Hirschfelde soll wieder ein echtes Dorfzentrum bekommen: Bürgerideen werden zum Stadtprojekt

Hirschfelde. Ein historischer Ortskern, mehr Grün, bessere Aufenthaltsqualität und neue Möglichkeiten für Feste und Begegnungen: Für das Zentrum von Hirschfelde gibt es konkrete Zukunftspläne.

Der Zittauer Stadtrat hat das Projekt „Dorfzentrum mit Zukunft: Historisch bewahren – klimaresilient gestalten – gemeinschaftlich erleben“ beschlossen.

Die Entscheidung fiel am 25. Juni 2026 einstimmig.

Damit geht ein Prozess in die nächste Phase, bei dem die Einwohner von Hirschfelde ausdrücklich an der Entwicklung ihres Ortes beteiligt wurden.

Im Mittelpunkt steht eine große Frage:

Wie kann aus dem historischen Zentrum von Hirschfelde wieder ein Ort werden, an dem Menschen nicht nur vorbeifahren, sondern sich gerne aufhalten?

Bürger konnten ihre Ideen einbringen

Die Pläne entstanden nicht ausschließlich in einem Planungsbüro.

Ausgangspunkt war ein Bürgerbeteiligungsprozess.

Dabei konnten die Einwohner ihre Vorstellungen zur Zukunft des Ortes einbringen.

Im Mittelpunkt standen insbesondere zwei große Themen:

die Gestaltung und Aufwertung des Dorfzentrums beziehungsweise des Marktplatzes

und die zukünftige Nutzung der ehemaligen Schwimmhalle.

Dazu fanden Workshops und eine Online-Beteiligung statt.

Am 28. September 2025 wurde direkt auf dem Markt über die Entwicklung des Dorfzentrums diskutiert.

Am 21. Oktober folgte eine Veranstaltung zur möglichen Nachnutzung der ehemaligen Schwimmhalle.

Die Beiträge wurden anschließend gesammelt und ausgewertet.

Der Markt soll wieder Mittelpunkt des Ortes werden

Eine zentrale Idee des Beteiligungsprozesses ist die Stärkung des Marktplatzes.

Der Platz soll künftig nicht nur Verkehrsraum sein.

Er soll stärker als historisches und gesellschaftliches Zentrum wahrgenommen werden.

Nach den im Beteiligungsprozess vorgestellten Ideen sollen Geschichte, Architektur und Aufenthaltsqualität miteinander verbunden werden.

Dabei geht es nicht darum, Hirschfelde künstlich in ein modernes Stadtzentrum zu verwandeln.

Der historische Charakter des Ortes soll ausdrücklich erhalten und sichtbar gemacht werden.

Historische Bausubstanz soll das Bild prägen

Ein wichtiger Wunsch aus dem Beteiligungsprozess betrifft das Erscheinungsbild des Marktes.

Die Gebäude vom Bereich des ehemaligen Hotels Rieger bis zu den charakteristischen Vorlaubenhäusern sollen möglichst als zusammenhängendes Ensemble wahrgenommen werden.

Die Vorstellungen betreffen unter anderem:

Farbgestaltung,

Materialien,

Fenster und Türen,

Dachformen,

Begrünung

und eine zurückhaltende Beleuchtung.

Ziel wäre ein harmonischeres Gesamtbild.

Die historische Identität von Hirschfelde soll dadurch stärker sichtbar werden.

Schwieriges Thema: das ehemalige Hotel Hirsch

Ein besonders prägender Punkt ist das ehemalige Hotel Hirsch.

Für dieses Gebäude wurden im Bürgerprozess weitreichende Ideen diskutiert.

Eine Variante sieht einen Teilabriss vor, während die zum Markt gerichtete Fassade als historisches Element erhalten bleiben könnte.

Dahinter könnte eine neue Nutzung entstehen.

Gleichzeitig wurde eine Verbindung vom Markt in einen dahinterliegenden Parkbereich vorgeschlagen.

