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Holzschuhe machen Zittaus Zwangsarbeit hörbar

Erinnerung im Bahnhofstunnel

Zwei Personen gehen in Holzschuhen durch den Zittauer Bahnhofstunnel.
Zwei Personen gehen in Holzschuhen durch den Zittauer Bahnhofstunnel.Foto: Sascha Röhricht

Die Künstler Sascha Röhricht und Sebastian Hänel bringen am Mittwoch, 28. Oktober, die Mitmachaktion „Die Russen kommen“ in den Zittauer Bahnhofstunnel. Zwischen 12 und 17 Uhr können Besucher auf Holzschuhen durch den Tunnel gehen, während die dabei entstehenden Geräusche an die Geschichte der Zwangsarbeit bei den Zittwerken erinnern.

Ausgangspunkt der Arbeit ist eine Erinnerung der früheren Zittwerke-Arbeiterin Annelore Gäbler. Sie beschrieb, wie das Klappern der Holzschuhe von Zwangsarbeitern in den Jahren 1944 und 1945 im Tunnel zu hören gewesen sei. Röhricht und Hänel greifen dieses akustische Bild auf. Die Teilnehmer erzeugen die Geräusche selbst und erleben dadurch, wie der nüchterne Durchgang zwischen Bahnhof und Stadt zu einem Ort der historischen Auseinandersetzung wird.

Historische Geräusche treffen auf Klänge der Gegenwart

Die Holzschuhe stehen bei der Aktion nicht als Ausstellungsstücke hinter Glas. Sie werden getragen und bringen den Tunnel zum Klingen. Ergänzt wird dieses Geräusch durch Klänge moderner Drohnen. Nach Angaben der Städtischen Museen verbinden die Künstler damit eine historische Erfahrung aus der Kriegsproduktion mit einer Technik, die heute erneut eng mit militärischen Konflikten verbunden ist. Die Gegenüberstellung soll keine konkrete Situation nachstellen. Sie eröffnet einen hörbaren Zugang zu Fragen nach Arbeit, Technik und Krieg.

Während der fünfstündigen Aktion wollen die Künstler mit Passanten ins Gespräch kommen. Im Mittelpunkt stehen die Zittwerke, die dort eingesetzten Zwangsarbeiter und die Erzählungen, die sich bis heute um den früheren Rüstungsstandort ranken. Wer den Tunnel an diesem Nachmittag nutzt, kann die Aktion beobachten oder selbst teilnehmen. Die Ankündigung richtet sich ausdrücklich auch an Menschen, die zufällig vorbeikommen; eine Anmeldung wird darin nicht verlangt.

Inhaltlich gehört die Veranstaltung zur Sonderausstellung „Staatsgeheimnis! Die Zittwerke – Rüstungsschmiede und Zwangsarbeitslager“, die das Museum Kirche zum Heiligen Kreuz zeigt. Die Ausstellung zeichnet die Entwicklung des Werkes vom Aufbau 1944 bis zur Übernahme durch die Rote Armee 1945 nach und beschäftigt sich auch mit der Nachnutzung des Geländes. Fotografien, Dokumente, Pläne und Erinnerungen von Zeitzeugen bilden dort die Grundlage.

Die Mitmachaktion findet am 28. Oktober von 12 bis 17 Uhr im Bahnhofstunnel Zittau statt. Sie verlagert einen Teil der Museumsarbeit an einen öffentlichen Ort, den täglich viele Menschen durchqueren, und schafft dort für wenige Stunden einen direkten Zugang zur Geschichte der Zittwerke.



Quellen

Städtische Museen Zittau · Sonderausstellung „Staatsgeheimnis! Die Zittwerke – Rüstungsschmiede und Zwangsarbeitslager“

Thema:
  • Kunstaktion Die Russen kommen
  • Zittau
  • Bahnhofstunnel
  • Zittwerke
  • Zwangsarbeit

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