Lausitz. Die Stimmung in der Lausitz hat sich deutlich eingetrübt. Der aktuelle Lausitz-Monitor 2026 zeigt: Viele Menschen blicken skeptischer auf ihre persönliche Lebenssituation, fühlen sich durch Preissteigerungen und weltpolitische Krisen belastet und bewerten den Strukturwandel zunehmend gespalten.
Gleichzeitig bleibt ein zentraler Befund bestehen: Eine deutliche Mehrheit hält tiefgreifende Veränderungen in der Lausitz weiterhin für notwendig. Der Strukturwandel wird also nicht grundsätzlich abgelehnt – aber er wird kritischer, ungeduldiger und polarisierter wahrgenommen.
Persönliche Zufriedenheit sinkt deutlich
Besonders auffällig ist der Rückgang bei der allgemeinen Zufriedenheit mit der persönlichen Lebenssituation. Während 2025 noch 79 Prozent der Befragten zufrieden waren, sind es 2026 nur noch 66 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil der Unzufriedenen von 20 auf 33 Prozent.
Dieser Rückgang zieht sich laut Studie über nahezu alle Altersgruppen und Landkreise hinweg. Auch der Blick auf die vergangenen fünf Jahre fällt nüchterner aus: 2021 sagten noch 41 Prozent der Lausitzerinnen und Lausitzer, ihre persönliche Lebenssituation habe sich verbessert. 2026 sind es nur noch 23 Prozent.
Damit zeigt sich ein klarer Stimmungswechsel. Die Menschen in der Lausitz nehmen ihre eigene Lage deutlich angespannter wahr als noch im Vorjahr.
Inflation und Weltpolitik belasten die Menschen
Die größten Belastungsfaktoren kommen nach Einschätzung der Studie von außen. Besonders stark wirkt die Inflation: 82 Prozent der Befragten sehen allgemeine Preissteigerungen als sehr oder eher negativ für ihre persönliche Zukunft.
Noch deutlicher verändert hat sich die Wahrnehmung der weltpolitischen Lage. 2025 bewerteten 38 Prozent diese als stark belastend. 2026 sind es 73 Prozent – nahezu eine Verdoppelung innerhalb eines Jahres.
Das zeigt: Die Lausitz schaut nicht nur auf regionale Themen. Krieg, internationale Konflikte, Unsicherheit, wirtschaftliche Risiken und steigende Kosten prägen inzwischen ganz direkt das Lebensgefühl vieler Menschen vor Ort.
Lausitz bleibt als Lebens- und Urlaubsregion stark
Trotz der trüberen Grundstimmung wird die Lausitz nicht grundsätzlich negativ gesehen. Im Gegenteil: Als Urlaubs- und Kulturregion genießt sie weiter ein starkes Ansehen.
68 Prozent der Befragten halten die Lausitz für eine attraktive Urlaubsregion. 64 Prozent sehen die sorbische Kultur als wichtiges Alleinstellungsmerkmal. Als Wohnregion wird die Lausitz von 57 Prozent positiv bewertet. Mit der Lebensqualität in der Region sind 70 Prozent zufrieden.
Schwächer fällt dagegen das Urteil zur wirtschaftlichen Stärke aus. Nur 32 Prozent sehen die Lausitz als attraktive Wirtschaftsregion. Als attraktiver Unternehmensstandort bewerten sie 35 Prozent positiv. Genau hier liegt eine der großen Baustellen für die kommenden Jahre.
Wirtschaft und Arbeitsplätze bleiben größte Sorgen
Bei der offenen Frage nach den größten Herausforderungen für die Region stehen wirtschaftliche Themen ganz oben. 29 Prozent nennen die Schaffung und den Erhalt attraktiver Arbeitsplätze als wichtigste Aufgabe. 26 Prozent nennen die allgemeine Wirtschaftsentwicklung. 17 Prozent sehen Lebenshaltungskosten und Inflation als zentrale Herausforderung.
Damit wird deutlich: Die Menschen erwarten vom Strukturwandel vor allem konkrete wirtschaftliche Ergebnisse. Arbeitsplätze, Investitionen, Unternehmensansiedlungen, gute Löhne und verlässliche Perspektiven zählen mehr als abstrakte Programme.
Strukturwandel bleibt notwendig – aber Vertrauen fehlt
66 Prozent der Befragten halten tiefgreifende Veränderungen in der Lausitz weiterhin für notwendig. Das ist eine klare Mehrheit. Gleichzeitig sagt fast die Hälfte der Befragten, nämlich 49 Prozent, dass ein grundlegender Wandel noch gar nicht eingesetzt habe.
