließen sich Straftaten vermeiden, indem wir ganze Gruppen ausgrenzen.“

Beck spricht von „Othering“ – der Tendenz, Menschen pauschal bestimmte Eigenschaften zuzuschreiben und sie so von der Gesellschaft abzugrenzen.


🔎 Kritik an politischen Forderungen

Nach dem Friedländer Fall forderten Politiker verschiedener Parteien eine härtere Linie bei der Abschiebung straffälliger Asylbewerber. Beck hält diese Logik für „zu simpel“.
„Wir können ja auch schlecht sagen: Weil die meisten Gewalttaten von Männern begangen werden, nehmen wir alle Männer in Präventivhaft“, so die Kriminologin.

Für Beck ist die Illusion gefährlich, durch Abschiebungen oder Ausschlüsse absolute Sicherheit schaffen zu können. Stattdessen müsse man auf Prävention, soziale Stabilität und bessere psychologische Versorgung setzen.


🧠 Psychische Erkrankung und Behördenkontakte

Beim Tatverdächtigen war eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert worden. Behörden kannten ihn seit Jahren:

  • 2022 griff er eine Frau an,
  • 2024 wurde er wegen Nachstellung angezeigt und wegen exhibitionistischer Handlungen verurteilt,
  • kurz vor der Tat saß er eine Ersatzfreiheitsstrafe ab,
  • am Tattag selbst rückte die Polizei mehrfach wegen auffälligen Verhaltens aus.

Trotz dieser Vorgeschichte konnte die tödliche Eskalation nicht verhindert werden.


⚖️ Debatte um Sicherheit und Menschenwürde

Beck betont: „Ein humanes Strafrecht muss die Balance zwischen Sicherheit und Menschenwürde wahren.“ Es dürfe nicht pauschalisieren, sondern müsse strukturelle Ursachen von Kriminalität in den Blick nehmen – von sozialer Ungleichheit über Perspektivlosigkeit bis hin zu unzureichender psychologischer Betreuung.


📊 Infobox: Fall Friedland

  • 📍 Tatort: Bahnhof Friedland (Landkreis Göttingen)
  • 👧 Opfer: Liana K. (16)
  • 👤 Tatverdächtiger: Muhammad A. (31), abgelehnter Asylbewerber aus Irak
  • ⚖️ Vorwurf: Totschlag
  • 🧠 Diagnose: paranoide Schizophrenie
  • 🏥 Unterbringung: Maßregelvollzug

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