🗳️ TV-Duell entfacht Steuerdebatte
Friedrich Merz hat am 20. Februar 2025 im letzten großen TV-Duell vor der Bundestagswahl eine Erhöhung der Mehrwertsteuer nicht kategorisch ausgeschlossen. Zugleich betonte er, er wolle die Steuer nicht erhöhen, verwies jedoch auf mögliche Koalitionsverhandlungen. Die Formulierung löste umgehend Kritik der SPD aus und veranlasste die Union zu Klarstellungen.
📜 Hintergrund
Die Auseinandersetzung berührt einen wunden Punkt des Wahlkampfs: 2005 setzten Union und SPD in der Großen Koalition entgegen früherer Signale eine Anhebung der Mehrwertsteuer um drei Punkte durch. Im Duell mahnte Olaf Scholz vor einem „Déjà-vu“. Ökonomen verweisen zudem auf Finanzierungslücken bei teuren Wahlversprechen; das ifo-Institut rechnete durch, wie stark die Steuer rechnerisch steigen müsste, um Programme zu decken – je nach Partei unterschiedlich.
🗣️ Wortlaut von Merz
Merz’ Kernaussage lautete: „Ich möchte die Mehrwertsteuer nicht erhöhen.“ Auf die Nachfrage, ob er dies damit nicht ausschließe, entgegnete er, man werde möglicherweise Koalitionsverhandlungen zu führen haben. Persönlich halte er eine Anhebung für den falschen Weg.
⚖️ Reaktionen und Klarstellungen
SPD-Generalsekretär Matthias Miersch warf Merz vor, mit einer Erhöhung der Mehrwertsteuer zu liebäugeln, und forderte Klarheit. Gleichzeitig wirbt die SPD für eine Senkung des ermäßigten Satzes auf Grundnahrungsmittel von sieben auf fünf Prozent. Von Unionsseite präzisierte CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann, Steuererhöhungen stünden nicht im Wahlprogramm – auch nicht bei der Mehrwertsteuer. Der Verweis auf Koalitionsverhandlungen solle politische Realitäten anerkennen, nicht Steuererhöhungen signalisieren.
💶 Fiskalische Dimension
Eine Anhebung des Regelsteuersatzes von 19 auf 20 Prozent würde dem Staat rund 16 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen pro Jahr bringen. Gerade diese Größenordnung macht die Umsatzsteuer politisch attraktiv – und zugleich wirtschaftlich heikel, weil sie den Konsum breit belastet.
🧭 Politische Einordnung
Konservativ betrachtet ist Verlässlichkeit in der Steuerpolitik zentral, erst recht bei einer Massensteuer. Der Verweis auf mögliche Koalitionszwänge mag realpolitisch begründet sein, öffnet aber Interpretationsspielräume, die Vertrauen kosten können. Wer dauerhafte Entlastungen, Investitionen und Haushaltskonsolidierung zugleich verspricht, muss Ausgabenprioritäten und Reformen voranstellen, bevor er an einer Erhöhung der Mehrwertsteuer rührt.
🧾 Die Kernpunkte im Überblick
- Merz will die Mehrwertsteuer nicht erhöhen, schließt es aber wegen möglicher Koalitionsverhandlungen nicht kategorisch aus.
- SPD kritisiert die Formulierung scharf und fordert Klarheit; zugleich plädiert sie für einen niedrigeren ermäßigten Satz auf Grundnahrungsmittel.
- Die Union betont, Steuererhöhungen stünden nicht im Wahlprogramm.
- Ein Prozentpunkt bei der Mehrwertsteuer entspräche rund 16 Milliarden Euro Mehreinnahmen jährlich.
🗨️ Kommentar der Redaktion
Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer wäre der falsche Ansatz. Verlässliche Steuerpolitik verlangt klare Zusagen statt Hintertüren, insbesondere bei einer Massensteuer. Wer Entlastungen, Investitionen und Konsolidierung verspricht, muss zuerst Ausgaben disziplinieren, Wachstumskräfte stärken und strukturelle Reformen liefern. Der Hinweis auf mögliche Koalitionszwänge schafft unnötige Unklarheit und unterminiert Vertrauen. Politisch klug ist es, die Option einer Erhöhung jetzt ausdrücklich auszuschließen und den Kurs auf solide Finanzen ohne zusätzliche Belastung des Konsums festzulegen.


