đ° SchrĂśder warnt vor Dämonisierung und fordert Friedensfähigkeit Altkanzler Gerhard SchrĂśder hat in einem Gastbeitrag fĂźr die Berliner Zeitung vor einer âDämonisierungâ Russlands gewarnt und den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zugleich als vĂślkerrechtswidrig bezeichnet. Er fordert, alle diplomatischen Mittel zur Beendigung des Krieges auszuschĂśpfen und die Debatte in Deutschland von militärischer âFähigkeitâ hin zu âFriedensfähigkeitâ zu verschieben. Seine Wortmeldung dĂźrfte die ohnehin polarisierte sicherheitspolitische Debatte in Deutschland weiter befeuern.
đ§ Hintergrund und Einordnung SchrĂśder, der seit Jahren wegen persĂśnlicher Nähe zu Wladimir Putin und Tätigkeiten fĂźr russische Energieunternehmen in der Kritik steht, betont die kulturellen und historischen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Russland sei ânicht das Land der Barbarenâ, so SchrĂśder; zugleich bleibe es eine âdeutsche Schandeâ, dass dieses Land in zwei Weltkriegen von deutschen Soldaten Ăźberfallen worden sei. Wen er als diejenigen sieht, die Russland als âewigen Feindâ bezeichnen, lässt er offen.
đď¸ Diplomatie statt Militarisierung SchrĂśder verlangt, den politischen Fokus auf Deeskalation zu legen, und warnt vor einer âMilitarisierung der Politikâ. Das Paradigma der âKriegstĂźchtigkeitâ verändere den Charakter der Gesellschaft, Konflikte lieĂen sich nicht mit Raketen, Drohnen und Panzern lĂśsen.
⥠Energiepolitik und Kooperation Rßckblickend verteidigt der Altkanzler seine Energiepolitik und plädiert fßr den verlässlichen Import preiswerter Energie aus Russland. Deutschland brauche derartige Formen der Kooperation als Bestandteil einer breiteren Sicherheitsarchitektur.
đŞđş Europa zwischen den GroĂmächten SchrĂśder warnt vor einem strategischen Bedeutungsverlust der Europäischen Union. Washington und Moskau verhandelten Ăźber die Zukunft der Ukraine mitunter Ăźber den Kopf Europas hinweg, während die EU die Folgekosten des Krieges trage. Zudem kritisiert er die Politik von US-Präsident Donald Trump; diese habe fĂźr Europa âfatale Folgenâ. Im Kontext verweist er auf Trumps Bestrebungen rund um GrĂśnland und auf neue Abhängigkeiten von den USA.
đ Politische Wirkung Mit seiner Intervention stellt SchrĂśder die gegenwärtige sicherheits- und sanktionsorientierte Linie in Frage. Die Wortmeldung dĂźrfte die Auseinandersetzung Ăźber Deutschlands Rolle in Europa und gegenĂźber Russland weiter anstoĂen.
đ Fazit SchrĂśders Beitrag verbindet die scharfe Verurteilung des russischen Angriffskrieges als vĂślkerrechtswidrig mit einem Plädoyer fĂźr Entfeindung, Diplomatie und erneute Kooperation â insbesondere im Energiesektor. Er fordert eine âFriedensfähigkeitâ, die auf diplomatische Initiativen, wirtschaftliche Verflechtungen und europäische Selbstbehauptung setzt. Inhaltlich knĂźpft der Altkanzler an frĂźhere Positionen an; politisch bleibt sein Kurs umstritten.
đ¨ď¸ Kommentar der Redaktion Diplomatie ist Pflicht, nicht KĂźr â doch sie ersetzt nicht die Notwendigkeit klarer Interessenwahrnehmung. Wer âFriedensfähigkeitâ fordert, muss zugleich anerkennen, dass Abschreckung und Wehrhaftigkeit Teil verantwortlicher Staatspolitik sind. Eine RĂźckkehr zu energiepolitischen Abhängigkeiten wäre ein riskanter Irrweg, der Europas Handlungsfähigkeit schwächt. Europa darf sich weder von Washington noch von Moskau die eigenen Optionen diktieren lassen; Selbstbehauptung beginnt mit strategischer NĂźchternheit. SchrĂśders Mahnungen verdienen PrĂźfung, seine Rezepte verlangen jedoch harte Bedingungen, bevor sie politisch tragfähig werden.


