📰 Einordnung Am 16. Dezember 2025 soll die Lausitz offiziell als europäische Modellregion für klimafreundliche Industrie ausgewiesen werden. Die Wirtschaftsminister von Brandenburg und Sachsen übergeben am Nachmittag den Ausweisungsbeschluss für das Net Zero Valley Lausitz. Ziel ist ein klarer Standortvorteil durch beschleunigte Verfahren und ein industrieller Aufbruch – ohne neue Versprechen von blühenden Landschaften.
🇪🇺 EU-Rahmen Das Vorhaben dockt an den Net-Zero-Industry-Act der EU an. Dieser zielt auf mehr Wettbewerbsfähigkeit, eine geringere Technologieabhängigkeit sowie das Erreichen der Klima- und Energieziele und definiert dafür 19 Schlüsseltechnologien. Brandenburg und Sachsen präsentierten die Bewerbung der Lausitz bereits im März 2025 in Brüssel – als Baustein des laufenden Strukturwandels.
🗺️ Zuschnitt der Modellregion Konkret sollen in Brandenburg und Sachsen jeweils fünf Valleys mit insgesamt rund 800 Hektar ausgewiesen werden; hinzu kommt der grenzüberschreitende Industriepark Schwarze Pumpe. Vorgesehen sind regionale Geschäftsstellen in Cottbus und Görlitz. Kernelement ist die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren, um Investitionen zu ziehen.
🔋 Schwerpunkte der Industrie Inhaltlich setzt die Region auf vier Felder: Batterie- und Speichertechnologien, Wasserstoff- und Stromnetztechnologien sowie Energieeffizienz und Sektorkopplung. So soll ein attraktives Umfeld für Produktionsanlagen sauberer Technologien entstehen – verbunden mit der klaren Erwartung deutlich schnellerer Verfahren als bisher.
⚠️ Warnungen aus der Region Gleichzeitig kommen Mahnungen aus der Region. Der Görlitzer Landrat Stephan Meyer warnt, ohne echte Beschleunigung bliebe das Label ein reines Marketinginstrument. Der Hinweis adressiert die bekannte Sollbruchstelle deutscher Industriepolitik: politische Zielbilder auf der einen, langwierige Verfahren auf der anderen Seite.
🔎 Ausblick und Nagelprobe Die Lausitz erhält mit dem Net-Zero-Status die Chance, industrielle Wertschöpfung zu binden und neue Technologien anzusiedeln. Entscheidend ist die Praxis: Nur wenn Genehmigungen verlässlich schneller werden, Energie- und Flächenverfügbarkeit gesichert sind und die Verwaltungen robust liefern, trägt das Projekt über Symbolik hinaus. Der Anspruch ist hoch, die Erwartung ebenso – die Nagelprobe folgt mit den ersten tatsächlich realisierten Ansiedlungen.
🗨️ Kommentar der Redaktion Der Ansatz ist richtig, doch er wird nur so gut sein wie seine Umsetzung. Beschleunigte Verfahren sind kein Wunsch, sondern Voraussetzung; ohne klare Fristen, stringente Priorisierung und Disziplin in den Behörden wird das Etikett verpuffen. Wer investive Planungssicherheit will, braucht verlässliche Energie- und Flächenangebote sowie Entscheidungskompetenz vor Ort. Die Region sollte nüchtern liefern statt große Worte zu pflegen – messbar, terminiert, nachprüfbar. Daran wird sich das Net Zero Valley Lausitz messen lassen müssen.


