🧭 Überblick: Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem in Cottbus startet eine Digitalisierungsstrategie für die Modellregion Gesundheit Lausitz. Kern ist eine Kooperation mit dem Plattformanbieter Doctolib, um Verwaltungsaufwand zu senken und die Versorgung insbesondere im ländlichen Raum zu verbessern. Geplant ist die schrittweise Einführung neuer Patientenportale. Nach Angaben der Universität betrifft dies jährlich über 150.000 Patientinnen und Patienten; rund 4.000 Beschäftigte sollen eng eingebunden werden. Die Mitteilung wurde am 6. März 2026 veröffentlicht beziehungsweise zuletzt aktualisiert.
🗺️ Region und Auftrag: Die Modellregion bündelt Versorgungsstrukturen über Kreisgrenzen hinweg und umfasst die Landkreise Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße sowie die kreisfreie Stadt Cottbus. Als Herzstück der Region ist die Universität angelegt, um digital gestützte Versorgungsmodelle zu entwickeln und Impulse über die Lausitz hinaus zu setzen.
🤝 Kooperation mit Doctolib: Nach universitärer Darstellung adressiert die Partnerschaft vor allem den hohen Koordinationsaufwand im Klinikalltag – von Terminlogistik bis Kommunikation. Ziel ist es, Prozesse zu vereinfachen, Schnittstellen zu bündeln und die Versorgungskontinuität zu stärken, ohne Doppelstrukturen zu verfestigen.
🧩 Schrittweise Patientenportale: Digitalisierungsvorstand Martin Peuker kündigt an, neue Portale stufenweise einzuführen und die Belegschaft systematisch mitzunehmen. Eine Umfrage deutet darauf hin, dass fast 80 Prozent der medizinischen Fachkräfte digitale Unterstützung zur Entlastung befürworten. Der Fokus liegt auf einer geordneten Einführung, die Akzeptanz sichert und den Betrieb nicht überfordert.
⏱️ Potenziale für die Versorgung: Bei jährlich mehr als 150.000 Patientenkontakten kann ein reibungsloses digitales Frontend – etwa für Terminvergabe, Anamnese, Aufklärung und Nachsorge – Wartezeiten verkürzen, Personal entlasten und Mehrfachaufwände vermeiden. Erfolgsrelevant sind dabei klare Abläufe, verlässliche Verfügbarkeiten und eine nutzerfreundliche Gestaltung.
🔗 Integration und Interoperabilität: Entscheidend ist die technische Anbindung an gängige Krankenhausinformationssysteme und die Telematikinfrastruktur. Standardisierte Schnittstellen sowie klar zugeordnete Verantwortlichkeiten für Datenverarbeitung, Support und Ausfallszenarien gelten als Schlüsselfaktoren, um sektorenübergreifende Prozesse tragfähig zu etablieren.
🧾 Offene Punkte und Messkriterien: Aus der aktuellen Mitteilung gehen weder konkrete Module noch ein Etappenplan, Kostenrahmen oder Vertragslaufzeiten hervor; auch Metriken zur Erfolgsmessung bleiben zunächst offen. Für eine belastbare Einordnung sind transparente Eckdaten unerlässlich.
- Leistungsumfang und Module der Patientenportale
- Zeitplan in Etappen von Pilot bis Rollout
- Kosten und Vertragslaufzeiten der Kooperation
- Messgrößen wie Ausfallzeiten, Prozessdurchlaufzeiten und Patientenzufriedenheit
🌾 Akzeptanz im ländlichen Raum: Für die Nutzungserfolge sind Schulungen des Personals, barrierearme Nutzerführung und analoge Alternativen für vulnerable Gruppen ohne digitale Routine zentral. Nur wenn digitale Angebote inklusiv gestaltet sind, entsteht die notwendige Breitenakzeptanz.
🏛️ Governance und Zusammenarbeit: Die räumliche Spannweite über fünf Gebietskörperschaften verlangt abgestimmte Workflows und verlässliche Dienste. Die Universität kann Governance und Qualitätssicherung bündeln; zugleich wird der Betrieb zeigen müssen, ob die Kooperation mit kommunalen Trägern, niedergelassenen Praxen und Pflegeeinrichtungen dauerhaft tragfähig institutionalisiert wird.
🔭 Ausblick: Die Weichenstellungen – Kooperation mit Doctolib, Einführung von Patientenportalen, Einbindung der Belegschaft – setzen ein Signal für vernetzte und effizientere Versorgung. Für eine solide Bewertung im Sinne nachhaltiger Qualität und haushalterischer Verantwortung braucht es rasch Klarheit zu Leistungsumfang, Kosten, Zeitplan und überprüfbaren Zielen. Gelingt dies, kann die Modellregion als Vorbild für andere ländlich geprägte Räume dienen; bleibt Transparenz aus, drohen Insellösungen und Akzeptanzprobleme.
🗨️ Kommentar der Redaktion: Die digitale Öffnung ist richtig, doch sie muss sich am Primat von Datenschutz, Datensouveränität und Interoperabilität messen lassen. Ohne klare Metriken und Kostenoffenlegung bleibt jede Entlastungszusage eine Behauptung. Entscheidend ist eine nahtlose Einbindung in bestehende IT sowie verlässlicher Support und definierte Ausfallszenarien. Im ländlichen Raum zählen Einfachheit und Alternativen zum Digitalweg ebenso wie Technik. Erst wenn Transparenz und Verbindlichkeit vorliegen, sollte skaliert werden. Alles andere gefährdet Akzeptanz, Effizienz und solide Haushalte.
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