Ungewöhnliche Details bei Dezernatsleitung im Landratsamt Görlitz
Die aktuelle Stellenausschreibung des Landratsamts Görlitz für die Leitung des Dezernats III sorgt für erhebliche Irritationen. Mehrere Punkte der Ausschreibung weichen deutlich von üblichen Standards bei Führungspositionen dieser Ebene ab – und werfen Fragen nach Professionalität, Transparenz und Ernsthaftigkeit des Auswahlverfahrens auf.
🧱 Fachliche Anforderungen erstaunlich unklar
Das Dezernat III vereint zentrale Aufgabenbereiche wie Bauaufsicht, Denkmalschutz, Infrastruktur, Umwelt, Vermessung und Schulverwaltung. Umso auffälliger ist, dass die Ausschreibung keine eindeutig einschlägige fachliche Qualifikation verlangt.
Zwar wird ein abgeschlossenes wissenschaftliches Hochschulstudium vorausgesetzt, jedoch auch betriebswirtschaftliche Abschlüsse zugelassen. Für ein Dezernat mit stark technisch-planerischem Schwerpunkt erscheint dies ungewöhnlich. Ohne fundiertes Fachwissen in Architektur, Bauingenieurwesen oder Raum- und Stadtplanung ist eine fachliche Steuerung und Kontrolle der nachgeordneten Bereiche nur eingeschränkt möglich.
⏳ Bewerbungsfrist deutlich zu kurz
Besonders kritisch fällt die extrem kurze Bewerbungsfrist ins Gewicht. Zwischen Veröffentlichung am 19. Januar 2026 und Fristende am 1. Februar 2026 liegen nur rund 13 Tage.
Für eine Führungsposition auf Ebene EG 15 TVöD bzw. A 16 ist dies deutlich unter dem üblichen Rahmen. Vergleichbare Ausschreibungen sehen regelmäßig vier bis sechs Wochen vor. Eine derart knappe Frist reduziert zwangsläufig den Bewerberkreis – und weckt Zweifel, ob tatsächlich eine breite und offene Suche beabsichtigt ist.
🏛️ Rollenvermischung in der Aufgabenbeschreibung
Auffällig ist zudem die Aufgabenbeschreibung. Dort wird von der „Entwicklung politischer Zielvorgaben, Leitlinien und Grundsätze“ gesprochen.
Eine Dezernentenstelle ist jedoch keine politische Funktion, sondern eine verwaltungsfachliche Führungsposition. Politische Zielsetzungen werden vom Kreistag und dem Landrat beschlossen – nicht von der Verwaltung selbst entwickelt. Die Formulierungen in der Ausschreibung lassen eine problematische Rollenvermischung zwischen politischer Steuerung und administrativer Umsetzung erkennen.
🔍 Transparenz bleibt offen
Hinzu kommt der Hinweis, dass externe Bewerber nur berücksichtigt werden sollen, sofern keine geeigneten internen Kandidaten zur Verfügung stehen. In Kombination mit der kurzen Bewerbungsfrist entsteht der Eindruck, dass das Verfahren nicht vollständig ergebnisoffen angelegt ist.
Gerade bei einer Schlüsselposition dieser Größenordnung wäre jedoch ein transparentes, nachvollziehbares und breit angelegtes Auswahlverfahren zwingend geboten.
🗨️ Kommentar der Redaktion
Die Stellenausschreibung zur Dezernatsleitung III hinterlässt einen schalen Beigeschmack. Unklare fachliche Anforderungen, eine ungewöhnlich kurze Bewerbungsfrist und eine unscharfe Aufgabenbeschreibung lassen Zweifel an der Sorgfalt des Verfahrens aufkommen. Wer die bestgeeignete Person für eine der wichtigsten Verwaltungspositionen im Landkreis sucht, sollte höchste Maßstäbe an Klarheit, Offenheit und Professionalität anlegen. Genau das ist hier bislang nicht erkennbar.


