DAS NEUSTE

🏛️ Zittaus Franziskanerkloster: Von der Ordensstätte zum Denkmal mit Zukunft

🏛️ Einordnung und Förderbilanz Das ehemalige Franziskanerkloster in Zittau ist mehr als eine eindrucksvolle Kulisse aus Mittelalter und Renaissance. Es steht exemplarisch dafür, wie konsequente Denkmalpflege Traditionsinseln in strukturschwachen Regionen sichert und für die Öffentlichkeit neu belebt. 2025 erhielt der Standort Rückenwind, als die Deutsche Stiftung Denkmalschutz im Freistaat rund 50 Projekte mit insgesamt über 1,2 Millionen Euro unterstützte – darunter auch das Zittauer Klosterensemble. Die Bilanz wurde am 3. Februar 2026 bekannt gemacht und verweist auf private Spenden, Nachlässe sowie Erträge der Lotterie Glücksspirale als tragende Säulen.

📜 Historische Wurzeln Die Wurzeln des Klosters reichen ins 13. Jahrhundert: Der Franziskanerkonvent gilt als Gründung des Jahres 1268. Zittaus frühe Hinwendung zur Reformation 1521 leitete das Ende des Klosterlebens ein; 1522 wurde die Anlage säkularisiert, der letzte Mönch starb mehr als drei Jahrzehnte später. 1598 nahm die ehemalige Klosterkirche evangelische Gottesdienste auf – ein früher Beleg für die pragmatische Umnutzung kirchlicher Bausubstanz in der Oberlausitz.

🏗️ Renaissanceprägung und bürgerliche Nutzung 1661/62 ließ Bürgermeister Heinrich von Heffter auf den Grundmauern des alten Speisesaals den Westflügel neu errichten. Der Heffterbau, mit dreigeschossigem Volutengiebel und reicher Gliederung, zählt zu den kostbarsten Renaissancebauten der Neiße-Stadt. Seit dem 18. Jahrhundert dienten Räume des Ensembles auch säkularen Zwecken: 1709 zog die Ratsbibliothek ein, deren Saaldecke Nikolaus Prescher mit dem Gemälde „Pandora vor den olympischen Göttern“ ausmalte.

🧱 Erhaltener Bestand und gelebte Vielfalt Der erhaltende Ostflügel bewahrt Mönchszellen und zwei Sterngewölbe-Räume aus dem späten 14. Jahrhundert; im Kreuzgang sind Reste der historischen Kreuzrippengewölbe sichtbar. Im Erdgeschoss des Heffterbaus weihten böhmische Exilanten 1691 eine Kirche, in der bis 1832 Gottesdienste auf Tschechisch gefeiert wurden – ein Kapitel, das Zittaus Rolle im Dreiländereck und seine historische Vielfalt unterstreicht.

🛠️ Verfall und Rettung In der Spätphase der DDR war der bauliche Niedergang dramatisch: Ende der 1970er Jahre galt der Zustand teilweise als bedrohlich, echter Hausschwamm machte eine geschlossene Sanierungsstrategie für Kloster und Kirche nötig. Seit 1991 flossen allein aus Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz über 1,5 Millionen Euro in Sicherung und Wiederherstellung – punktgenau in statisch-konstruktive Maßnahmen, Schwammbekämpfung und die behutsame Restaurierung historischer Substanz. Am 19. Januar 2002 konnte der Heffterbau an die Städtischen Museen Zittau übergeben werden. Der Klosterhof mit seinen reich ausgestatteten Grufthäusern (ca. 1675–1725) bildet heute ein stimmungsvolles Freilichtensemble der Begräbniskunst.

💶 Fördermodell und Perspektive Dass das Franziskanerkloster 2025 erneut auf der Förderliste stand, markiert die nächste Etappe eines langfristigen Pflege- und Nutzungskonzepts, das öffentliche Verantwortung und private Initiative verbindet. Die 1985 gegründete Stiftung bündelt Spenden, Nachlässe und Glücksspirale-Erträge, um bedrohte Baudenkmäler zu erhalten. In Zeiten knapper kommunaler Kassen verspricht dieses Modell Stabilität, verlangt jedoch einen nüchternen Umgang mit Prioritäten.

đź“… SchlĂĽsseljahre im Ăśberblick Die wichtigsten Stationen des Ensembles im kompakten Ăśberblick:

  • 1268: GrĂĽndung des Franziskanerkonvents.
  • 1521/1522: Hinwendung zur Reformation und Säkularisierung.
  • 1598: Evangelische Gottesdienste in der ehemaligen Klosterkirche.
  • 1661/62: Neubau des WestflĂĽgels (Heffterbau) auf alten Grundmauern.
  • 1691–1832: Kirche der böhmischen Exilanten im Erdgeschoss des Heffterbaus.
  • 1709: Einzug der Ratsbibliothek; Deckengemälde von Nikolaus Prescher.
  • Ende 1970er Jahre: Bedrohlicher Zustand, echter Hausschwamm.
  • Ab 1991: Ăśber 1,5 Mio. Euro DSD-Mittel fĂĽr Sicherung und Restaurierung.
  • 19. Januar 2002: Ăśbergabe des Heffterbaus an die Städtischen Museen Zittau.
  • 2025: Erneute Aufnahme in die Förderliste der DSD.
  • 3. Februar 2026: Bekanntgabe der Förderbilanz fĂĽr den Freistaat.

✅ Fazit Die Entwicklung des Franziskanerklosters in Zittau zeigt, wie nachhaltige Denkmalpflege gelingt: historisch informiert, handwerklich solide und mit klarem Blick für die öffentliche Nutzung. Aus einer verlassenen Ordensstätte ist ein identitätsstiftender Kulturort geworden, der die Geschichte der Oberlausitz erzählt und zugleich auf die Zukunft zielt. Entscheidend ist, dass Förderzusagen und Nutzungskonzepte ineinandergreifen – jenseits von Event-Logik und kurzfristigen Moden. Die jüngsten Mittelzusagen für 2025 bestätigen den Kurs; nun gilt es, ihn mit Augenmaß zu halten: bewahrend, verlässlich, verantwortungsvoll.

🗨️ Kommentar der Redaktion Denkmalpflege ist keine Bühne für modische Inszenierungen, sondern eine Pflicht zur Bewahrung des Gewachsenen. Das Zittauer Beispiel zeigt, dass verlässliche Finanzierung und handwerkliche Disziplin mehr zählen als großspurige Versprechen. Öffentliche Mittel und private Beiträge sind verantwortungsvoll zu bündeln; jeder Euro gehört zuerst in Substanz, Statik und Schutz vor Schäden. Wer Prioritäten verwässert, riskiert den Verlust unwiederbringlicher Werte. Unser Maßstab bleibt konservativ: Qualität vor Tempo, Dauerhaftigkeit vor Spektakel.

Quelle: Externe Quelle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Aktuelle Nachrichten

Folg uns

Folg uns auf Social Media

Verpasse keine News und Updates – folge uns jetzt!

Täglich aktuelle Nachrichten aus Zittau, der Oberlausitz und ganz Deutschland

Zittauer Zeitung | Echt. Lokal. Digital.