Die Idee:

Ein Weg könnte vom Marktplatz durch den Bereich des ehemaligen Hotels weiter in Richtung Grünflächen und Spielplätze führen.

Damit würde das Zentrum räumlich geöffnet und besser mit anderen Bereichen des Ortes verbunden.

Mehr Grün und Schatten im Ortszentrum

Das Projekt trägt ausdrücklich den Begriff „klimaresilient“ im Namen.

Das ist für Hirschfelde durchaus relevant.

Gerade historische Plätze sind häufig stark versiegelt.

An heißen Sommertagen heizen sich Asphalt und Pflasterflächen stark auf.

Bäume, Grünflächen und begrünte Aufenthaltsbereiche können dagegen Schatten spenden und die Aufenthaltsqualität verbessern.

Bei der künftigen Gestaltung sollen deshalb nicht nur historische und optische Aspekte eine Rolle spielen.

Auch die Anpassung an zunehmende Hitzeperioden und Trockenheit wird wichtiger.

Sitzplätze statt reiner Durchfahrt

Der Markt soll nach den bisherigen Vorstellungen stärker zu einem Ort zum Verweilen werden.

Denkbar sind:

Sitzgelegenheiten,

Bäume,

kleinere Grünbereiche,

ein abgestimmtes Möblierungskonzept,

Pflanzkübel

und eine bessere Beleuchtung.

Auch der bestehende Brunnen beziehungsweise die Gestaltung des Umfeldes spielt in den Ideen eine Rolle.

Der Grundgedanke ist einfach:

Ein Dorfzentrum funktioniert nur, wenn Menschen einen Grund haben, dort zu bleiben.

Platz für Märkte, Feste und Veranstaltungen

Der Markt soll gleichzeitig flexibel nutzbar bleiben.

Im Bürgerprozess wurden unter anderem Möglichkeiten für:

Marktstände,

Feste,

Kulturveranstaltungen,

Informationsveranstaltungen

und kleinere gemeinschaftliche Aktionen

genannt.

Damit könnte der Platz künftig wieder stärker eine gesellschaftliche Funktion übernehmen.

Gerade in kleineren Orten fehlt häufig ein sichtbarer öffentlicher Mittelpunkt.

Vereine und Initiativen organisieren zwar Veranstaltungen.

Doch oft fehlt ein Platz, der für unterschiedliche Anlässe unkompliziert genutzt werden kann.

Touristen sollen Hirschfelde besser entdecken können

Auch der Tourismus spielt eine Rolle.

Hirschfelde besitzt eine lange Geschichte und eine besondere industrielle Vergangenheit.

Viele Besucher der Region fahren jedoch lediglich durch den Ort.

Das Zentrum könnte künftig stärker als Orientierungspunkt dienen.

Diskutiert wurden unter anderem:

Übersichtstafeln,

historische Fotografien,

Informationen zur Ortsgeschichte

und eine bessere Orientierung für Besucher.

Damit könnte der Marktplatz Ausgangspunkt für eine kleine Entdeckungstour durch Hirschfelde werden.

Das Dorfzentrum soll Geschichte erzählen

Hirschfelde hat eine bewegte Geschichte.

Der Ort wurde über lange Zeit durch Industrie und Energieerzeugung geprägt.

Mit dem Strukturwandel gingen Arbeitsplätze, Nutzungen und teilweise auch wichtige soziale Treffpunkte verloren.

Ein neues Dorfzentrum kann diese Entwicklung nicht rückgängig machen.

Aber es kann dazu beitragen, Geschichte sichtbar zu halten.

Ein Ort verliert nicht nur dann Identität, wenn historische Gebäude verschwinden.

Auch dann, wenn niemand mehr weiß, welche Bedeutung sie einmal hatten.

Deshalb sind Informationstafeln und historische Bezüge mehr als Dekoration.

Sie können Teil der Ortsentwicklung sein.

Was bedeutet eigentlich „Dorfzentrum mit Zukunft“?

Der Name des Projekts klingt zunächst abstrakt.

Dahinter stehen aber sehr konkrete Fragen.

