Großschönau/Waltersdorf. In Großschönau wird die Textilgeschichte in den Sommerferien lebendig. Das Deutsche Damast- und Frottiermuseum bietet im Juli und August ein Ferienprogramm für Kinder und Jugendliche an. Dabei können junge Besucher selbst kreativ werden, alte Handwerkstechniken ausprobieren und entdecken, warum Großschönau bis heute als Textildorf der Oberlausitz gilt.
Laut Programmflyer der Webschule Großschönau läuft das Ferienprogramm vom 2. Juli bis 27. August 2026 immer donnerstags. Unter dem Titel „Kleine Handweberei und Kordeln an der Kordelmaschine“ können Kinder textile Techniken kennenlernen und selbst etwas gestalten. Weitere Informationen und Anmeldung laufen über die Gemeinde Großschönau.
Textilgeschichte zum Anfassen
Großschönau ist kein gewöhnlicher Ferienort. Die Gemeinde steht wie kaum ein anderer Ort in Deutschland für Damast- und Frottiergeschichte. Das Deutsche Damast- und Frottiermuseum bewahrt diese besondere Tradition und zeigt, wie eng der Ort über Jahrhunderte mit Weberei, Mustern, Garnen und Stoffen verbunden war.
Von Großschönau aus verbreiteten sich zwei wichtige textile Herstellungsverfahren in Deutschland: 1666 wurde hier die kunstvolle Damastweberei eingeführt, 1856 kam die Frottierweberei hinzu. Damit blickt der Ort auf fast 350 Jahre Damast- und Frottiergeschichte zurück.
Gerade für Kinder ist das Ferienprogramm deshalb mehr als Basteln. Sie erleben, dass Geschichte nicht nur in Büchern steht, sondern an Maschinen, Fäden, Mustern und eigenen Händen sichtbar wird. Wer selbst webt oder an einer Kordelmaschine arbeitet, versteht schneller, wie aufwendig und kreativ dieses alte Handwerk war.
Museum mit Schauwerkstatt
Das Deutsche Damast- und Frottiermuseum befindet sich in der Schenaustraße 3 in Großschönau. Von Mai bis Oktober ist es dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr. Führungen sind nach vorheriger Anmeldung möglich.
Das Museum zeigt historische Webstühle und textile Technik. Nach Angaben des Sachsen-Tourismus war Großschönau 350 Jahre lang Zentrum der deutschen Damast- und Frottierherstellung. Im Museum wird diese Geschichte auf alten Maschinen vorgeführt.
Für Familien ist das besonders interessant, weil der Museumsbesuch nicht nur aus Vitrinen besteht. In der Schauwerkstatt lässt sich nachvollziehen, wie aus Garnen Stoffe entstehen und warum Großschönauer Damaste und Frottierwaren einst weit über die Region hinaus bekannt waren.
Großschönau und Waltersdorf als Ausflugsziel
Das Ferienprogramm passt gut zur touristischen Stärke der Gemeinde. Großschönau und Waltersdorf liegen am Fuße der Lausche, der höchsten Erhebung des Naturparks Zittauer Gebirge. Die Region ist bekannt für Umgebindehäuser, Wanderwege, Textilgeschichte und ihre Lage im Dreiländereck.
Besonders sehenswert ist das große Ensemble Oberlausitzer Umgebindehäuser. Auf touristischen Seiten wird Großschönau/Waltersdorf als Textildorf mit Erholungsort beschrieben; rund 660 gepflegte Umgebindehäuser prägen das Ortsbild. In vielen dieser Häuser klapperten früher Webstühle.
Damit lässt sich das Ferienprogramm gut mit einem Ausflug verbinden: vormittags ins Museum, danach ein Spaziergang durch den Ort, ein Abstecher nach Waltersdorf oder eine kleine Wanderung im Zittauer Gebirge.
Ferienangebot mit regionalem Wert
Solche Angebote sind wichtig, weil sie Kindern die eigene Heimat näherbringen. Viele Orte in der Oberlausitz haben eine besondere Geschichte, doch sie wird nur lebendig, wenn junge Menschen sie erleben können. Großschönau macht genau das: Textilgeschichte wird nicht nur erklärt, sondern ausprobiert.
Für Familien aus Zittau, Großschönau, Waltersdorf, Hainewalde, Bertsdorf-Hörnitz, Jonsdorf, Oybin oder Seifhennersdorf ist das Ferienprogramm ein naheliegender Tipp. Es verbindet Bildung, Kreativität und regionale Identität – und bietet eine sinnvolle Alternative zu Bildschirmzeit und Langeweile in den Sommerferien.
Kommentar
Großschönau macht mit seinem Ferienprogramm vieles richtig. Kinder brauchen nicht nur Unterhaltung, sondern Erlebnisse, die etwas mit ihrer Heimat zu tun haben. Wenn sie an Webrahmen und Kordelmaschine arbeiten, begreifen sie, warum Großschönau über Jahrhunderte ein besonderer Ort war.
Das Textildorf lebt nicht nur von alten Gebäuden und Museumsschildern. Es lebt davon, dass Wissen weitergegeben wird. Genau solche Angebote stärken Heimatgefühl, Tourismus und Kultur zugleich.
Die Oberlausitz hat viel Geschichte. Entscheidend ist, sie so zu erzählen, dass auch Kinder Lust bekommen, hinzuschauen und mitzumachen.


