📰 Einstieg in eine neue Dimension der Abschreckung Deutschland prüft den Erwerb ballistischer, hyperschallschneller Angriffswaffen mit Reichweiten von bis zu 3.000 Kilometern. Der französische Rüstungskonzern ArianeGroup hat Berlin ein entsprechendes Angebot in Aussicht gestellt. Damit könnte die Bundeswehr eine seit Jahren beklagte Fähigkeitslücke im Deep-Strike-Bereich schließen – politisch brisant, strategisch folgenschwer und finanziell anspruchsvoll.
ℹ️ Hintergrund und Auslöser Deutschland verfügt bislang über keine ballistischen Angriffswaffen. Die Debatte über größere Reichweiten wird durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und durch US-Pläne befeuert, ab 2026 zeitweise Tomahawk-Marschflugkörper, SM-6-Raketen und die in Entwicklung befindliche Hyperschallwaffe Dark Eagle in Deutschland zu stationieren. Parallel drängt Europa auf mehr Eigenständigkeit bei Langstreckenpräzisionswaffen.
🏭 Profil und Motivation der Industrie ArianeGroup, ein Gemeinschaftsunternehmen von Airbus und Safran, das auch Antriebe für Frankreichs U-Boot-gestützte M51-Atomraketen liefert, sieht in der europäischen Reichweitenfähigkeit sowohl einen Markt als auch eine sicherheitspolitische Notwendigkeit.
⏳ Entwicklungsstand und Zeitplan Nach Unternehmensangaben arbeitet ArianeGroup seit vier bis fünf Jahren an einem ein- oder zweistufigen Feststoff-Konzept. Gespräche laufen mit Paris, Berlin und weiteren europäischen Regierungen; konkrete Kosten werden nicht genannt. Selbst bei einer Beschaffungsentscheidung wäre mit mehreren Jahren bis zur Einsatzreife zu rechnen; perspektivisch wäre eine Fertigung auch in Deutschland möglich.
🚀 Technische Einordnung Ballistische Systeme unterscheiden sich von Marschflugkörpern durch den steilen Aufstieg in große Höhen und den überwiegend antriebsfreien Zielanflug auf ballistischer Bahn. Die angebotenen Systeme sollen konventionelle Gefechtsköpfe tragen und Ziele in mehr als 1.000 Kilometern Entfernung binnen weniger Minuten erreichen können. Das verkürzt Vorwarnzeiten in Europa weiter und erhöht die Anforderungen an Luft- und Raketenabwehr.
🌐 Europas Rückstand und Aufholversuche Ziel der Initiative sind schnelle, präzise Schläge über große Distanzen – ein Feld, in dem Europa gegenüber den USA und China deutlich zurückliegt. Die Branche verweist zugleich auf jüngste Hyperschall-Tests in Europa, die den technologischen Rückstand verringern sollen.
🛡️ Strategische Option für Europa Das Angebot eröffnet die Möglichkeit, europäische Reichweitenfähigkeit zu gewinnen, ohne vollständig von US-Systemen abhängig zu sein. Konservativ betrachtet sprechen drei Argumente für eine nüchterne Prüfung:
- Schließen einer kritischen Lücke der konventionellen Abschreckung.
- Stärkung industrieller Souveränität durch eine europäische Lösung.
- Erhöhung der Bündnisfähigkeit durch interoperable, konventionelle Systeme.
❓ Offene Punkte und Risiken Ungeklärt bleiben zentrale Parameter: Gesamtkosten, Zeitplan, Stationierung sowie die Einbindung in bestehende Verteidigungs- und Rüstungskontrollregime.
🏛️ Ausblick für die Bundesregierung Die Bundesregierung muss abwägen, ob sie angesichts knapper Haushalte und hoher außenpolitischer Risiken die industrie- und sicherheitspolitische Langfristwette eingeht. Fest steht: Eine Entscheidung über ballistische Hyperschallraketen wäre mehr als ein Rüstungsprojekt – sie würde das strategische Profil der Republik auf Jahre prägen.
🗨️ Kommentar der Redaktion Deutschland kann sich in diesem sensiblen Fähigkeitsbereich keine dauerhafte Lücke leisten. Wer glaubwürdige Abschreckung will, muss den Deep-Strike schließen – bevorzugt mit einer europäischen Lösung. Maßstab müssen Transparenz bei Kosten, ein realistischer Zeitplan und die strikte Einbettung in Verteidigungs- und Rüstungskontrollrahmen sein. Zögern zementiert technologischen Rückstand und schwächt die Bündnisfähigkeit. Unser Fazit: Berlin sollte die Option konsequent prüfen und bei belastbaren Rahmenbedingungen entschlossen nutzen.
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