🌍 Trump-Effekt als Katalysator Die angedrohten US-Zölle unter Präsident Donald Trump wirken in Europa wie ein Beschleuniger: Brüssel treibt Handelsabkommen voran, Partnerstaaten suchen im EU-Binnenmarkt einen planbaren Ausweg. Die außenwirtschaftliche Expertin Claudia Schmucker (DGAP) spricht von einer neuen Dynamik – „Länder stehen Schlange“. Der Kern der Entwicklung ist eindeutig: Die Unsicherheit über künftige US-Zölle rückt Drittstaaten näher an Europa. Stand 27. Februar 2026.
🧭 Hintergrund und strategische Neuausrichtung Zwar hat das Oberste Gericht in den USA Teile von Trumps Zollpolitik für verfassungswidrig erklärt, doch bleiben ihm andere Rechtsgrundlagen – die Verunsicherung in der Wirtschaft hält an. Europa reaktiviert vor diesem Hintergrund Leitlinien der „Global Europe“-Strategie von 2007 und verabschiedet sich von überfrachteten Verhandlungspaketen. Statt Perfektion zählt Pragmatismus. Der EU-Binnenmarkt mit 27 Staaten bleibt dabei der entscheidende Trumpf.
🚀 Abkommen im Rekordtempo Brüssel erhöht das Tempo spürbar. Mit Indien setzt die EU auf Zugang zu einem strategischen Markt und akzeptiert dafür teils den Verzicht auf einklagbare Nachhaltigkeitsklauseln – ein markanter Kurswechsel. Das Abkommen mit Indonesien wurde im September 2025 abgeschlossen, Australien steht unmittelbar vor der Unterzeichnung. Parallel sondiert die EU eng mit Mittelmächten aus der CPTPP-Familie, um moderne Regeln für Digitales, Dienstleistungen und robuste Lieferketten zu verankern. Viele Länder sehen in der EU den attraktiveren, verlässlicheren Partner.
- 🌐 Indien: Marktzugang mit pragmatischerem Nachhaltigkeitsansatz
- 🤝 Indonesien: Abschluss im September 2025
- 🇦🇺 Australien: Unterzeichnung in Vorbereitung
- 🌏 CPTPP-Mittelmächte (u. a. Vietnam, Singapur, Kanada, Malaysia, Chile, Mexiko): Gemeinsam mit der EU rund 37 Prozent des Welthandels, Ziel moderner Regelsetzung
🌎 Mercosur als Prüfstein Der Block Mercosur wird zum Lackmustest europäischer Handlungsfähigkeit. Trotz offener Ratifizierung rechnet Schmucker mit einer vorläufigen Anwendung, sobald der erste Mercosur-Staat sein Verfahren abschließt. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz drängt darauf. Die Logik dahinter: komplementäre Märkte, niedrigere Zölle und neue Absatzchancen für europäische Schlüsselindustrien.
🛡️ Selbstbehauptung nach innen und außen Nach Trumps Vorstoß zu Gebietsansprüchen auf Grönland wuchs in der EU der Wille, geschlossen aufzutreten. Im Extremfall, so der Tenor in Brüssel, stünde das Anti-Coercion-Instrument bereit – ein Signal an Washington, dass Europa Gegenmaßnahmen ergreifen kann. Der politische Ton bleibt dennoch eisig: Die EU fordert Planbarkeit und ein Ende einer als chaotisch empfundenen Zollpolitik.
🔁 Transatlantik-Realismus Mit Blick auf anstehende Gespräche mit Washington setzt Europa darauf, den „Turnberry-Deal“ (Juli 2025) zu bewahren, der US-Zölle deckeln würde. Sicher ist wenig, nicht zuletzt, weil die Ukraine-Frage als geopolitischer Hebel in die Verhandlungen hineinwirken kann. Die Lehre: Erwartungsmanagement statt Wunschdenken.
🧱 Eigene Hausaufgaben Parallel richten Partnerstaaten den Blick auf europäische Überregulierung – exemplarisch beim Lieferkettengesetz. Um attraktiv zu bleiben, muss die EU vom erhobenen Zeigefinger zu realistischen, gleichwertigen Standards finden. Nur so verbinden sich Regelsetzung und Marktzugang glaubwürdig.
📊 Wettbewerbsfähigkeit vor Moralpädagogik Der Trump-Effekt zwingt Europa zu ökonomischer Nüchternheit: mehr Tempo, weniger Belehrung, klare Priorität für Wettbewerbsfähigkeit. Neue Abkommen entfalten jedoch nur dann Wirkung, wenn zugleich strukturelle Schwächen adressiert werden – von schwachem Wachstum bis zur Innovationslücke. Der von Mario Draghi benannte Befund ist ernüchternd: In 50 Jahren entstand in Europa kein neu gegründetes Unternehmen mit über 100 Milliarden Euro Börsenwert; in den USA tragen junge Firmen einen Großteil des Wachstums. Handelsöffnung ohne industrielle Erneuerung verpufft. Jetzt gilt es, den Anspruch auf Regelsetzung mit Standortreformen zu unterlegen – dann wird aus dem Zwang der Stunde eine strategische Chance.
🗨️ Kommentar der Redaktion Europa steht vor einer Bewährungsprobe, die kein Pathos, sondern Entschlossenheit verlangt. Der Binnenmarkt ist der Hebel, also müssen Abkommen zügig abgeschlossen und pragmatisch ausgestaltet werden. Mercosur gehört vorläufig angewandt, das Anti-Coercion-Instrument bleibt als Rückendeckung bereit. Gegenüber Washington braucht es Planbarkeit, nicht Naivität. Und nach innen gilt: weniger Überregulierung, mehr Wettbewerbsfähigkeit – sonst bleibt jede Öffnung ein Papiertiger.
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