Wöhrl-Pläne für Görlitzer Kaufhaus geplatzt: Modehaus sagt Übergangslösung ab

Görlitz. Die Hoffnung auf eine schnelle Belebung des Görlitzer Jugendstil-Kaufhauses durch das Modehaus Wöhrl ist offenbar geplatzt. Zwar erweitert der Nürnberger Modehändler sein Filialnetz im Osten Deutschlands. Eine Übergangslösung im Kaufhaus von Unternehmer Winfried Stöcker wird es nach aktuellem Stand aber nicht geben.

Damit zerschlägt sich eine Idee, die in Görlitz durchaus Aufmerksamkeit ausgelöst hatte. Wöhrl hätte als namhafter Modeanbieter zumindest vorübergehend Leben in das traditionsreiche Kaufhaus am Demianiplatz bringen können. Für die Innenstadt wäre das ein sichtbares Signal gewesen: Das Haus steht nicht nur als Denkmal, sondern könnte wieder als Einkaufsort wahrgenommen werden.

Wöhrl kommt nach Chemnitz – aber nicht nach Görlitz

Während Görlitz weiter warten muss, geht Wöhrl in Chemnitz den nächsten Expansionsschritt. Im November 2026 soll dort eine neue Filiale im ehemaligen Galeria-Gebäude am Neumarkt eröffnen. Geplant sind rund 2.000 Quadratmeter Verkaufsfläche für hochwertige Damenmode, persönliche Beratung und ein modernes Einkaufserlebnis. Es soll der 30. Standort des Unternehmens werden.

Nach Angaben aus Chemnitz entstehen dort rund 25 neue Arbeitsplätze. Der Standort liegt zentral gegenüber dem Rathaus und ist Teil einer modernisierten Innenstadtimmobilie mit Handel, Gastronomie und kommunalen Dienstleistungen.

Für Görlitz ist diese Entwicklung doppelt bitter: Wöhrl expandiert zwar in Sachsen, setzt bei seiner neuen Ost-Erweiterung aber auf Chemnitz – nicht auf das historische Kaufhaus in Görlitz.

Stöckers Kaufhaus bleibt weiter ein Versprechen

Das Görlitzer Kaufhaus gehört seit 2013 dem Unternehmer Winfried Stöcker. Seit Jahren verfolgt er das Ziel, das Jugendstilgebäude zu sanieren und wieder als hochwertiges Kaufhaus zu eröffnen. Auf der offiziellen Projektseite wird das Haus als künftiges Premium-Kaufhaus beworben. Dort heißt es, Görlitz solle im Dreiländereck zu einer besonderen Einkaufsadresse werden.

Tatsächlich ist das Gebäude eines der bekanntesten Baudenkmale der Stadt. Das frühere Kaufhaus „Zum Strauß“ wurde 1913 eröffnet, später als Hertie-Kaufhaus genutzt und ist seit 2009 geschlossen. Es gilt als architektonisches Schmuckstück und war international auch als Filmkulisse bekannt.

Doch zwischen Vision und Realität liegt seit Jahren ein langer Weg aus Denkmalschutz, Genehmigungsverfahren, Umbauplänen und politischer Debatte.

Denkmalschutz gab zuletzt grünes Licht

Ein wichtiger Schritt war im November 2025 erreicht worden. Die Landesdirektion Sachsen stimmte als obere Denkmalschutzbehörde der Bauvoranfrage für das Kaufhaus Görlitz zu. Damit konnte der Bauvorbescheid weitergeführt und das Genehmigungsverfahren vorangebracht werden.

Die Entscheidung betraf unter anderem die gewerbliche Nutzung der Dachgeschosse sowie den Abbruch und Neubau des Daches mit zusätzlichen Gauben und einer neuen Schutzdachkonstruktion über dem Lichthof. Die Landesdirektion kam zu dem Ergebnis, dass das öffentliche Interesse an Umbau und Wiederbelebung des Kaufhauses stärker wiegt als die entgegenstehenden denkmalrechtlichen Bedenken.

Oberbürgermeister Octavian Ursu hatte die Entscheidung damals als wichtigen Schritt für die Sanierung und Wiederbelebung des Hauses bezeichnet. Das Kaufhaus solle wieder ein Magnet für den innerstädtischen Einzelhandel werden.

Übergangslösung hätte Signalwirkung gehabt

Genau deshalb wäre ein vorübergehender Einzug von Wöhrl mehr gewesen als nur eine Zwischenvermietung. Eine bekannte Marke hätte das Kaufhaus wieder in den Alltag der Görlitzer zurückholen können. Die leeren Flächen hätten eine konkrete Nutzung bekommen. Die Innenstadt hätte davon profitieren können.

Doch daraus wird nun offenbar nichts. Die Übergangsidee ist vom Tisch. Für Stöcker bedeutet das: Der Druck bleibt. Nach Jahren der Ankündigungen und Verzögerungen muss nun gezeigt werden, wie aus Plänen ein tatsächlich geöffnetes Kaufhaus wird.

Görlitz braucht mehr als schöne Entwürfe

Die Absage von Wöhrl ist auch ein Warnsignal für die Görlitzer Innenstadt. Große Handelsflächen sind heute schwer zu betreiben. Klassische Kaufhäuser kämpfen bundesweit mit veränderten Einkaufsgewohnheiten, Onlinehandel, hohen Kosten und sinkender Frequenz. Wenn selbst eine Übergangslösung mit einem etablierten Modehaus nicht zustande kommt, zeigt das, wie kompliziert das Projekt bleibt.

Gleichzeitig ist das Görlitzer Kaufhaus zu bedeutend, um dauerhaft im Dornröschenschlaf zu bleiben. Es steht mitten in der Stadt, an einer der sichtbarsten Stellen. Jedes weitere Jahr Leerstand ist nicht nur ein wirtschaftliches Problem, sondern auch ein städtebauliches.

Kommentar: Jetzt zählt nicht mehr die nächste Idee, sondern die Umsetzung

Görlitz hat lange genug gehört, was aus dem Kaufhaus einmal werden soll. Premium-Kaufhaus, Magnet für die Innenstadt, touristischer Anziehungspunkt, Handelsadresse im Dreiländereck – all das klingt gut. Aber die Menschen in der Stadt sehen seit Jahren vor allem ein geschlossenes Gebäude.

Die geplatzte Wöhrl-Lösung ist deshalb mehr als eine kleine Nachricht aus dem Einzelhandel. Sie zeigt, dass gute Namen allein kein Konzept ersetzen. Wenn das Kaufhaus wirklich zurückkommen soll, braucht es jetzt belastbare Mieter, klare Bauzeiten, sichtbare Arbeiten und eine ehrliche Kommunikation.

Winfried Stöcker hat mit dem Gebäude ein Juwel in der Hand. Aber ein Juwel glänzt nicht, wenn es hinter verschlossenen Türen liegt.

Fazit

Wöhrl expandiert in Sachsen und eröffnet im November 2026 eine neue Filiale in Chemnitz. Eine Übergangslösung im Görlitzer Kaufhaus von Winfried Stöcker kommt dagegen nicht zustande. Für Görlitz ist das ein Rückschlag. Das historische Kaufhaus bleibt damit weiter ein großes Versprechen – und die Innenstadt wartet weiter auf den Moment, in dem aus Planung endlich Realität wird.

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