📰 Nächtliche Übung in der Hauptstadtregion Die Bundeswehr probt in Berlin und Brandenburg den Ernstfall: Das Wachbataillon trainiert seit dieser Woche nachts in der U-Bahn-Station Jungfernheide sowie auf einem Industriegelände in Rüdersdorf den Kampf im urbanen Raum. Die Truppe betont ein realitätsnahes Szenario; Lärm, Pyrotechnik und der öffentliche Rahmen sorgen zugleich für Kritik in der Region. In der U-Bahn wurde laut Bundeswehr nicht mit scharfer Munition geschossen.
🛡️ Auftrag und sicherheitspolitischer Rahmen Das Wachbataillon schützt im Protokoll den Staat, sichert jedoch im Spannungs- und Verteidigungsfall Regierungsgebäude und kritische Infrastruktur. Vor diesem Hintergrund wird unter realitätsnahen Bedingungen geübt, einschließlich verwundeter Darsteller und Gefechtslärm. Die Wahl ziviler Übungsräume begründet die Truppe mit der besonderen Topographie der Hauptstadt.
📍 Schlüsselräume U-Bahnhöfe und Industrieareale U-Bahnhöfe und Industrieareale gelten als potenzielle Knotenpunkte für Bewegung und die Sicherung eigener Kräfte. Deshalb lagen die Schwerpunkte in der Station Jungfernheide und im früheren Chemiewerk Rüdersdorf; zusätzlich floss ein Berliner Polizei-Trainingsgelände in Ruhleben in die mehrtägige Gefechtsübung ein.
🎯 Ablauf der Szenarien In mehreren Nächten ließ die Bundeswehr einen besetzten Bahnhof freikämpfen, Verletzte bergen und Abschnitte sichern, eine Lage, die Offiziere als sehr realistisch beschreiben. Anwohnern wurde zugesichert, dass vor Ort nur mit Platzpatronen gearbeitet werde.
🗓️ Zeitraum und Ankündigung Die Gemeinde Rüdersdorf kündigte die Übung für den Zeitraum 17. bis 21. November an. Begleitend wurde auf Fahrzeugbewegungen, Boote und Hubschrauber hingewiesen; Kettenfahrzeuge waren nicht vorgesehen. Zugleich stellte das Rathaus klar, dass Planung und Genehmigung in Bundeszuständigkeit liegen und die Kommune keinen Einfluss auf die Ausgestaltung hat.
🚧 Verkehr und Umfeld Rüdersdorf rechnete im Vorfeld mit Auswirkungen auf Straßen und Wege und bat darum, das Umfeld des Chemiewerks zu meiden. Zudem wurde auf mögliche Flugbewegungen hingewiesen.
📣 Kritik an Kommunikation und Rahmen Für Irritationen sorgte die Kommunikation. Die Linke-Kreisabgeordnete Kerstin Kaiser kritisierte Übungen im öffentlichen Raum und sprach von einer Missachtung der Zuständigkeiten des Landkreises; sie kündigte einen Antrag zur politischen Ablehnung solcher Formate an. Der BSW-Landtagsabgeordnete Falk Peschel wandte sich gegen aus seiner Sicht martialische Übungen und warb für Diplomatie. In Rüdersdorf formierte sich eine Mahnwache. Die Bundeswehr verweist auf die Notwendigkeit, Landesverteidigung unter urbanen Bedingungen zu trainieren.
🔊 Lärmbelastung und Sicherheitsvorkehrungen Der Übungsbetrieb umfasste Pyrotechnik und Gefechtslärm, was im öffentlichen Umfeld für zusätzliche Sensibilität sorgte. Zugleich betonte die Truppe kontrollierte Abläufe und den Verzicht auf scharfe Munition in der U-Bahn.
🧭 Einordnung und Ausblick Deutschland muss die Einsatzbereitschaft seiner Streitkräfte realistisch prüfen, gerade im urbanen Umfeld der Hauptstadt. Akzeptanz entsteht durch Transparenz, lückenlose Sicherheitsvorkehrungen und frühzeitige Einbindung der Kommunen. Die aktuelle Übung zeigt sowohl die sicherheitspolitische Notwendigkeit solcher Trainings als auch kommunikativen Nachholbedarf. Ob die Balance gelingt, entscheidet sich daran, wie konsequent die Informationspraxis nachgeschärft wird und wie Behörden die Belange der Anwohner im Vorfeld verbindlich berücksichtigen.
🗨️ Kommentar der Redaktion Landesverteidigung beginnt nicht im Seminarraum, sondern in realen urbanen Räumen. Wer den öffentlichen Übungsrahmen pauschal delegitimiert, riskiert schlechter vorbereitete Kräfte und damit eine Schwächung staatlicher Handlungsfähigkeit. Kritik an Ton, Takt und Timing ist legitim; konsequente Abhilfe heißt jedoch bessere Information, nicht Verzicht auf Übung. Martialisch ist nicht die Vorbereitung, sondern der Ernstfall, und auf ihn müssen Soldaten vorbereitet sein. Der Bund hat hier das Primat, Kommunen sollten kooperativ begleiten und die Bevölkerung frühzeitig mitnehmen.