Nur jeder vierte Lausitzer hat in den vergangenen zwölf Monaten konkrete Strukturwandelaktivitäten wahrgenommen. Genau hier liegt das Problem: Der Strukturwandel ist politisch beschlossen, finanziell untersetzt und seit Jahren Thema – aber bei vielen Menschen kommt er offenbar noch nicht sichtbar genug an.
Die Wahrnehmung polarisiert sich. Der Anteil derjenigen, die positive Auswirkungen auf ihre eigene Lebenssituation erwarten, stieg von 15 auf 21 Prozent. Gleichzeitig stieg aber auch der Anteil derjenigen, die negative Auswirkungen erwarten, von 41 auf 45 Prozent. Die Mitte wird kleiner, die Positionen werden klarer.
Energiewende und Kohleausstieg verlieren Zustimmung
Besonders deutlich wird die Skepsis bei Energiewende und Kohleausstieg. Bei der Energiewende stehen sich Befürworter und Gegner inzwischen fast gleich stark gegenüber. 43 Prozent befürworten 2026 die Ziele der Energiewende, 44 Prozent lehnen sie ab.
Beim Kohleausstieg ist der Trend noch klarer. 2021 befürworteten 45 Prozent der Lausitzerinnen und Lausitzer den Kohleausstieg. 2026 sind es nur noch 33 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil der Gegner auf 56 Prozent gestiegen.
Das ist ein deutliches Signal. Viele Menschen in der Lausitz haben offenbar das Gefühl, dass politische Entscheidungen über Energie und Strukturwandel zu wenig mit ihren Alltagssorgen, ihrer wirtschaftlichen Sicherheit und den konkreten Perspektiven vor Ort verbunden sind.
Kommunikation allein reicht nicht – es braucht sichtbare Ergebnisse
Jörg Heidig von den Prozesspsychologen warnt in der Studie, dass der Strukturwandel angesichts vieler externer Krisen zunehmend aus dem Fokus der Menschen geraten könnte. Neben konkreten Projekten seien Kommunikation und Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern essenziell.
Das ist richtig – aber es zeigt auch die Herausforderung: Kommunikation kann fehlende Ergebnisse nicht ersetzen. Wenn Menschen keine neuen Arbeitsplätze sehen, keine spürbaren Investitionen erleben und keine Verbesserung ihrer Lebenssituation wahrnehmen, wächst Misstrauen.
Die Lausitz braucht deshalb beides: ehrliche Kommunikation und sichtbare Umsetzung.
Zur Studie
Der Lausitz-Monitor wird seit 2020 erhoben. Die aktuelle siebte Befragung fand im März und April 2026 statt. Befragt wurden 1.024 deutschsprachige Personen ab 16 Jahren aus den Landkreisen Bautzen, Görlitz, Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße sowie der Stadt Cottbus.
Durchgeführt wurde die Studie von der MAS Gesellschaft für Marktanalyse und Strategie in Kooperation mit den Prozesspsychologen. Die Befragung erfolgte als Online-Erhebung.
Der Lausitz-Monitor 2026 zeigt eine Region zwischen Stärke und Verunsicherung. Die Menschen schätzen ihre Heimat, ihre Lebensqualität, die Kultur und die touristische Attraktivität der Lausitz. Gleichzeitig wächst der Druck durch Inflation, internationale Krisen, wirtschaftliche Sorgen und Zweifel am Nutzen des Strukturwandels.
Der Strukturwandel wird weiterhin für notwendig gehalten. Doch die Geduld schwindet. Die Zustimmung zu Energiewende und Kohleausstieg geht zurück, die Erwartungen an konkrete wirtschaftliche Ergebnisse steigen.
Für Politik, Wirtschaft und Verwaltung ist das ein klares Signal: Die Lausitz braucht weniger abstrakte Versprechen und mehr sichtbare Fortschritte.
Der Lausitz-Monitor 2026 ist ein Warnruf. Die Menschen in der Lausitz sind nicht grundsätzlich gegen Veränderung. Aber sie wollen wissen, wohin diese Veränderung führt – und ob sie davon tatsächlich profitieren.
Wer Kohleausstieg, Energiewende und Strukturwandel politisch durchsetzt, muss auch liefern: Arbeitsplätze, bezahlbare Energie, starke Unternehmen, moderne Infrastruktur und ehrliche Beteiligung der Bürger. Sonst wird aus Zustimmung Enttäuschung – und aus Enttäuschung Widerstand.
Die Lausitz ist eine starke Region. Aber sie darf nicht zum Experimentierfeld für politische Wunschbilder werden. Strukturwandel gelingt nur, wenn die Menschen vor Ort ihn nicht nur hören, sondern endlich spüren.