Wo treffen sich die Menschen?

Wo können Veranstaltungen stattfinden?

Wie attraktiv ist das Zentrum für Familien?

Gibt es Schatten und Sitzplätze?

Sind Wege barrierefrei?

Wie wird Geschichte sichtbar?

Und wie kann ein historischer Ort modernisiert werden, ohne seinen Charakter zu verlieren?

Genau diese Fragen sollen im Projekt zusammengeführt werden.

Hirschfelde bekam nach früheren Entscheidungen finanziellen Spielraum

Der Bürgerbeteiligungsprozess steht auch in Zusammenhang mit früheren Entscheidungen zur Entwicklung des Ortes.

Nach Angaben der Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft wurde festgelegt, dass bisherige jährliche Betriebskosten von insgesamt rund 100.000 Euro pro Jahr über einen Zeitraum von fünf Jahren für eigene Entwicklungen im Ort zur Verfügung gestellt werden sollen.

Dadurch entstand die Möglichkeit, gemeinsam über konkrete Zukunftsprojekte nachzudenken.

Die Beteiligung konzentrierte sich insbesondere auf das Dorfzentrum und die frühere Schwimmhalle.

Ehemalige Schwimmhalle bleibt eigenes großes Thema

Neben dem Markt bleibt deshalb die Zukunft der ehemaligen Schwimmhalle ein weiterer wichtiger Punkt für Hirschfelde.

Im Beteiligungsprozess wurde über eine Umnutzung oder Mehrfachnutzung diskutiert.

Die Frage ist schwierig.

Große kommunale Gebäude verursachen hohe Kosten.

Eine neue Nutzung muss deshalb nicht nur wünschenswert, sondern langfristig tragfähig sein.

Trotzdem ist es sinnvoll, gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Leerstand ist selten eine dauerhafte Strategie.

Der Stadtrat hat das Projekt einstimmig beschlossen

Politisch ist bemerkenswert, dass der Zittauer Stadtrat das Projekt einstimmig beschlossen hat.

Gerade größere Stadtentwicklungsprojekte führen häufig zu Diskussionen über Prioritäten und Kosten.

Beim Hirschfelder Dorfzentrum gab es für den grundsätzlichen Projektweg jedoch eine breite Zustimmung.

Damit besteht zumindest politisch eine stabile Grundlage für die nächsten Schritte.

Jetzt beginnt die schwierigere Phase

Ein Beschluss allein verändert allerdings noch keinen Marktplatz.

Jetzt müssen Planung, Finanzierung und Umsetzung zusammengebracht werden.

Dabei werden mehrere Fragen entscheidend sein:

Welche Maßnahmen können zuerst umgesetzt werden?

Welche Fördermittel stehen zur Verfügung?

Wie hoch ist der kommunale Eigenanteil?

Welche historischen Gebäude können erhalten werden?

Und welche Projekte lassen sich langfristig finanzieren?

Erst in dieser Phase zeigt sich, wie viel von den Ideen tatsächlich Realität werden kann.

Bürgerbeteiligung darf nicht mit dem Workshop enden

Ein entscheidender Punkt wird sein, ob die Bürger auch im weiteren Verlauf eingebunden bleiben.

Viele Menschen kennen Beteiligungsprozesse, bei denen zunächst Ideen gesammelt werden.

Dann folgen jahrelange Planungen.

Und irgendwann erkennen die Einwohner ihre ursprünglichen Vorstellungen kaum noch wieder.

Hirschfelde hat jetzt die Chance, einen anderen Weg zu gehen.

Dazu gehört allerdings Transparenz.

Die Menschen sollten regelmäßig erfahren:

Was wurde beschlossen?

Was wurde verworfen?

Warum wurde eine Variante gewählt?

Wie hoch sind die Kosten?

Und wann beginnt die Umsetzung?

Dorfentwicklung wird für die Region immer wichtiger

Hirschfelde steht mit seinen Herausforderungen nicht allein.

Viele Orte rund um Zittau beschäftigen sich mit ähnlichen Fragen.

