📰 Konfliktlinie zwischen Klima und Handel Die US-Regierung stuft die neue EU-Methanregulierung für Öl- und Gasimporte als erhebliches nichttarifäres Handelshemmnis ein und drängt auf großzügige Ausnahmen bis 2035. Brüssel lehnt substanzielle Änderungen ab, signalisiert aber vereinfachte Nachweise für Unternehmen. Der Streit fällt in eine Phase, in der Europa seine Energieversorgung gegen Preisschocks absichern und gleichzeitig Emissionen senken will.
🌍 Hintergrund der EU Regel Die EU hat 2025 ein weltweit beachtetes Regelwerk in Kraft gesetzt, das Importeure verpflichtet, Methanemissionen entlang der Lieferkette zu überwachen und zu berichten. Ziel ist es, den Ausstoß des besonders klimawirksamen Gases zu senken. Nach dem Ausstieg aus russischen Lieferungen ist Europa stärker auf US‑LNG angewiesen — ein Grund, weshalb Washington vor Versorgungsrisiken warnt und die Vorgaben als marktverzerrend kritisiert. Die EU-Kommission hält am Kern des Gesetzes fest, will aber die Umsetzung praxistauglicher gestalten.
🇺🇸 Forderungen Washingtons im Detail Laut einem Regierungsdokument, das den EU-Mitgliedstaaten vorlag, fordert Washington eine Verschiebung der EU‑Pflichten zur Emissionsberichterstattung für US‑Exporte bis Oktober 2035, die Anerkennung „gleichwertiger“ US‑Vorschriften sowie Zusagen, bei Verstößen keine Sanktionen zu verhängen. In dem Papier wird die EU‑Regel als „kritisches nichttarifäres Handelshemmnis“ bezeichnet.
- Verschiebung der Berichtspflichten bis Oktober 2035
- Anerkennung „gleichwertiger“ US‑Vorschriften
- Zusagen, bei Verstößen keine Sanktionen zu verhängen
🇪🇺 Brüssels Antwort Brüssel verweist auf die Rechtsklarheit der Verordnung und bietet Unternehmen vereinfachte Pfade zur Compliance an. EU‑Energiekommissar Dan Jørgensen erklärte, man werde bei der Umsetzung helfen, „aber die Gesetzgebung nicht ändern“.
🧭 Industrie und regulatorische Gleichwertigkeit Branchenverbände drängen auf Anpassungen, ohne eine vollständige Ausnahme für die USA zu verlangen. Zugleich erschweren in den USA geplante Lockerungen bei der föderalen Emissionsberichterstattung die von Washington geforderte Gleichwertigkeit.
🔎 Ausblick und Planungssicherheit Der Konflikt markiert eine Bruchlinie zwischen Klimapolitik und Handel: Die EU verteidigt regulatorische Souveränität und Klimaziele, die USA pochen auf Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit ihrer Produzenten. Politisch dürfte Brüssel am Fundament der Regeln festhalten, technisch aber weiter an handhabbaren Nachweissystemen arbeiten. Für europäische Versorger und US‑Exporteure bleibt Planungssicherheit erst dann erreichbar, wenn die Detailvorgaben zur Einhaltung eindeutig und dauerhaft praktikabel sind.
🗨️ Kommentar der Redaktion Die EU darf ihre Klimapolitik nicht an kurzfristige Forderungen eines wichtigen Lieferanten delegieren. Großzügige Ausnahmen bis 2035 würden die Glaubwürdigkeit der Regeln aushöhlen und Investitionssignale verwässern. Gleichzeitig braucht die Industrie praktikable, verlässliche Nachweiswege — genau hier ist Brüssel gefordert, Tempo und Klarheit zu liefern. Washington sollte auf echte Gleichwertigkeit hinarbeiten statt Sanktionsfreiheit zu verlangen. Versorgungssicherheit ist wichtig, rechtssichere und durchsetzbare Standards sind es ebenso.


