📰 Mehrheit befürwortet Rückkehr zur Wehrpflicht Eine belastbare Mehrheit in Deutschland unterstützt eine Wiedereinführung der Wehrpflicht. Laut aktueller Forsa Erhebung sprechen sich 54 Prozent dafür aus, 41 Prozent sind dagegen; besonders hoch ist die Zustimmung bei älteren Jahrgängen. Parallel treibt die Bundesregierung einen neuen, zunächst freiwilligen Wehrdienst voran. Das Kabinett hat den entsprechenden Rechtsrahmen beschlossen und an den Bundestag überwiesen. Gesellschaftliche Unterstützung und gesetzgeberische Vorbereitung fallen damit zeitlich zusammen.
🧭 Rechtlicher Rahmen und sicherheitspolitischer Kontext Die allgemeine Wehrpflicht wurde 2011 ausgesetzt, aber nicht abgeschafft. Sie bleibt rechtlich verankert und könnte mit einfacher Mehrheit reaktiviert werden, spätestens im Spannungs oder Verteidigungsfall. Zugleich fordert das neue NATO Ziel eine deutlich größere Personalstärke der Bundeswehr: mindestens 260.000 Soldatinnen und Soldaten in der aktiven Truppe sowie zusätzlich rund 200.000 Reservistinnen und Reservisten. Vor diesem Hintergrund arbeitet die Regierung an strukturellen Anpassungen, um Personal zu gewinnen und die Verfügbarkeit zu erhöhen.
🛡️ Neuer Wehrdienst setzt auf Freiwilligkeit und Wehrerfassung Der neue Wehrdienst setzt zunächst auf Freiwilligkeit und die Wiedereinführung der Wehrerfassung. Künftig sollen junge Männer verpflichtend Auskunft geben, junge Frauen können dies freiwillig tun. Ziel ist ein belastbarer Überblick über Fähigkeiten und Einsatzbereitschaft eines Jahrgangs, um schneller besetzen zu können.
📅 Schrittweiser Aufbau und Anreize Planerisch ist ein stufenweiser Aufbau vorgesehen. Zum Start sollen 15.000 zusätzliche Wehrdienstleistende gewonnen werden; ab 2027 ist eine verpflichtende Musterung vorgesehen. Zur Attraktivitätssteigerung ist ein deutlich höherer Sold geplant: Wehrdienstleistende sollen wie Zeitsoldaten vergütet werden und damit monatlich über 2.000 Euro netto erhalten.
- Wehrerfassung als Grundlage der Planung
- Verpflichtende Musterung ab 2027
- Anhebung des Soldes auf über 2.000 Euro netto
- Gewinnung von zunächst 15.000 zusätzlichen Wehrdienstleistenden
🏛️ Politische Bewertung und parlamentarischer Auftrag Der Kurs von Verteidigungsminister Boris Pistorius wird als Riesenschritt bewertet, weil er die Personalbasis verbreitern und die Truppe planbarer machen soll. Das Vorhaben ist Teil einer breiteren Agenda zur Stärkung der Streitkräfte, von verfahrensrechtlichen Anpassungen über Sicherheitsstrukturen bis zu Befugnissen der militärischen Sicherheitsorgane. Entscheidend bleibt, dass der Bundestag die Details nachschärft und die Umsetzung im Lichte der neuen Bedrohungslage robust ausgestaltet.
✅ Fazit Die wachsende Zustimmung in der Bevölkerung ist ein starkes Zeichen, ersetzt aber keine klaren, rechtssicheren und fairen Regeln. Wer Wehrhaftigkeit ernst meint, muss den neuen Wehrdienst realistisch dimensionieren, finanziell hinterlegen und organisatorisch verlässlich aufstellen. Mit Wehrerfassung, Musterung ab 2027 und besseren Anreizen liegt ein umsetzbarer Rahmen vor. Jetzt ist der Gesetzgeber gefordert, ihn zügig und verantwortungsvoll zu beschließen, damit die Bundeswehr wächst, die Reserve gestärkt wird und Landes und Bündnisverteidigung verlässlich gewährleistet bleiben.
🗨️ 🗨️ Kommentar der Redaktion Die Zahlen sind eindeutig und verlangen politische Konsequenz. Freiwilligkeit mag ein Einstieg sein, doch Wehrhaftigkeit entsteht erst durch verbindliche Verfahren und klare Pflichten. Die Wehrerfassung und die Musterung ab 2027 sind richtig, sie müssen ohne Schonung durchgesetzt werden. Der erhöhte Sold ist notwendig, aber er ersetzt nicht Disziplin, Pflichtbewusstsein und klare Auswahlmaßstäbe. Wer die Sicherheit Deutschlands schützen will, darf nicht zaudern, sondern den neuen Wehrdienst rasch, robust und rechtssicher in Kraft setzen.