In Seifhennersdorf geht es um Straßen und Brücken.

In Mittelherwigsdorf um die Entwicklung kommunaler Einrichtungen und Infrastruktur.

In Olbersdorf um die finanzielle Zukunft der Gemeinde.

In Großschönau um Tourismus, Textilgeschichte und Ortsentwicklung.

In Hainewalde um Infrastruktur und die Zukunft historischer Strukturen.

Die Herausforderungen sind unterschiedlich.

Der gemeinsame Nenner ist jedoch immer derselbe:

Wie bleiben kleinere Orte lebenswert?

Schöne Plätze allein reichen nicht

Dabei sollte man sich nichts vormachen.

Ein neuer Dorfplatz allein löst keine strukturellen Probleme.

Er schafft keine Arbeitsplätze.

Er ersetzt keinen Arzt.

Er garantiert keinen funktionierenden Nahverkehr.

Und er hält junge Menschen nicht automatisch im Ort.

Trotzdem sind attraktive öffentliche Räume wichtig.

Menschen brauchen Orte der Begegnung.

Ein Dorf, das nur aus Häusern und Durchgangsstraßen besteht, verliert gesellschaftliches Leben.

Hirschfelde kann ein Modellprojekt werden

Das Besondere an Hirschfelde ist der Weg von der Bürgerbeteiligung bis zum politischen Beschluss.

Einwohner wurden beteiligt.

Ideen wurden gesammelt.

Ein Konzept wurde entwickelt.

Der Stadtrat hat die Umsetzung grundsätzlich beschlossen.

Wenn nun auch die Realisierung gelingt, könnte daraus ein interessantes Beispiel für andere Orte der Region entstehen.

Nicht jede Gemeinde muss dieselben Maßnahmen umsetzen.

Aber der Prozess kann Vorbild sein:

erst zuhören,

dann planen,

dann entscheiden.

Fazit

Hirschfelde soll ein neues, zukunftsfähiges Dorfzentrum erhalten.

Der Zittauer Stadtrat hat das Projekt „Dorfzentrum mit Zukunft: Historisch bewahren – klimaresilient gestalten – gemeinschaftlich erleben“ am 25. Juni 2026 einstimmig beschlossen.

Grundlage war ein Bürgerbeteiligungsprozess.

Zu den diskutierten Ideen gehören:

die Aufwertung des Marktplatzes,

mehr Grün und Aufenthaltsqualität,

die stärkere Betonung historischer Architektur,

barrierefreie Wege,

neue Möglichkeiten für Veranstaltungen

und eine bessere touristische Orientierung.

Nun beginnt die entscheidende Phase.

Aus Ideen müssen konkrete Planungen werden.

Aus Planungen müssen finanzierbare Maßnahmen entstehen.

Und aus politischen Beschlüssen muss am Ende sichtbare Veränderung werden.

Hirschfelde hat jetzt die Chance, seinem historischen Zentrum wieder eine echte Funktion zu geben.

Kommentar: Dörfer dürfen nicht nur verwaltet werden

Über die Zukunft des ländlichen Raumes wird viel gesprochen.

Oft geht es um große Begriffe.

Strukturwandel.

Demografie.

Transformation.

Klimaanpassung.

Doch für die Menschen vor Ort beginnt Lebensqualität viel konkreter.

Gibt es einen Platz, an dem man sich trifft?

Gibt es eine Bank im Schatten?

Gibt es Räume für Vereine?

Gibt es Veranstaltungen?

Sieht man, dass sich jemand um das Zentrum kümmert?

Genau deshalb ist das Projekt in Hirschfelde wichtig.

Natürlich muss man über Kosten sprechen.

Natürlich muss geprüft werden, was tatsächlich finanzierbar ist.

Aber Dörfer dürfen nicht nur verwaltet werden.

Sie brauchen Vorstellungen davon, wie sie in zehn oder zwanzig Jahren aussehen sollen.

Ein Ort ohne Zukunftsidee verliert irgendwann nicht nur Einwohner, sondern auch sein Selbstverständnis.

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