🧭 Überblick Zittau wirbt seit einigen Wochen mit dem Slogan „Dein Platz zum Bleiben“. Der erste Zittau-Monitor, über dessen Ergebnisse am 22. Januar 2026 berichtet wurde, zeichnet jedoch ein differenziertes Bild: Viele Einwohner sind persönlich zufrieden, blicken aber deutlich weniger optimistisch auf ihre Stadt. Für Politik und Verwaltung ist das ein nüchterner Stresstest und ein Maßstab dafür, ob Imagekampagnen von Substanz getragen werden.
🎯 Kampagne und Anspruch Die Stadt hat am 24. November 2025 eine breit angelegte Imagekampagne gestartet. Zielgruppen sind Rückkehrer und potenzielle Neubürger; geworben wird digital und mittels Außenwerbung in Ulm, Pforzheim und Würzburg. Finanziert wird die Kampagne nach städtischen Angaben zu 90 Prozent aus dem Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“, konzipiert ist sie langfristig erweiterbar. Den Zuschlag erhielt eine Agentur aus Bremen. Der Anspruch: Vorzüge wie niedrigere Mieten, Kitaplätze und kurze Wege betonen – und so die Innenstadt beleben.
📊 Stimmungslage und Methode 83 Prozent der Zittauer sind mit ihrem eigenen Leben zufrieden, aber nur 62 Prozent mit dem Leben in der Stadt. 61 Prozent blicken optimistisch auf die eigene Zukunft, jedoch nur 43 Prozent auf die Zukunft Zittaus. Oberbürgermeister Thomas Zenker reagiert darauf mit Verwunderung: „Ich verstehe das noch nicht ganz, wenn man sagt, es geht einem nahezu hervorragend, aber gleichzeitig hat man einen schlechten Blick auf die Stadt.“ Grundlage der Erhebung sind mehr als 700 ausgefüllte Fragebögen bei 2.500 verteilten Exemplaren.
🧳 Abwanderung und Arbeitsmarkt 13 Prozent können sich vorstellen, Zittau innerhalb der nächsten zwei Jahre zu verlassen. Als stärkster Treiber eines Wegzugs werden Wirtschaft, Arbeit und Ausbildung genannt. Das spiegelt sich in der Zufriedenheit: Nur jeder Vierte ist mit Arbeit und Ausbildung zufrieden, beim Gehalt sind es 17 Prozent.
🌟 Stärken im Alltag Rund zwei Drittel bewerten das Kultur- und Freizeitangebot positiv. Zugleich wird die lokale Hochschullandschaft von 68 Prozent als wichtiges Strukturmerkmal gesehen. 40 Prozent bescheinigen der Verwaltung zufriedenstellende digitale Angebote.
⚠️ Schwachstellen und Infrastruktur Nur 23 Prozent sind mit der Gesundheitsversorgung zufrieden, 37 Prozent mit der Straßenanbindung und 34 Prozent mit dem öffentlichen Nahverkehr. Jeder Vierte äußert Unzufriedenheit mit der Leistungsfähigkeit der Kommune; die Belebung der Innenstadt bleibt für ebenso viele ein zentrales Anliegen.
🏛️ Maßstab für Politik und Verwaltung Der Zittau-Monitor liefert nüchterne Kennzahlen, die über Werbebotschaften hinausweisen. Wer Menschen binden will, muss verlässlich in Grundlagen investieren: wettbewerbsfähige Arbeitsplätze, bessere Löhne, verlässliche Gesundheitsversorgung, leistungsfähige Infrastruktur und eine bürgernahe Verwaltung. Die Kampagne kann Aufmerksamkeit erzeugen – ob Zittau zum Bleiben überzeugt, entscheidet sich am Ende an wirtschaftlicher Substanz, funktionierenden Diensten und einer konsequent belebten Innenstadt. Politik und Verwaltung sind gut beraten, die gezeigten Defizite priorisiert abzuarbeiten und die Stärken der Stadt offensiv zu sichern.
- Wettbewerbsfähige Arbeitsplätze und bessere Löhne
- Verlässliche Gesundheitsversorgung
- Leistungsfähige Infrastruktur von Straße bis ÖPNV
- Bürgernahe und digitale Verwaltung
- Konsequente Belebung der Innenstadt
🗨️ 🗨️ Kommentar der Redaktion Marketing kann Impulse setzen, aber ohne solide Grundlagen bleibt es Fassade. Zittau braucht zuerst wirtschaftliche Stärke, verlässliche Versorgung und funktionierende Infrastruktur; dann folgt das Image von selbst. Politik und Verwaltung sollten die klar benannten Schwächen ohne Ausflüchte priorisiert abarbeiten und Ergebnisse messbar machen. Wer bleiben soll, entscheidet nach Löhnen, Diensten und Erreichbarkeit – nicht nach Slogans. Die Kampagne ist nur dann sinnvoll, wenn sie konsequent an harte Reformen gekoppelt wird.


