🏥 Trendwende in Hoyerswerda Das Lausitzer Seenland Klinikum meldet eine Kehrtwende: Für das Geschäftsjahr 2025 rechnet Geschäftsführerin Juliane Kirfe mit einem ausgeglichenen Ergebnis. Nach deutlichen Verlusten im Vorjahr wäre dies ein Signal der Konsolidierung in einem schwierigen Krankenhausumfeld. Die Nachricht wurde am 21. Januar 2026 öffentlich und steht für nüchterne Sanierung statt großspuriger Ankündigungen.
📊 Schwerpunktversorger mit breiter Basis Das Haus ist mit 14 Fachabteilungen und zwei Instituten ein Schwerpunktversorger in der Oberlausitz, neben den Standorten Görlitz und Bautzen. Rund 1.000 Beschäftigte sichern die Versorgung. Im vergangenen Jahr wurden 17.000 stationäre Behandlungen und etwa 8.400 Operationen erbracht; die durchschnittliche Verweildauer lag bei gut fünf Tagen.
📈 Bedeutung der schwarzen Null Noch 2024 verbuchte das Klinikum einen Fehlbetrag von 2,5 Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund ist die erwartete schwarze Null für 2025 mehr als ein buchhalterisches Detail: Sie zeigt, dass Ertragslage und Kostenkontrolle wieder näher beieinander liegen.
🤝 Kooperation in der Versorgung Strategisch setzt das Klinikum auf Zusammenarbeit. Seit Jahresbeginn werden Mamma-Patientinnen mittwochs in Hoyerswerda operiert und kehren zur Nachsorge nach Spremberg zurück. Die angestrebte Zertifizierung als Brustzentrum blieb bislang aus, weil die notwendige Mindestfallzahl von 100 Fällen noch nicht erreicht wurde – ein realistischer Hinweis auf Grenzen der Spezialisierung in der Fläche.
💻 Elektronische Patientenakte als Hebel Parallel treibt das Klinikum die digitale Dokumentation voran. Nach breitem Roll-out 2025 sollen 2026 unter anderem Intensivstation, OP und Anästhesie vollständig digital arbeiten – mit dem Ziel schnellerer Abläufe und weniger Papier.
👩⚕️ Internationale Fachkräfte und lokale Bindung Ein zweiter Schwerpunkt ist die Personalgewinnung. Gute Erfahrungen mit Pflegekräften aus Brasilien werden fortgeführt: 15 Fachkräfte sind bereits im Einsatz; weitere 16 bereiten sich in ihrer Heimat sprachlich auf den Einsatz in Hoyerswerda vor und könnten in etwa einem Jahr die Teams verstärken. Das entlastet die Stationen, ändert aber nichts daran, dass Ausbildung, Bindung und Arbeitsbedingungen vor Ort entscheidend bleiben.
🔭 Ausblick für Region und Klinik Das Klinikum verlässt die Verlustzone und setzt auf Kooperation, Digitalisierung und internationale Fachkräfte. Das ist solide, aber kein Selbstläufer. Erst wenn Ergebnisstabilität über mehrere Jahre trägt, Zertifizierungen erreicht und Personalstrukturen dauerhaft gesichert sind, lässt sich von einer belastbaren Trendwende sprechen. Für die Region ist die Aussicht auf ein ausgeglichenes 2025 dennoch eine gute Nachricht – sie stärkt das Vertrauen, dass verlässliche Versorgung auch abseits der Metropolen möglich ist.
🗨️ Kommentar der Redaktion Eine schwarze Null ist ein notwendiger Schritt, kein Triumph. Entscheidend ist nun, dass die Klinik ihre Linie der nüchternen Sanierung fortsetzt und Prioritäten klar setzt. Kooperation und Digitalisierung sind Mittel zum Zweck, nicht Selbstzweck; sie müssen messbar in Qualität und Effizienz einzahlen. Personalpolitik heißt, internationale Gewinnung mit starker Ausbildung und Bindung vor Ort zu verbinden. Erst kontinuierliche Ergebnisse über mehrere Jahre rechtfertigen, von einer echten Trendwende zu sprechen.


