📰 Sachsen setzt bei Pflege auf internationale Anwerbung Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) bekräftigt am 23. Februar 2026, dass der Freistaat den steigenden Pflegebedarf ohne gezielte Rekrutierung im Ausland nicht decken kann. Bis 2030 werden rund 5.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt. Ein Leipziger Pilotprojekt der Diakonie bildet dafür erstmals junge Brasilianerinnen und Brasilianer zu Pflegefachkräften aus.
📊 Demografischer Druck bis 2030 Die Bevölkerung im Freistaat altert, zugleich schrumpft die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter. Laut amtlicher Vorausberechnung setzt sich diese Entwicklung bis 2030 fort – mit spürbaren Folgen für Pflege, Gesundheitsversorgung und regionale Daseinsvorsorge.
🏥 Pilotprojekt in Leipzig Köpping besuchte ein Pflegeheim der Diakonie in Leipzig, wo seit September neun junge Menschen aus Brasilien eine dreijährige Ausbildung absolvieren. Die Kontakte entstanden nach einem Besuch der Ministerin in dem südamerikanischen Land. Um die Ausbildung auf Deutsch zu ermöglichen, finanzierte die Diakonie vorab in Brasilien Sprachkurse.
🗣️ Sprache als größte Hürde Als größte Herausforderung gilt laut einem 20-jährigen Auszubildenden die deutsche Sprache. Zugleich berichten die Teilnehmenden von positiven Erfahrungen im Alltag.
🤝 Fortsetzung des Programms geplant Die Diakonie zeigt sich zufrieden und plant die Fortführung: Ein zweiter Jahrgang befindet sich bereits im Sprachkurs, ein dritter soll folgen. Der kaufmännische Vorstand Sebastian Steeck betont, dass Sachsen den Engpass nicht allein mit einheimischen Kräften beheben kann und wirbt für mehr gesellschaftliche Offenheit gegenüber internationaler Anwerbung.
⚙️ Pragmatischer Ansatz mit Auflagen Der Vorstoß kommt zur rechten Zeit, doch Rekrutierung im Ausland darf kein Ersatz für notwendige Strukturreformen werden. Entscheidend ist, bürokratische Hürden in den Einrichtungen zu senken, Sprachkompetenz vor und während der Ausbildung systematisch zu fördern und Anerkennungsverfahren zügig, aber qualitätsgesichert zu organisieren.
📍 Ausbildung reicht nicht Bindung zählt Damit der Freistaat nicht nur ausbildet, sondern auch bindet, braucht es verlässliche Arbeitsbedingungen, planbare Karrierepfade und Anreize für Einsätze außerhalb der Ballungsräume. Integration ist kein Selbstläufer: Sie gelingt, wenn Sprachstandards, fachliche Qualifikationen und Werte im Pflegealltag klar eingefordert und unterstützt werden. Der Erfolg solcher Programme misst sich an bestandenen Abschlüssen, langfristiger Beschäftigung in Sachsen und spürbarer Entlastung für Patienten, Angehörige und Pflege-Teams.
🗨️ Kommentar der Redaktion Die Richtung stimmt: Ohne zusätzliche Zuwanderung wird die Versorgungslücke in der Pflege nicht zu schließen sein. Wer das bestreitet, verkennt den demografischen Befund und verspielt Zeit. Gleichzeitig gilt: Standards, Sprache und Werte sind nicht verhandelbar und müssen von Beginn an verbindlich durchgesetzt werden. Der Staat hat die Pflicht, Bürokratie abzubauen und Verlässlichkeit bei Arbeitsbedingungen zu schaffen, sonst bleiben Programme Symbolpolitik. International rekrutieren ja – aber mit klaren Regeln, schneller Anerkennung und der Erwartung dauerhafter Bindung, auch jenseits der Großstädte.
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