DAS NEUSTE

🌊 7000 Jahre unter Wasser: Monumentale Steinstrukturen vor der Bretagne geben Rätsel auf

🧭 Entdeckung vor der Île de Sein Vor der bretonischen Île de Sein haben Forschende eine Gruppe versunkener Steinbauten identifiziert, deren Ausmaß und Alter die Fachwelt aufhorchen lassen. Mehrere Tauchgänge und Auswertungen der Fundstelle deuten auf künstlich errichtete Granitstrukturen; die größte Mauer misst rund 120 Meter. Der Befund rückt technisches Können und soziale Organisation frühsteinzeitlicher Küstenbewohner in den Fokus.

🌊 Hintergrund und Kontext Europa erlebte nach der letzten Eiszeit erhebliche Meeresspiegelanstiege; vormals bewohnte Küstenareale liegen heute unter Wasser. Unterwasserarchäologie schließt damit Wissenslücken über die Übergangszeit vom Mesolithikum zum Neolithikum, eine Phase verdichteter Lebensweisen, zunehmender Arbeitsteilung und erster komplexerer Bauvorhaben. Zugleich mahnt der Fund zur methodischen Nüchternheit: Unterseeische Strukturen sind schwer zugänglich, Datierungen indirekt, Interpretationen müssen belastbar belegt sein.

🧱 Dokumentierte Anlagen und Bauweise Nach Angaben des Forschungsteams wurden insgesamt elf ungewöhnliche Unterwasserstrukturen dokumentiert; wiederholte Tauchgänge bestätigten ihre menschengemachte Herkunft. Die größte Anlage verläuft über etwa 120 Meter und besteht aus aufgeschichteten Granitblöcken; weitere Mauern erreichen rund 90 beziehungsweise 50 Meter Länge.

🕰️ Datierung und Einordnung Die komplexe Anordnung wird in den Zeitraum zwischen etwa 5800 und 5300 v. Chr. datiert und liegt damit deutlich vor den großen Megalithbauten Westfrankreichs. Der Fund erweitert das Bild früher Küstengesellschaften um eine technische und organisatorische Dimension, die in dieser Region bislang kaum belegt war.

🎣 Mögliche Funktionen Zur Funktion kursieren mehrere Hypothesen. Plausibel sind fischereiwirtschaftliche Nutzungen, etwa als Wehre oder Barrieren, die Gezeitenströmungen und topografische Senken ausnutzen. Alternativ wird eine Schutzfunktion diskutiert. Beide Deutungen setzen planerische Kompetenz, wiederkehrende Instandhaltung und eine hinreichende Bevölkerungsstärke voraus.

👥 Soziale Implikationen Bemerkenswert ist der soziale Befund: Die Anlage impliziert, dass maritimen Jägern und Sammlern an der äußersten Westküste Frankreichs bereits im 6. Jahrtausend v. Chr. ein gewisses Maß an Sesshaftigkeit und kollektiver Organisation eigen war. Das widerspricht nicht grundsätzlich dem Bild hochmobiler Kleingruppen, relativiert es jedoch für küstennahe Ökonomien.

🧪 Methodische Zurückhaltung und nächste Schritte Bei aller Bedeutung bleibt wissenschaftliche Zurückhaltung geboten. Ohne direkte Datierungen an organischem Material und ohne Siedlungsspuren sind Funktion und Kontext vorläufig. Priorität haben nun systematische Prospektionen, feinere Datierungsserien und die Einordnung in regionale Landschaftsmodelle. Erst dann lässt sich klären, ob es sich um ein singuläres Phänomen handelt oder um den sichtbaren Teil einer bislang übersehenen vorgeschichtlichen Infrastruktur entlang der atlantischen Küste.

Fazit Der Fund überzeugt nicht durch Mythen, sondern durch nüchterne Indizien für frühe maritim geprägte Bau- und Wirtschaftsweisen. Größe, Bauart und mögliche Nutzung der Mauern sprechen für arbeitsteiliges Vorgehen und dauerhafte Pflege – Kennzeichen sozial komplexerer Gruppen. Zugleich bleibt die Deutung vorläufig, bis weitere Belege vorliegen.

🗨️ Kommentar der Redaktion Dieser Fund verdient Aufmerksamkeit, aber keine Spekulation. Wer hier vorschnell monumentale Zivilisationen heraufbeschwört, ignoriert die Grenzen der Daten. Maßstab müssen belastbare Datierungen, klare Funktionsnachweise und eine saubere regionale Einordnung sein. Erst dann rechtfertigen sich große Thesen – bis dahin gilt Nüchternheit vor Narrativ. Die frühe Küstenökonomie war womöglich komplexer als lange angenommen, doch Beweise gehen vor Erzählung.

Quelle: Externe Quelle

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